2.06.2014 17:42
Quelle: schweizerbauer.ch - Robert Alder
Bern
Bäuerin ist höchste Bernerin
Die Epsacher Bäuerin Béatrice Struchen (SVP) ist neue Präsidentin des Grossen Rats des Kantons Bern. Bereits seit 12 Jahren sitzt sie im Berner Grossen Rat. Sie erhofft sich mehr Effizienz im Ratsbetrieb. «Der Kanton Bern hat viele Vorteile», sagt sie.

Über ein Vierteljahrhundert hat sie schon politisiert. Zuerst als Gemeinderätin in ihrer Wohngemeinde Epsach unweit des Bielersees, wo sie mit ihrer Familie einen Obst- und Ackerbaubetrieb mit 19 ha Fläche bewirtschaftet. Dann war sie auf der Grossratsliste der SVP ,«und ich wurde zu meiner Überraschung glatt gewählt», erzählt sie. Das war vor zwölf Jahren. Inzwischen hat sie ihren politischen Rucksack gefüllt, sei dies in der Finanzkommission, in der Fraktion oder als Mitglied des Ratsbüros.

Perfekt bilingue

In bäuerlichen Organisationen, als Präsidentin der Landwirtschaftlichen Organisation Seeland, im IP-Ring Seeland, im Vorstand der Lobag oder der Laka setzt sich die 53-Jährige ein. Das war aber nicht immer so. «Ich bin mitten in der Stadt Genf aufgewachsen und war daran, die Berufslaufbahn bei der Polizei aufzubauen.» Dabei habe sie die Aufgabe gehabt, Berndeutsch zu lernen. Dazu sei sie in die Region Biel gekommen.

«Statt als Au-pair arbeitete ich im Service. Da lernst du die Redewendungen schneller, dachte ich», erzählt sie lachend. Da sei sie ihrem Mann Ernst begegnet – und im Kanton Bern hängen geblieben. Sie werde die Sessionen in Französisch leiten. Ihre Zweisprachigkeit sei ein Vorteil, ist sie überzeugt.

Effizienter werden

Struchen verspricht sich einiges von der Revision der Parlamentsordnung: «Ich hoffe, es wird effizienter. Doch da müssen alle mithelfen.» Wichtig sei, dass man auch nach harten Diskussionen wieder sachlich miteinander reden könne. Und sie zieht den Vergleich zu ihren deutschen Politikkollegen, die sie oft als abgehoben, als untereinander distanziert wahrnimmt. «Ich bin eine Vertreterin des Volks.»

Klar müsse der Kanton seine Strukturen überprüfen. «Das machen die Gemeinden oft besser. Nur wird dort der Spielraum immer kleiner», sagt sie. Man dürfe jedoch nicht blind sein, vor allem, wenn man die Finanzlage des Kantons betrachte. Es sei schade, dass der Regierungsauftrag, die Strukturen zu überprüfen, nicht konsequent umgesetzt werde.

Bern hat viele Vorteile

Sie sei ein Macher, sei Optimist, denke positiv. Der Kanton Bern habe viele Vorteile. «Denken Sie nur an die Nähe zur Romandie, die geringe Arbeitslosigkeit. Wenn wir selber nur jammern, ziehen wir niemanden an», ist sie überzeugt. Dies wolle sie auch vermitteln, wenn sie mehr Repräsentationspflichten wahrzunehmen habe. 

Sie habe gerne Leute, das müssten sie spüren. Man könne nicht immer alles an andere delegieren.  Das sei auch in der Politik so. Jeder solle zum gesellschaftlichen Leben etwas beitragen. So habe sie auch Seniorennachmittage organisiert. Doch dazu wird ihr in naher Zeit die Zeit fehlen.

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