3.02.2016 17:33
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Australien
Uralt-Wälder vor dem Aus
Sie haben die Dinosaurier überlebt, vermutlich gab es sie schon vor dem australischen Kontinent - doch nun bedrohen Buschbrände die uralten Wälder von Tasmanien. Experten fürchten, ein Grossteil des UNESCO-Welterbes könnte schon unwiederbringlich zerstört sein.

Seit drei Wochen kämpfen Feuerwehrleute aus ganz Australien und Neuseeland gegen die Brände auf der südaustralischen Insel. Mehr als 95'000 Hektar Land sind nach Angaben der australischen Behörden bereits verbrannt. Menschen und Häuser waren bislang nicht betroffen - dafür aber grosse Teile der zum Welterbe zählenden Tasmanischen Wildnis. Umweltexperten wie David Bowman von der Universität von Tasmanien sind alarmiert.

Lebende Fossilien

Nach Bowmans Angaben treten die Brände im Westen Tasmaniens «grundsätzlich in einem Ökosystem auf, das ein Überbleibsel der geologischen Vergangenheit» darstelle. Dieses System sei für die Wissenschaft «von immenser Bedeutung», sagt Bowman. Er bezeichnet die Vegetation der Nationalparks als «lebende Fossilien», die vor Milliarden von Jahren sogar in der Antarktis wuchsen.

«Sie gehen auf die Zeit lange vor dem Zeitalter der Dinosaurier zurück und stellen einen konkreten Bezug zu Gondwana her», schwärmt der Experte für umweltverändernde Biologie. Dieser Grosskontinent umfasste vor hunderten Millionen Jahren das heutige Afrika, Südamerika und Australien und bildete den südlichen Teil des Superkontinents Pangaea. Die Tasmanische Wildnis beherbergt einen der letzten gemässigten Regenwälder der Welt - das Klima auf der Insel ist kühler als auf dem australischen Festland.

Teil des schützenswerten Welterbes

Mit 1,4 Millionen Hektar bedeckt die Region fast 20 Prozent der Insel und umfasst die Nationalparks Cradle-Mountain-Lake-Saint-Clair sowie Walls-of-Jerusalem mit seinen beliebten Wanderstrecken durch den Busch. Seit 1982 ist sie Teil des schützenswerten Welterbes. Die tasmanische Feuerwehr und ihre Kollegen bekämpfen derzeit mehr als 70 Brände - sie dringen aber nur schwer in entlegene Gebiete vor. Die Brände umfassen riesige Teile der geschützten Gebiete.

Gefährdet sind nach Angaben von Biologe Bowman Scheinbuchenwälder, Zypressen-Schuppenfichten - ein entfernter Verwandter der amerikanischen Mammutbäume - sowie die Sichelförmigen Schuppenfichten. Manche der altertümlichen und langsam wachsenden Bäume gibt es nur noch auf Tasmanien. Viele Naturschützer befürchten bereits, es könnte Ewigkeiten dauern, bis sie wieder nachgewachsen sind - wenn sie überhaupt noch nachwachsen.

Regen als letzte Hoffnung

Bowman glaubt, nur noch ergiebiger Regen könnte die Lage entspannen. Der Boden im Westen Tasmaniens dörre derzeit komplett aus, warnt der Experte, er verwandle sich in Braunkohle, die sogar die Baumwurzeln verbrenne. Zwar gab es inzwischen leichte Niederschläge auf der Insel, doch konnten sie die Flammen nicht löschen. Zudem entfachten Blitzschläge weitere Brände, wie der australische Rundfunksender ABC berichtete.

Noch vor ein paar Jahrzehnten haben solche Blitzschläge keine grösseren Schäden angerichtet, sagt Bowman. Aber schon vor drei Jahren war ein Blitzschlag dann plötzlich Mitauslöser eines riesigen Waldbrands, bei dem mehr als hundert 100 Häuser zerstört wurden. Für den Biologen sind diese Phänomene zusammen mit den allgemein steigenden Temperaturen ein deutlicher Hinweis auf den Klimawandel.

Bewahrt durch Samenbank?

Noch ist nicht alles verloren. Anlass zur Hoffnung gibt James Wood, Leiter der Samenbank der Royal Tasmanian Botanical Gardens, die im vergangenen Jahr Tausende Samen von Bergkoniferen gesammelt hatte. Wood hofft, mit Hilfe seiner Sammlung kurzfristige Zerstörungen wie etwa nach Bränden beheben zu können.

Aber auch er warnt, bei langfristigen Veränderungen der Umwelt wie etwa durch den Klimawandel sei seine Samenbank nutzlos. Selbst ohne Brände verändere ein Temperaturanstieg grundlegend die Landschaft und damit beispielsweise das Zusammenspiel von Pflanzen und Insekten, sagt Wood. Und: «Wie wir wissen, werden wir die Auswirkungen des derzeitigen Klimawandels auch dann noch über Jahre zu spüren bekommen, wenn wir die CO2-Emissionen verringern oder ganz stoppen.»

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