16.07.2020 09:58
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Forschung
Hitzesommer schädigt Wälder nachhaltig
Das Klima setzt den mitteleuropäischen Wäldern zu. Auch Bäume in der Schweiz haben im sehr trockenen und rekordheissen Sommer 2018 nachhaltig Schaden erlitten. Sie vertrockneten schneller, trieben im Folgejahr nicht mehr aus oder waren gar abgestorben.

Jene Bäume, welche den Trocken- und Hitzestress überlebt hatten, wurden zunehmend anfälliger für einen Befall mit Borkenkäfern oder Pilzen. Dies zeigen physiologische Messungen, die zum Teil am Basler Forschungsstandort «Swiss Canopy Crane II» durchgeführt wurden, wie die Universität Basel am Donnerstag mitteilte.

Stress-Symptome

Die Analyse des Gewebes der Bäume zeigte den Forschern, dass der Wassermangel im Hitzesommer 2018 früher und stärker auftrat als gewöhnlich, wie es in der Mitteilung heisst. Dadurch traten bereits im Verlauf des Sommers bei vielen forstwirtschaftlich wichtigen Baumarten schwere dürrebedingte Stress-Symptome auf: Das Laub welkte, alterte und wurde frühzeitig abgeworfen.

Bäume verlieren bei grosser Hitze über die Oberfläche sehr viel Wasser, können den Wasserverbrauch jedoch drosseln. Wenn aber auch der Boden austrocknet, kann der Baum das Wasser nicht ersetzen. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis die Dehydrierung der Zellen einen Baum zum Absterben bringt, wenn das Bodenwasserreservoir aufgebraucht ist.

Bäume kommen mit Hitze nicht zurecht

Die Forscher erkennen anhand des Wasseranteils in den Leitungsbahnen des Holzes, wie es um den Wasserhaushalt steht. In diesem Fall trat die sogenannte negative Saugspannung und damit der Wassermangel viel früher auf als gewöhnlich. Erstaunlicherweise hätten auch Bäume gelitten, die als trockenresistent gelten - Buchen, Weisstannen und Föhren. Buchen waren gemäss Mitteilung bislang als Zukunftsbäume eingestuft. Ihre vermeintliche Trockenstress-Resistenz war aber schon beim Hitzesommer 2003 kontrovers diskutiert worden.

Die Bäume in den mitteleuropäischen Wäldern kommen also mit Hitze- und Dürreperioden nicht zurecht. Dies ist problematisch, denn die Forscher rechnen aufgrund von Prognosen damit, dass die Niederschläge in Europa in den nächsten 65 Jahren um bis zu ein Fünftel zurückgehen. Damit dürften sich Dürre- und Hitzeereignisse häufen.

Wälder müssen «umgebaut» werden

Aus Sicht der Forschenden der Uni Basel ist es daher unumgänglich, dass die Wälder umgebaut werden. Propagiert werden dabei oft Mischwälder. Diese haben den Forschern zufolge viele ökologische und auch ökonomische Vorteile. Ob sie aber auch widerstandsfähiger gegen Trockenheit sind, sei noch nicht eindeutig bewiesen. Es müsse nun erforscht werden, welche Baumarten in welcher Kombination gut seien - auch forstwirtschaftlich gesehen.

Der Hitzesommer 2018 löste den Sommer 2003 als Rekordsommer (seit Messbeginn) ab. Ein Vergleich von Klimadaten aus der Schweiz, Deutschland und Österreich zeigt, dass das Jahr 2018 deutlich wärmer ausfiel: Die durchschnittliche Temperatur während der Vegetationsperiode lag 1,2 Grad über dem Wert von 2003 und sogar 3,3 Grad über dem Mittel der Jahre 1961 bis 1990.

Gross angelegtes Waldexperiment

In einem Wald in Hölstein bei Basel betreibt das Departement Umweltwissenschaften der Universität Basel ein für Europa einmaliges Waldexperiment. Auf der 1,6 Hektar grossen Untersuchungsfläche wachsen insgesamt 450 Bäume, die zwischen 50 und 120 Jahre alt sind, darunter Rotbuchen, Stieleichen, Hagebuchen, Fichten, Waldföhren, Elsbeeren und andere. Ein 50 Meter hoher Kran ermöglicht es, die Auswirkungen des Klimawandels in den wichtigsten und sensibelsten Teilen der Bäume – den Baumkronen – zu erforschen. Die Forschenden möchten klären, welche einheimischen Baumarten besonders empfindlich auf Trockenheit ansprechen und ob ausgewachsene Bäume in der Lage sind, ihren Stoffwechsel an Klimaveränderungen anzupassen. Das Waldexperiment startete 2018 und hat eine Laufzeit von 20 Jahren.

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