23.03.2017 13:15
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Bern
«Bauernverband ist gegen kleine Betriebe»
Der Berner Bauernverband will die Vorlage zu 0,6 SAK im Tal zurückweisen. Initiant Samuel Graber äussert scharfe Kritik.

Bergbauer Samuel Graber (SVP, BE) fand im Berner Kantonsparlament eine Mehrheit für seine Motion, die Gewerbegrenze im Kanton Bern von bisher 0,75 Standardarbeitskräften (SAK) im Berg- und Hügelgebiet und 1,0 SAK im Talgebiet generell auf 0,6 SAK zu senken.

BEBV will Rückweisung

Er will damit verhindern, dass Betriebe wegen der neuen, tieferen Faktoren für die SAK nicht mehr als landwirtschaftliches Gewerbe gelten, deshalb den Betrieb innerhalb der Familie nicht mehr gesetzlich zum Ertragswert übergeben können und in der Raumplanung Nachteile haben. Der Regierungsrat will die Motion nur halb umsetzen. Er schlägt vor, dass die 0,6 SAK nur fürs Berg- und Hügelgebiet kommen und im Tal die heutigen 1,0 SAK bleiben.

Nun hat der Grosse Vorstand des Berner Bauernverbands (BEBV) den Gesetzesvorschlag der Regierung diskutiert. Dabei sei festgestellt worden, so der BEBV in einer Medienmitteilung, dass eine bisher nicht beachtete Auswirkung dieser Umsetzung fatale Folgen haben könne. Denn durch die neue Bewertung würden ca. 800 Betriebe im ganzen Kanton neu als Gewerbe gelten. Der BEBV warnt: «Diese Neubewertung hätte zur Folge, dass die Belehnungsgrenze dieser Betriebe drastisch sinken würde. Gemäss Abklärungen müssten dadurch bis zu 200 Betriebe im ganzen Kanton umgeschuldet werden und wären dadurch in ihrer Existenz akut bedroht.»

Vorwürfe an den BEBV

Nach eingehender Diskussion habe der Grosse Vorstand entschieden, dieses Geschäft an die Regierung zurückzugeben und verlangt, dass diese Problematik geklärt werde. «Der BEBV kann nicht verantworten, dass so viele Betriebe gefährdet werden und nicht berücksichtigt ist, wie mit diesen Folgen umgegangen werden soll.» In Schönbühl BE sagte BEBV-Geschäftsführer Andreas Wyss am Montagabend wohl in Erwartung kommender Angriffe, dass der BEBV das ganze SAK-System kritisch sehe und dass  die Grösse nicht entscheidend sein solle – «rentable Betriebe brauchen wir.» Der BEBV wolle eine sachliche Diskussion.

Samuel Graber widerspricht auf Anfrage dem BEBV: «Kein Betrieb ist akut bedroht. Ich habe mit zwei leitenden Bankangestellten gesprochen. Diese haben mir versichert, dass dadurch niemandem von heute auf morgen der Schuldbrief gekündigt wird.» Der BEBV wolle offenbar bereits nicht mehr von den vielen Betrieben (und das seien weit mehr als 200) reden, die unter die Gewerbegrenze fielen und dadurch diverse Nachteile hätten. Er lasse sich vom BEBV nicht in die Knie zwingen und werde weiter für das Anliegen kämpfen. Für ihn ist klar: «Der BEBV ist gegen Vielfalt und gegen Kleinbetriebe.» 

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