4.01.2013 16:25
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann/Samuel Krähenbühl
Bauernverband
Bauernverband kämpft für mehr Wertschöpfung
«Die Schweiz ist, was sie isst», war das Motto an der Jahresmedienkonferenz des Schweizerischen Bauernverbands (SBV) gestern in Thörishaus BE. Die Politik sei gefordert, um die inländische Produktion attraktiv zu erhalten.

Den Konsumenten gebe  nicht, sondern eine Vielzahl von unterschiedlichen Typen, betonte SBV-Direktor Jacques Bourgeois gestern an  der SBV-Jahresmedienkonferenz auf dem Gemüsebaubetrieb von Claudia und Peter Herren in Thörishaus BE (siehe Kasten).  Diese unterschiedlichen Erwartungen brächten für die Landwirtschaft teils Widersprüche mit sich. Der Wunsch nach immer strengeren Regeln bei Tierwohl und Umwelt stehe in einem gewissen Konflikt mit dem gleichzeitigen Druck, günstiger zu produzieren und international wettbewerbsfähiger zu werden.

Mehr Fertigmenüs

Vier Trends im Schweizer Ernährungsverhalten macht Francis Egger aus, Leiter des SBV-Departements Wirtschaft und Politik. Die Produktvielfalt in den Läden nehme zu.  Es werde mehr ausser Haus gegessen. Wer zu Hause esse, reduziere den Aufwand mit mehr Convenience-Produkten. Aber der SBV stellt auch fest:  «Der verantwortungsvolle Konsum nimmt zu.»

Die Schweiz sei in ihrer Nahrungsmittelversorgung bereits stark vom Ausland abhängig. Der Brutto-Selbstversorgungsgrad betrage 58%, der Nettoselbstversorgungsgrad (abzüglich der importierten Futtermittel) liege bei 52%, so Egger.

Nicht mehr Kraftfutter

Wenn man die Zahlen genau anschaue, dann stelle man fest, dass der Anteil Kraftfutter an der Gesamtration entgegen dem, was oft behauptet würde, kaum zunehme. So habe der Anteil des Kraftfutters im Jahr 1990 16,7% betragen, während dieser Anteil bis 2010 nur ganz leicht auf 17,8% gestiegen sei. Was aber geändert habe – und das sei bedenklich – sei der Anteil an importiertem Kraftfutter, weil der inländische Futtergetreideanbau stark zurückgegangen sei. So seien 1990 noch 71,9 % des Kraftfutters hierzulande produziert worden, während dieser Anteil 2010 auf nur noch 41,6% gefallen sei. 

Auch pflanzliche Lebensmittel würden im grossen Stil importiert: «Um unsere Ernährung sicherzustellen, belegen wir im Ausland nochmals dieselbe Fläche wie im Inland.» Und  die Entfremdung zwischen Konsument und Bauer nehme zu.  Es würden weniger Leute in der Landwirtschaft arbeiten, und der zunehmende Verarbeitungsgrad trage dazu bei: «Einem Fertigknöpfli sieht man die darin enthaltenen Eier nicht mehr an.» 

Interessen einbringen

Daraus folgerte SBV-Präsident Markus Ritter: «Die politischen Rahmenbedingungen müssen stimmen!» Den Konsumenten will der SBV stärker bewusst machen, dass hohe Anforderungen an Qualität, Tierwohl und Umweltschutz auch einen Preis haben. Der Lebensmittelmarkt müsse transparenter werden. Bei der Umsetzung der Agrarpolitik 2014–2017 (AP 2017) werde sich der SBV dafür einsetzen, dass zumindest auf Verordnungsebene den Interessen der produzierenden Landwirtschaft doch noch stärker Rechnung getragen werde.

Auf die Frage, ob  der Selbstversorgungsgrad mit der AP 2017 nicht eher zurückgehen werde, meinte Ritter, dass zwar der Bundesrat davon ausgehe dass mit der AP 2017 der Nettoselbstversorgungsgrad steige, weil der Ackerbau ausgebaut und die Netto-Kalorienproduktion erhöht werden können. «Ich persönlich bin hier skeptischer», betone er. Die Anreize für Extensivierung seien verstärkt worden. «Hier besteht eine Gefahr, dass die Nahrungsmittelproduktion aufgrund der sehr attraktiven Extensivierung von landwirtschaftlichen Flächen zurückgeht», fügte er an.

Betrieb Herren

Claudia und Peter Herren bewirtschaften in Thörishaus in der Talzone 21,83 ha. Herrens, die seit den schwierigen 1930er-Jahren Gemüse direkt vermarkten, haben sich dabei immer wieder  den veränderten Wünschen der Konsumenten  angepasst.  Seit 1992 liefern sie einen grossen Teil des Gemüses an die Migros Aare, gehen aber auch in die Stadt Bern auf den Wochenmarkt und betreiben einen Hofladen. Seit 1996 produzieren und verkaufen sie Weihnachtsbäume. 1997 wurde die Haltung von Milchkühen aufgegeben.  2001 schlossen sie sich mit mit vier anderen Produzenten zur Gemüseplattform Thörishaus zusammen.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE