6.06.2019 15:36
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Wald
Waldeigentümer schlagen Alarm
Die Schweizer Wälder sind in Gefahr: So lautet die Botschaft von WaldSchweiz. Die Waldeigentümer warnen vor einem Baumsterben in der Schweiz. Sie hoffen auf Unterstützung von Politik, Wirtschaft und Bevölkerung.

Die vergangenen 18 Monate haben vielen Schweizer Wäldern arg zugesetzt. Im Winter 2017/18 sorgten Stürme wie Burglind im Januar 2018 für viel Fallholz. Anschliessend machte en Bäumen der trockene Sommer zu schaffen.

Gemäss WaldSchweiz, dem Verband der Waldeigentümer, sind im vergangenen Jahr mehr als eine halbe Million Bäume abgestorben oder mussten zwangsweise gefällt werden. Und das Baumsterben gehe unvermindert weiter. Doch dieses bleibe oft unbemerkt.

Sorgen wegen Sommer

Die Waldeigentümer haben zu einer Medienkonferenz am Jurasüdfuss eingeladen. Dort bewirtschaftet de Forstbetrieb Leberberg rund 2‘700 ha Wald von Bettlach SO bis Flumenthal SO. Dem Wald geht alles andere als gut. Nebst der Fichte ist auch die Weisstanne betroffen. 17‘000 m3 Schadholz sind seit dem Sturm Burglind im Januar 2018 angefallen.

«Die geplanten Holzschläge können wir vergessen. Wir rennen nur noch den notfallmässigen Eingriffen hinterher», sagte Förster Thomas Studer zu den Medienvertretern. Der längerfristige Waldbauplan sei über den Haufen geworfen. Studer macht sich wegen des kommenden Sommers Sorgen. Die Wahrscheinlichkeit für einen weiteren Borkenkäferbefall steigt mit jedem weiteren trockenen Tag. Gemäss WaldSchweiz droht diesen Sommer eine Käferinvasion.

Borkenkäfer

In der Schweiz gibt es 119 verschiedene Borkenkäferarten. Der wohl berüchtigtste Borkenkäfer ist der Buchdrucker (Ips typographus), der vor allem in Wäldern mit Fichten vorkommt und dort grossflächige Schäden anrichten kann. 2018 hatten sich auch die drei Weisstannenborkenkäfer-Arten stark ausgebreitet. Am häufigsten ist der Krummzähnige Weisstannnenborkenkäfer (Pityokteines curvidens). Auch der Mittlere Weisstannenborkenkäfer (Pityokteines voronzovì) tritt gegenwärtig verstärkt auf. Ausnahmsweise befällt er nicht nur Äste und Wipfel, sondern auch dickere Stämme.

Holzpreise abgesackt

Das viele Schadholz sorgt für ein weiteres Problem: die Verarbeitung. 2018 fiel etwa das 30-fache einer jährlichen Schweizer Gesamtnutzung an. Das Schadholz von 2018 konnte noch nicht verarbeitet werden. Folge der riesigen Mengen: Die Holzpreise fielen in den Keller.

«Dadurch fehlen den Forstbetrieben noch mehr finanzielle Mittel, um unsere Wälder sorgfältig an die grossen Veränderungen anzupassen», sagt Markus Brunner, Direktor von WaldSchweiz.  Deshalb ist für den Verband wichtig, dass alle Akteure der Schweizer Wald- und Holzbranche zusammenstehen und die Herausforderungen gemeinsam und koordiniert angehen. Denn der Borkenkäfer kümmere sich nicht um Kantonsgrenzen.

Die Forderungen von WaldSchweiz:

- Waldeigentümer zeigen sich untereinander solidarisch. In Gebieten, die von Stürmen, Käfern oder Trockenheit verschont blieben, soll die Holzernte reduziert werden, damit der Markt nicht mit Holz überschwemmt wird.

- Vom Bund und Kantonen erhofft sich WaldSchweiz tatkräftige und kurzfristige Mithilfe. Forstschutzmassnahmen und Aktionen, die den Holzmarkt betreffen, sollen unter den Kantonen abgesprochen werden. Bei Bewilligungsverfahren und Sofortmassnahmen wird mehr Flexibilität und auch finanzielle Hilfe erwartet.

- Unterstützung durch die holzverarbeitende Branche und die Konsumenten. Seitens der Holzwirtschaft braucht es gemäss WaldSchweiz neue Lager- und Verarbeitungskonzepte. Diese sollen eine angemessene Wertschöpfung im Wald und bei der inländischen Holzverarbeitung ermöglichen. Zudem hoffen die Waldeigentümer auf die Konsumenten: Diese sollen vermehrt Schweizer Holz nachfragen.

WaldSchweiz vertritt die Interessen der rund 250'000 privaten und öffentlichen Waldeigentümer. Der Verband setzt sich für Rahmenbedingungen ein, die es den Forstbetrieben erlauben, den Schweizer Wald ökonomisch und ökologisch nachhaltig zu bewirtschaften, damit er fit und vielfältig bleibt. Der Verband unterstützt die Waldeigentümer bei der optimalen Vermarktung ihrer Holzprodukte und anderer Waldleistungen.

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