7.06.2017 16:37
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sda
Bern
Bauerndorf darf über Kantonswechsel befinden
Die bernische Kleinstgemeinde Clavaleyres mit ihren rund 50 Einwohnern darf über die Fusion mit dem Freiburger Städtchen Murten abstimmen. Der Berner Grosse Rat hat das Gesetz verabschiedet, das die Grundlage für den Kantonswechsel bildet.

Das sogenannte «Clavaleyres-Gesetz» legt das Verfahren für diesen Einzelfall fest und ist somit nicht auf andere Gemeinden anwendbar. Es bleibt nur solange in Kraft, bis der Kantonswechsel und die Fusion vollzogen sind. Zuvor müssen aber noch die jeweiligen Urnenabstimmungen durchgeführt werden.

Münchenwiler wollte nicht

Clavaleyres ist als Enklave umgeben von freiburgischem und waadtländischem Kantonsgebiet. Die Kleinstgemeinde bekundete immer mehr Mühe, Leute für die verschiedenen öffentlichen Aufgaben zu finden. Auch die Gemeindefinanzen bereiteten dem kleinen Dorf zunehmend Sorgen. Fusionsbemühungen mit dem bernischen Münchenwiler scheiterten jedoch am Widerstand der Münchenwiler. 2013 sprach sich die Bevölkerung von Clavaleyres für Fusionsverhandlungen mit Murten aus. Die Murtner Bevölkerung stimmte dem Vorhaben ebenfalls zu, wenn auch nur knapp.

Das Freiburger Kantonsparlament sagte Ende 2015 grundsätzlich Ja zum Kantonsübertritt von Clavaleyres. Im Berner Grossen Rat war das Gesetz weitgehend unbestritten, auch wenn in einzelnen Voten das Bedauern aufblitzte, dass der stolze Kanton Bern durch den Wegzug Clavaleyres an Territorium einbüsst. Nein-Stimmen gab es einzig aus dem SVP-Lager. Samuel Krähenbühl (Unterlangenegg) störte sich grundsätzlich daran, dass es nicht gelungen war, Clavaleyres eine bernische Lösung anzubieten. Die Vorlage passierte schliesslich mit 126 zu 6 Stimmen bei 9 Enthaltungen.

Viele arbeiten in der Landwirtschaft

Die Gemeinde Clavaleyres mit ihren 50 Bewohnerinnen und Bewohnern ist Teil des Bezirks Bern-Mittelland. Ihre Fläche von nur einem Quadratkilomter ist ganz vom Freiburger Seebezirk umschlossen. Das Dorf ist bereits heute auf Murten ausgerichtet und arbeitet mit dem Städtchen etwa bei Feuerwehr und Schule zusammen. Fusionsversuche mit bernischen Gemeinden scheiterten. 20 der 26 Beschäftigen der Gemeinde arbeiten noch in der Landwirtschaft. Das sind knapp 77 Prozent. Rund 80 der 100 ha Gemeindefläche werden landwirtschaftlich genutzt.

Der letzte Kantonswechsel eines Dorfes in der Schweiz war jener von Vellerat, das sich 1996 von Bern trennte und dem Jura anschloss. Das geschah damals aber ohne die zusätzliche Komplikation einer Gemeindefusion.

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