21.11.2012 17:06
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann/Samuel Krähenbühl
Bauernverband
Bauernphilosoph startete früh und gleich durch
Seit 7 Jahren sitzt der neu gewählte Präsident Markus Ritter im Vorstand des Schweizerischen Bauernverbandes (SBV). Der Bio-Bauer sieht sich nicht in erster Linie als solcher. Er wurde auch schon Bauernphilosoph genannt.

Im Schatten der Bäume, auf dem Sitzplatz vor seinem Wohnhaus  mit Blick hinunter aufs Rheintal liegt Markus Ritters «Denkzentrale». Hier ackert er seine Dossiers durch. Und deren hatte er bereits in den vergangenen Jahren zahlreiche vorliegen,  als Präsident der St.Galler Bauern, als SBV-Vorstandsmitglied und als Stadtrat von Altstätten SG. Ritter ist beschlagen in allen Dossiers der Schweizer Landwirtschaft, aus dem Stegreif nimmt er fundiert Stellung — auch gegenüber der  «Weltwoche», die ihn auf seinem Hof besuchte.  Sie schrieb dann: «Markus Ritter hat – nicht nur wegen seiner Brille und seiner hoch gewachsenen Gestalt – etwas von einem Gelehrten; fast fühlt man sich an einen Bauernphilosophen in der Tradition des Kleinjogg erinnert.» Musterlandwirt Kleinjogg propagierte im 18. Jahrhundert  eine verbesserte Düngung, Klee und Kartoffeln. 

Ritter für Bern

«Der Ritter für Bern» —  so sein Slogan im erfolgreichen Nationalratswahlkampf im Herbst 2011 —  kann aber auch Klartext sprechen. In der Debatte zur Agrarpolitik 2014– 2017 rief er als CVP-Nationalrat in den Saal: «Selten habe ich so viele falsche Propheten durch die Wandelhalle ziehen sehen, die versucht haben, Nebelpetarden zu zünden, um den Nationalrat zu beeinflussen. (...) Niemand will Tierbeiträge, weder der Bundesrat noch die Minderheit I. Das ist nämlich die erste falsche Behauptung, die in diesem Saal immer wieder vorgebracht wird. Das muss aufhören!»  Durchsetzungsvermögen hat er im parteiinternen Gerangel um einen Sitz in der einflussreichen Wirtschaftskommission (WAK) bewiesen.  In ihr werden die agrarpolitischen Vorlagen besprochen,  mit Ritter sitzen dort die Vertreter der Konsumenten, des Detailhandels, des Gewerbes und der Economiesuisse am Tisch.

Frühstarter

Seine politische Karriere startete Ritter früh. Mit 26 Jahren bereits Zuchtbuchführer, Alpschreiber und im Vorstand des St.Galler Braunviehzuchtverbandes, wurde er in den Stadtrat (Exekutive)  von Altstätten gewählt. «Von dort weiss ich, wie man Mehrheiten findet — auch über Parteigrenzen hinweg», sagte er vor einem Jahr zum «Schweizer Bauer». Mehrheiten finden  – zu Gunsten der Landwirtschaft — muss Ritter als SBV-Präsident jetzt im Eidgenössischen Parlament. Dort gehen in vielen Fragen die Parteien eigene Wege, was die Aufgabe gegenüber dem klar bürgerlichen Altstätten erschwert.

Bauer mit Leib und Seele

Ritter ist aber auch «mit Leidenschaft praktizierender Bauer», wie er sagt. Früh musste er sich  als Betriebsleiter bewähren. 1989, bereits mit 22 Jahren, übernahm er den elterlichen Betrieb. 1995 kam der unmittelbar benachbarte Betrieb der Eltern seiner Frau Heidi dazu.  Als 2001 im Zuge des Zusammenbruchs der Swiss Dairy Food die Käserei Hinterforst schloss, entschlossen sich Heidi und Markus Ritter zur Umstellung auf Bio-Knospe-Produktion.

Wenn Markus  abwesend ist, schaut Heidi auf dem Hof zum Rechten, unterstützt von zwei Mitarbeitenden und einer Praktikantin.   Ebenfalls auf dem Hof zu Hause sind  ihre drei Kinder Patricia, Adrian und Daniel sowie drei betagte Familienmitglieder, die Heidi betreut. Mit der Wahl zum SBV-Präsidenten wird sich Ritter nun ganz auf dieses Amt und sein Nationalratsmandat konzentrieren – und mit seinem unverkennbaren Rheintaler Dialekt überall für die  Bauern argumentieren.

Betrieb und Ämter

Markus Ritters Betrieb in Altstätten SG umfasst 28,49 ha LN. Davon sind 17,20 ha Eigentum und 11,29 Pachtfläche. Das Betriebszentrum liegt in der Bergzone 1, wo auch etwas mehr als die Hälfte der Betriebsfläche liegt.  9,65 ha weisen eine Neigung von 18  bis 35% auf, 3,02 eine solche von über 35%. Auf den 6,60 ha in der Talzone (Rheinebene) baut er Mais, Weizen und Kunstwiese an. 22,03 ha  sind Naturwiesen, davon sind 1,43 ha Weide. Mit 26 Milchkühen produziert er Molkereimilch, Ritter ist Mitglied der PMO Biedermann/Züger. Daneben hält er 26 Stück Jungvieh zur Aufzucht (einen Teil davon sömmert er auf der Alp Unterkamor), 3 Mutterschafe und 10 Bienenvölker.  Seit 2001 produziert der Betrieb Ritter nach den Knospe-Richtlinien der Bio Suisse. Der am 19. April 1967 geborene Ritter wurde 1993 in den Stadtrat seiner Heimatgemeinde Altstätten SG gewählt, dort präsidiert er noch bis Ende 2012 die Bau- und Werkbetriebskommission. Seit 2005 ist er Präsident des St.Galler Bauernverbandes, dieses Amt gibt er im März 2013 ab. 2006 kam Ritter in den Vorstand des Schweizerischen Bauernverbands. 2011 schaffte er auf der CVP-Liste Süd&Ost die Wahl in den Nationalrat und kam in die   Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK). 

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