2.10.2018 13:50
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/Video: sal
Abstimmung
«80% Zustimmung für Kühe wichtig»
Am 25. November wird das Schweizer Stimmvolk über die Hornkuh-Initiative befinden. DIe Initianten traten am Dienstag vor die Medien und eröffneten den Abstimmungskampf. Armin Capaul gibt sich zuversichtlich. -> Mit Video

«Ohne Hörner sieht eine Kuh traurig aus», sagte Bergbauer und Hornkuh-Initiant Armin Capaul vor den Medien in Bern. Für sie geht es letztlich um die Würde der Kreatur. 

Es gehe hingegen nicht um ein Verbot der Enthornung durch Ausbrennen bei Jungtieren. Den Weg einer Initiative habe er beschritten, weil Petitionen und andere Eingaben bei Bundesrat und Parlament wirkungslos geblieben seien, sagte Capaul. Er ist aber frohen Mutes für die Abstimmung vom 25. November. 

Horn gehört zu Kuh


«Für die Kühe ist es wichtig, dass es bei den Stimmberechtigten eine Zustimmung von 80 Prozent gibt und 100 Prozent beim Ständemehr», sagt er im Interview mit schweizerbauer.ch. Von wo nimmt der Bergbauer diese Zuversicht? «Wenn ich mit den Konsumenten oder der Bevölkerung in der Stadt spreche, ist für diese klar, dass zu einer Kuh Hörner gehören», erklärt der gebürtige Bündner.

Und was sagt er zu seinen Berufskollegen, die ihre Kühe weiterhin enthornen? «Die sollen das machen, was sie für richtig empfinden», so Capaul. Er meint, dass man in den landwirtschaftlichen Schulen wieder einmal die Bedeutung des Horns erklären sollte. «Dann würden vielleicht wieder weniger Kühe enthornt», hält er fest.

Capaul hat in der Tat gute Chancen an der Wahlurne. Gemäss einer repräsentativen Umfrage der Zeitung «Bote der Urschweiz» von Februar 2018 sind 64 Prozent der Befragten klar oder eher für die Volksinitiative. Ablehnend stehen ihr 27 Prozent gegenüber. Es gibt Unterschiede bezüglich Geschlecht und Alter. Frauen stehen der Initiative positiver gegenüber als Männer (Frauen: 44% klar Ja, Männer 34%). Bei den 14-34-Jährigen ist die (klare) Zustimmung mit 30% deutlich tiefer als bei mittleren Alterskategorie (40%) und bei den über 55-Jährigen (46%).

Raus-Beitrag verdoppeln

Die Initianten machten klar, dass es ihrer Meinung nach nur für Kühe mit Raus den Hörnerbeitrag geben soll. Bei einer Zustimmung soll mit den Tierwohl-Beiträgen gearbeitet werden. Der Raus-Beitrag soll demnach "verdoppelt" werden. Tragen die Kühe Hörner und erfüllt der Bauer das Raus-Programm, soll ein Betrag 380 Franken pro Jahr und Tier ausbezahlt werden (190 Franken Raus-Beitrag und 190 Franken Hörner-Beitrag). Bei den Ziegen soll der Betrag von 38 auf 76 Franken erhöht werden.

Mit der Hornkuh-Initiative soll erreicht werden, dass weniger Tiere enthornt werden. In der Verfassung soll verankert werden, dass horntragende Kühe, Zuchtstiere, Ziegen und Zuchtziegenböcke finanziell gefördert werden. Ein Verbot, die Tiere zu enthornen, sieht das Begehren aber nicht vor. Hinter der Hornkuh-Initiative steht eine Interessengemeinschaft um den Bergbauern Armin Capaul.

Bauern mehrheitlich dagegen

Mit seiner Initiative schafft sich der Bergbauer aus Perrefitte BE in der Landwirtschaft nicht nur Freunde. Es dürfte zu einer Spaltung kommen. Die meisten Bauern lehnen die Initiative ab. Bei den Mitgliedern der IG Anbindestall stösst das Begehren indes auf Unterstützung. Für die meisten Bauern aber, welche ihre Kühe in Laufställen halten, ist es schlicht undenkbar, die Kühe nicht zu enthornen.

In Laufställen wird mehr enthornt als in solchen mit Anbindehaltung, wie 2014 eine repräsentative Umfrage von KAG Freiland ergab. In Laufställen tragen mehr als 90 Prozent der Tiere keine Hörner. Die Anzahl behornter Tiere nimmt mit zunehmender Betriebsgrösse stark ab.In Kleinbetrieben mit weniger als 20 Tieren ist knapp die Hälfte der Milchkühe «Hornträger». In Betrieben mit 50 oder mehr Vierbeinern beträgt der Anteil nur 4 Prozent.

Die Verletzungsgefahr für Mensch und Tier sei zu gross, argumentieren sie. Im Januar 2018 haben sich bei einer nicht repräsentativen Umfrage 76 Prozent der Abstimmenden auf schweizerbauer.ch für das Enthornen ausgesprochen, auch wenn es für Hornkühe einen Beitrag geben würde. Die Hornkuh-Initiative wurde im März 2016 mit fast 120'000 gültigen Unterschriften eingereicht. Hinter der Initiative steht eine Interessengemeinschaft um den Bergbauern Armin Capaul. Die Unterschriften stammten hauptsächlich aus der Romandie und urbanen Gebieten.

Der Initiativtext

Die Bundesverfassung wird wie folgt geändert:

Art. 104 Abs. 3 Bst. b

3. Er (der Bund) richtet die Massnahmen so aus, dass die Landwirtschaft ihre multifunktionalen Aufgaben erfüllt. Er hat insbesondere folgende Befugnisse und Aufgaben:

b. Er fördert mit wirtschaftlich lohnenden Anreizen Produktionsformen, die besonders naturnah, umwelt- und tierfreundlich sind; (-> neu) dabei sorgt er insbesondere dafür, dass Halterinnen und Halter von Kühen, Zuchtstieren, Ziegen und Zuchtziegenböcken finanziell unterstützt werden, solange die ausgewachsenen Tiere Hörner tragen.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE