7.08.2015 10:50
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
USA
«Kalifornien brennt»
Seit Tagen wüten in Nordkalifornien schwere Buschbrände. Es könnte noch viel schlimmer kommen, mahnt der Gouverneur. Der Klimawandel verschärfe die Lage.

Es ist die perfekte Kulisse für eine eindringliche Warnung: Vor verkohlten Hängen in der heissen Mittagssonne malte der kalifornische Gouverneur Jerry Brown ein düsteres Bild. Die seit Tagen tobenden schweren Busch- und Waldbrände seien ein echter «Weckruf» für den dürregeplagten Westküstenstaat, sagte er. «Sollte die Trockenheit für ein oder mehrere Jahre andauern, könnte Kalifornien buchstäblich verbrennen», warnte der Demokrat am Donnerstag.

Demokraten vs. Republikaner

Brown nutzte seinen Besuch in der ausgebrannten Clear-Lake-Region für einen politischen Seitenhieb an die Adresse der republikanischen Präsidentschaftskandidaten. «Meine Botschaft ist deutlich: Kalifornien brennt. Was zum Teufel werdet ihr dagegen tun?» Mit welcher Strategie würden sie den Klimawandel bekämpfen? Brown vertritt die Position zahlreicher Forscher, die den Klimawandel mit steigenden Temperaturen für schlimmere Dürren, heftigere Waldbrände und andere Wetterextreme verantwortlich machen.

Das liberale Kalifornien ist mit ehrgeizigen Klimazielen ein Vorreiter in den USA, viele führende Republikaner dagegen laufen gegen die Klimapolitik der Demokraten Sturm.

Feuer und Wasserknappheit

Für die Westküstenbewohner sind Schreckensszenarien wie Feuersbrünste und Wasserknappheit inzwischen schon zum Alltag geworden. Die seit vier Jahren anhaltende Dürre macht die Lage nun noch schlimmer. Das seit Ende Juli brennende Rocky Fire im Umkreis der Gemeinde Clearlake, rund 160 Kilometer nördlich von San Francisco, ist ein drastischer Beweis.

Es sei das heftigste Feuer, das er in dieser Region erlebt habe, sagte Jay Smith von der Brandschutzbehörde Cal Fire am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa. «Mit der Dürre, der Hitze und der extrem trockene Vegetation kommt das Schlimmste zusammen.» Durch die Wasserknappheit sei es zudem schwieriger geworden, Löschwasser zu finden. Viele Seen und Wasserreservoire sind bereits auf dem Tiefstand.

Das schnell um sich greifende Rocky Fire hatte Tausende Menschen aus ihren Häusern vertrieben. 43 Wohnhäuser liegen in Schutt und Asche, eine Fläche von mehr als 280 Quadratkilometern ist verwüstet. Erst nach neun Einsatztagen konnten die über 3600 Helfern aufatmen. Am Donnerstagabend hatten sie das Feuer fast zur Hälfte unter Kontrolle gebracht.

Das Schlimmste noch nicht vorbei

Damit ist der Einsatz aber noch nicht beendet. Erst Mitte August, so die Prognose der Brandschutzbehörde, sollen die Feuerherde gänzlich gelöscht sein. Und das ist erst der Anfang der Brandsaison. August und September sind aus Erfahrung gewöhnlich schlimmer als Juli, sagte Jerry Brown am Donnerstag. «Also schnallt euch an», mahnte der Gouverneur.

Einige der schwersten Brände in der Geschichte Kaliforniens wüteten in den Herbstmonaten im Anschluss an einen trockenen Sommer. Im Oktober und November 2007 zerstörten Flammen in Südkalifornien mehr als 1500 Häuser, 1900 Quadratkilometer Land verbrannten - eine Fläche mehr als doppelt so gross wie Berlin. 17 Menschen kamen ums Leben, Hunderttausende waren auf der Flucht.

Im Oktober 2003 starben im «Cedar»-Feuer nahe San Diego mindestens 14 Menschen. Die Flammen zerstörten mehr als 2200 Häuser und ein Gebiet von der Grösse Hamburgs und Bremens zusammen. Ein Jäger hatte sich verirrt und ein Feuer gelegt, um gefunden zu werden.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE