22.03.2014 08:45
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Bern
Bäuerliche Grossräte sind sehr wichtig
Am 30. März sind Grossratswahlen. Drei Abtretende erklären, warum eine starke bäuerliche Vertretung wichtig ist.

160 Personen zählt der Grosse Rat des Kantons Bern. Am 30. März wird er neu gewählt. Bislang hatten 32 Grossrätinnen und Grossräte – 25 aus der SVP, 7 aus der BDP – die Unterstützung der Landwirtschaftlichen Organisation Bern und angrenzende Gebiete (Lobag). Das erklärte Ziel der Lobag bei den Wahlen ist, den Anteil der bäuerlichen Vertretungen mindestens auf dem Stand von 2010 zu halten und dabei den Frauenanteil unter den bäuerlich-ländlichen Vertretungen zu erhöhen.

«Gegen Renaturierungen»

Einer, der bei den Wahlen nicht mehr antritt, ist Grossrat Fritz Freiburghaus (SVP, Rosshäusern). Wenn der Landwirt zurückschaut, so fällt ihm als Erfolg etwa eine Anpassung im Steuergesetz ein. Die Grenze, ab der ein Betrieb zum Ertragswert besteuert werden kann, ist auch dank seinem Engagement in den entsprechenden Kommissionen auf 0,5 SAK gesenkt worden. Dies schützt kleinere Betriebe bei einer Anpassung der SAK-Faktoren (die ja auf Bundesebene noch nicht vom Tisch ist) vor deutlich höheren Steuern.

Zu den kommenden Jahren sagt er: «Bei den ganzen Renaturierungsgeschichten müssen wir Landwirte weiterhin Gegensteuer geben. Da geht viel wertvolles Kulturland verloren.» Und der Kanton müsse seine Finanzen im Griff haben. Die Ausgaben für die Landwirtschaft machten im Kantonsbudget ja nur noch einen ganz kleinen Teil aus. «In der Spardebatte haben wir die Beiträge zur Förderung des Viehabsatzes und für die  Viehschauen verteidigen können», betont er.

Wenn man jetzt aber sehe, dass der Kanton ausgerechnet beim Internat auf der Rütti sparen wolle, dann sehe man, wie wichtig die Zusammensetzung der Regierung sei. «Eine bürgerliche Mehrheit im Regierungsrat würde vieles vereinfachen», sagt Freiburghaus.

«Wir mussten uns wehren»

Auch für Grossrat Alfred Gerber (SVP, Gohl) war es die letzte Legislatur. Der Landwirt kommt auf die Bienenkrankheiten zu sprechen, welche für die Tierseuchenkasse eine grosse Belastung geworden waren und wegen denen Imkern enorm hohe Prämien pro Bienenvolk drohten. Mit einem Vorstoss hat er erreicht, dass für Verlustbeträge, die dadurch entstehen, der Kanton aufkommt. Das sei im Jahr rund eine halbe Million Franken. Sein Argument habe gelautet, dass die Bienen einen wichtigen Beitrag für die Allgemeinheit leisteten.

«Auch für die Beiträge an die Forstunternehmen, zum Beispiel für Seilkrananlagen, haben wir uns immer wieder wehren müssen», sagt Gerber. Die Gelder für die Verhütungsmittel von Wildschäden und die Hangbeiträge im Emmental habe der Kanton leider gestrichen, bedauert er. Für die Zukunft gelte es, die Patentjagd zu verteidigen. Für die Wildschäden bringe die Revierjagd keine Vorteile. Auch Grossrätin Elisabeth Schwarz-Sommer (SVP, Steffisburg) kandidiert nicht wieder.

«Für Fruchtfolgeflächen»

Für die  dipl. Bäuerin ist und bleibt die Raumplanung ein wichtiges Thema. An der Seite von Landwirt Peter Schori (SVP, Spiegel), der ebenfalls nicht mehr antritt, hat sie in mehreren Vorstössen für den Erhalt der Fruchtfolgeflächen im Kanton Bern gekämpft.  Allgemein müsse der ländliche Raum gefördert werden, sagt sie. Dazu gehöre eine starke landwirtschaftliche Produktion. «Es ist geradezu tragisch, dass das kantonale Amt für Landwirtschaft und Natur (Lanat) nicht für die produzierende Landwirtschaft einsteht.»  Neben den Genannten verzichtet auch Bethli Küng-Marmet (SVP) aus Saanen auf eine erneute Kandidatur.

87 Kandidaten, 6 Parteien

Die Lobag unterstützt  87 Grossratskandidaten. Von ihnen gehören 52 der SVP an, 16 der BDP, 12 der EDU, 3 den Grünen, 2 der EVP, 1 der SP, 1 keiner Partei. Alle bäuerlichen Grossräte, die wieder antreten, haben erneut die Unterstützung der Lobag. Bis auf Meisterlandwirt Fritz Ruchti (SVP Seewil), der sich für das Referendum gegen die AP 14–17 engagiert hat. Er hat von sich aus auf die Unterstützung der Lobag verzichtet. 

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