1.10.2014 16:44
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Wald
Wald: Artenvielfalt macht nur bedingt Dürre-resistent
Bisher ging die Wissenschaft davon aus, dass die Artenvielfalt die Widerstandsfähigkeit der Wälder gegenüber Trockenheit verbessert. Eine Studie zeigt nun, dass das nur bedingt stimmt.

Ausserordentliche, vom Klimawandel hervorgerufene Naturereignisse werden maasive Konsequenzen für die Funktionen und Leistungen haben, die Waldökosysteme bereitstellen. Dies kann auch dazu führen, dass Bäume und Waldbestände wegen Wassermangels absterben. Studien haben gezeigt, dass artenreiche Bestände die Leistungen der Waldökosysteme und ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Insektenbefall und Krankheiten beeinflusst.

Nur in trockenen Regionen ein Vorteil

Bisher gab es aber keinen Beweis, dass die Artenvielfalt die Widerstandsfähigkeit dieser Ökosysteme gegen Dürreperioden beeinflusst. Wissenschaftler des französischen "Institut national de la recherche agronomique" haben in Zusammenarbeit mit der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL sowie weiteren europäischen Forschern den Einfluss der Artenvielfalt von Bäumen auf die Widerstandsfähigkeit der Wälder gegenüber Dürren analysiert. Untersucht wurden 160 Waldparzellen in Spanien, Italien, Rumänien, Polen und Deutschland.

In der Schweiz dürfte sich mit dem Klimawandel die Sommertrockenheit verstärken. Die Studie zeigt nun, dass Mischwälder europaweit nicht überall widerstandsfähiger gegenüber Trockenstress sind als Bestände mit nur einer Baumart. Nur dort, wo im Sommer bereits extreme Trockenheit herrscht, führt eine grössere Artenvielfalt von Bäumen zu einer grösseren Widerstandsfähigkeit von Wäldern gegenüber Dürren. 

Artenvielfalt verspricht nicht bessere Anpassung an Trockenheit

"Eine ausschliesslich auf die Baumartenvielfalt ausgerichtete Bewirtschaftung von Waldökosystemen ist nicht unbedingt eine Gewähr, dass sich die Wälder an zukünftige Trockenperioden anpassen können", folgern die Forscher. Arthur Gessler von der WSL erläutert: "Gerade Waldökosysteme mit Baumarten, die nicht an regelmässige Dürren angepasst sind, profitieren nur relativ wenig vom Schutz, den ihnen eine grössere Artenvielfalt bietet. Dies ist in grossen Teilen der Schweiz der Fall."

Die Waldbewirtschaftung ist gemäss den Forschenden auf zukünftige Trockenperioden so anzupassen, dass die Ökosystemleistungen, die die Wälder erbringen, lang­fristig erhalten bleiben. Wichtig sei, dass die Eigenschaften der einzelnen Arten sowie die lokalen klimatischen Bedingungen berücksichtigt werden, heisst es weiter.

Wälder ertragen Trockenperioden besser, wenn verschiedene Arten in unterschiedlichen Bodentiefen wurzeln und so die Ressource Wasser im Boden optimal nutzen, ohne sich gegenseitig zu konkurrenzieren.

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