6.02.2018 06:35
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Zürich
100 t schwere Rotbuche versetzt
Mehrere Dutzend Passanten haben am Montag im Stadtzentrum von Schlieren einen ungewöhnlichen Transport mitverfolgt: Eine 70- bis 80-jährige Rotbuche ist auf einem Tieflader um rund 170 Meter versetzt worden - wegen der Limmattalbahn. -> Mit Video

Die Rotbuche hätte gemäss den ursprünglichen Plänen dem Fortschritt geopfert werden müssen: Denn ihre Baumkrone hätte unter anderem die Fahrleitungen der neuen Limmattalbahn tangiert, ihr Wurzelwerk ins Fundament der Haltestelle im Stadtzentrum geragt.

Dass aber der altehrwürdige Baum auf dem Stadtplatz wegen des Baus der Limmattalbahn gefällt werden sollte, stiess bei Teilen der Schlieremer Bevölkerung auf heftige Kritik. Eine Petition, die den Erhalt der Rotbuche forderte, wurde rund 4700 Mal unterzeichnet. Deren Urheber wurden von der lokalen «Limmattaler Zeitung» gar als «Limmattaler des Jahres» nominiert (der Titel ging dann aber an jemand anderen).

Grösste Baumversetzung in der Schweiz

Nach verschiedenen Abklärungen sowie einem Angebot des auf Grossbaumverpflanzungen spezialisierten Unternehmens BMB Group fiel schliesslich der Entscheid, die Rotbuche nicht zu fällen, sondern um rund 170 Meter zu versetzen und so zu erhalten. Am Montag wurde der Baum, der inklusive seines Wurzelballens rund 90 bis 100 Tonnen wiegt, in einem aufwändigen und mehrstündigen Verfahren von zwei Pneukränen aus seiner Grube gehoben und auf einen Tieflader geladen.

Anschliessend wurde der rund 20 Meter hohe Riese langsam zu seinem neuen Standort transportiert. Dieser sieht vorerst noch nicht einladend aus - die neue Grube wurde mitten in ein Strassenstück gegraben. Doch nach Abschluss der Limmattalbahnarbeiten wird hier der Asphalt verschwunden sein - die Rotbuche wird mitten im erweiterten Stadtpark stehen.

Gute Überlebenschancen

Laut den Verantwortlichen wurde in der Schweiz noch nie ein Baum dieser Grössenordnung verschoben. Gemäss eines Gutachtens soll die Rotbuche gute Überlebenschancen haben. Die Kosten für die Verlegung wurden ursprünglich auf 160'000 Franken geschätzt. Da die BMB Group die Arbeiten selbst durchführt und intern verrechnet, sind die aktuellen Auslagen nicht mehr bekannt. Neu müssen sich Schlieren und die Limmattalbahn AG noch 60'000 Franken teilen.

Die Limmattalbahn wird voraussichtlich ab Ende 2022 von Zürich-Altstetten über Schlieren ZH, Urdorf ZH, Dietikon ZH und Spreitenbach AG nach Killwangen AG verkehren. Eine erste Etappe, welche den Farbhof in Altstetten und Schlieren verbindet, befindet sich derzeit in Bau und wird nach den Sommerferien 2019 eröffnet.

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