10.09.2013 15:51
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Bern
11 ha Land für Renaturierung geopfert
Der Bach Chise tritt bei Hochwasser ab und zu über die Ufer. Der Wasserbauverband Chisebach plant deshalb ein Hochwasserschutzprojekt, das auch grossflächige Renaturierungen beinhaltet. Das empört die Bauern.

Bauer Adrian Waber aus Kiesen ist wütend: «Unter dem Vorwand von Hochwasserschutz wird hier an der Chise grossflächig Kulturland für eine Renaturierung geopfert.» In seinem Falle seien es 32 Aren Fruchtfolgefläche, welche für das Projekt des Wasserbauverbandes Chisebach  enteignet würden. «Es kann nicht sein, dass einem in einem Rechtsstaat Eigentum auf diese Weise genommen wird. Zudem hat eine Renaturierung  nichts mit Hochwasserschutz zu tun», empört er sich.

Alte Eichen abholzen

Aber nicht nur bestes Kulturland falle dem Projekt anheim. Auch 250 Jahre alte Eichen und die Hecke entlang der Chise sollen für die Renaturierung abgeholzt werden. Waber ist deshalb überzeugt: «Das Projekt ist völlig überdimensioniert und dient vor allem für Renaturierungen. Die Hochwasserproblematik könnte man auch punktuell entschärfen.»

Hans Schäfer, Geschäftsführer Wasserbauverband Chisebach, räumt ein, dass beim Hochwasserschutzprojekt auch grossflächige Renaturierungsmassnahmen eingeplant seien. «Wir sind nach Bundes- und kantonalem Gesetz verpflichtet, in unserem Projekt nicht nur Hochwasserschutz zu machen, sondern auch zu renaturieren», fügt er an. Tatsächlich: Das von National- und Ständerat abgesegnete und seit 1. Juni 2011 geltende neue Gewässerschutzgesetz schreibt für Flüsse und Bäche einen sogenannten Gewässerraum vor. «Nach ersten Berechnungen wollte der Kanton eine Breite von 33 Metern für den Gewässerraum verordnen. Jetzt konnten wir mit Verhandlungen auf Biegen und Brechen den Gewässerraum auf 23 Meter Breite reduzieren», erklärt Schäfer.

10 bis 11 ha Landbedarf

Doch trotz dieser Reduktion brauche es für das ganze Projekt noch immer  10 bis 11 Hektaren Land, wovon  der grösste Teil Fruchtfolgeflächen seien. «Wie viel davon für Hochwasserschutz und wie viel für Renaturierung gebraucht wird, das kann ich nicht genau beziffern, fügt er an. Und es sei tatsächlich so, dass die Gewässerräume eigentlich nichts mit dem Hochwasserschutz zu tun haben: «Rein für den Hochwasserschutz brauchen wir die Rückhaltebecken, nicht aber die Gewässerräume.»

Doch ohne Renaturierungen gebe es von Bund und Kanton keine Bewilligung für das Hochwasserschutzprojekt. Mit den zwei künstlichen  Rückhaltebecken sollen Hochwasserspitzen gebrochen werden. Bei einem hundertjährigen Hochwasser würden demnach die beiden Flächen gefüllt. «Und in den Gemeinden Konolfingen, Niederhünigen und Mirchel wird die Chise in den tiefsten Talpunkt verlegt», fügt Schäfer an. Bis am 16. September laufe die Projektauflage, gibt er bekannt.

Lobag hat keine Freude

Keine Freude hat auch der Berner Bauernverband Lobag. «Wir sind natürlich nicht zufrieden. Es kann nicht sein, dass unter dem Deckmantel Hochwasserschutz eine Renaturierung erfolgt», sagt Lobag-Sprecher Christian Streun. Die Rechtsabteilung der Lobag sei daran, Abklärungen zu treffen. Die Lobag sei zwar selber nicht einspracheberechtigt, habe aber Mitglieder, welche direkt betroffen seien. Es sei denkbar, dass einige unter ihnen Einsprache erheben könnten.

Waber macht Einsprache

Bauer Adrian Waber hat sich schon entschieden: «Ich mache Einsprache.» Und er wisse von mehreren Bauern in Oppligen, Herbligen und Freimettigen, welche es ihm gleichtun wollten. Eventuell sei auch eine Sammeleinsprache denkbar.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE