15.05.2019 14:35
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Forschung
Wald: Pufferwirkung überschätzt
Der Klimawandel lässt Bäume zwar schneller wachsen und dabei CO2 speichern, dafür sterben sie aber auch jünger und geben den Kohlenstoff wieder ab. Das berichten Forschende der WSL. Die Pufferwirkung von Wäldern gegen den Klimawandel könnte daher geringer ausfallen als erhofft.

Wälder sind wichtige CO2-Speicher. Bäume nehmen bei der Fotosynthese CO2 aus der Atmosphäre auf und verwenden den Kohlenstoff für ihr Wachstum. Und dieses legt mit dem Klimawandel zu. Mehr Wachstum, mehr CO2-Speicherung, die dem Klimawandel entgegenwirkt, so die lang gehegte Hoffnung.

Dieser versetzt nun aber eine Studie mit Beteiligung der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) im Fachblatt «Nature Communications» einen Dämpfer. Demnach wird die Zeitspanne, für die Bäume Kohlenstoff in Form von Biomasse speichern, mit dem Klimawandel kürzer. Denn die Bäume sterben jünger und geben ihren Kohlenstoff wieder an den Kohlenstoffkreislauf zurück.

Aufforstung kein Allheilmittel

Zahlreiche Klimaschutzprogramme setzen auf Aufforstung, um Klimagase aus der Atmosphäre zu binden. «Aber das ist nur die halbe Wahrheit, liess sich Ulf Büntgen von der WSL und der Universität Cambridge in einer Mitteilung der Forschungsanstalt vom Mittwoch zitieren. »Die andere Hälfte wurde bisher kaum berücksichtigt: dass schnell wachsende Bäume Kohlenstoff über kürzere Zeiträume speichern.«

Für die Studie untersuchte das internationale Team um Büntgen Proben von mehr als 1100 lebenden und toten Bergkiefern aus den spanischen Pyrenäen und 660 Lärchen aus dem russischen Altai, wie die WSL schrieb. Beide Gebiete sind hoch gelegen und seit Jahrtausenden nahezu ungestört. Anhand der Analysen konnten die Wissenschaftler die Gesamtlebensdauer der Bäume und ihre jugendliche Wachstumsrate bestimmen. Und dies von Individuen, die sowohl unter industriellen als auch unter vorindustriellen Klimabedingungen gewachsen sind.

Langsames Wachstum, robustere Bäume

Raue, kältere Bedingungen lassen Bäume zwar langsamer wachsen, machen sie aber auch robuster, sodass sie älter werden, hiess es weiter. Wenn ein Baum jedoch in den ersten 25 Jahren schneller wuchs, starb er viel früher als die langsam wachsenden Artgenossen. Ähnliches sehe man auch im Tierreich, schrieb die WSL: Tiere mit schneller Herzfrequenz wachsen zwar in der Tendenz schneller, leben aber im Schnitt kürzer.

»Wir wollten die Hypothese «schnell leben, jung sterben» testen, und haben festgestellt, dass sie für Bäume in kalten Klimazonen zutrifft«, so Büntgen. Dieses Verhältnis zwischen Wachstum und Alter individueller Bäume habe direkte Auswirkungen auf die Dynamik des globalen Kohlenstoffkreislaufs.

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