12.10.2017 08:31
Quelle: schweizerbauer.ch - ber
Wallis
Wein-Verschnitt ist kein Thema
Das Jahr 2017 wird mengenmässig kein Weinjahr. Im Wallis fehlen aufgrund des Frostes im April bis zu zwei Drittel Trauben gegenüber dem Vorjahr. Auch Vögel, Fuchs und Dachs machten den Winzern das Leben zusätzlich schwer.

Wieviel die heurige Weinernte beträgt, ist noch nicht klar. Was bereits jetzt fest steht, ist ein grosses Defizit bei der Traubenmenge. Der Walliser Bote hat bei verschiedenen Winzern nachgefragt.

Alle befragten Winzer erwähnen trotz der geringen Ernte, dass der diesjährige Jahrgang qualitativ einiges verspreche.

Weniger Offenweine- mehr Flaschenweine


Wie die meisten Walliser hat auch die St. Jodern-Kellerei in Visperterminen noch nicht die ganze Ernte eingefahren. Konkrete Zahlen werden deshalb nicht genannt. «Wir werden massive Ausfälle hinnehmen müssen. Letztes Jahr hatten wir eine quantitativ sehr gute Ernte. Dies ist wohl auch der Grund für den geringeren Behang dieses Jahr» meint Markus Burgener, Geschäftsführer der St. Jodern-Kellerei.

Zehn Weinsorten werden auf rund 44 Hektaren bewirtschaftet. Durchschnittlich produziert die Kellerei gegen 400'000 Flaschen im Jahr. «Davon sind wir dieses Jahr mit Sicherheit weit entfernt» sagt Burgener gegenüber dem Walliser Boten. Deswegen würden sie dieses Jahr weniger Offenweine und mehr Flaschenweine produzieren.

Aus Prinzip kein Wein-Verschnitt

Ungefähr 250'000 Liter Wein produziert die Kellerei Leukersonne in Susten. Dieses Jahr seien 100 Tonnen weniger eingefahren worden, bestätigt Winzer Jörg Seewer. Weil das Vorjahr 15 Prozent über dem Durchschnitt lag, sei im aktuellen Jahr mit einem Verlust von 45 Prozent zu rechnen.

Walliser Winzer dürfen von der Massnahme des Kantons, bei den Sorten Pinot und Chasselas bis zu zehn Prozent mit Schweizer Weinen verschneiden, profitieren. «Wir werden beim Verschnitt nicht mitmachen. Ich denke, ich spreche da für alle kleinen und mittleren Kellereien im Wallis» meint Seewer weiter. Elmar Schnyder vom Rebgut Bielen in Gampel ergänzt: «Die Grosskellereien müssen das fast gezwungenermassen tun, um die Lieferungen an die Grossisten sicherstellen zu können.» Auf seinen vier Hektaren fehlen ungefähr 20 Tonnen Trauben.

Bis zu zwei Drittel Verlust

Noch viel schlimmer als befürchtet, falle die die Ernte bei der Kellerei Salzgeber und Söhne aus St. Geman aus. Die Kellerei spricht von einem Verlust von zwei Drittel. In den Monaten Mai und Juni waren sie noch vorsichtig optimistisch. Je näher die Ernte rückte, desto mehr Vogelfrass und Schäden von Fuchs und Dachs mussten sie hinnehmen.

Trotz des grossen Ernteausfalls, kommt für Franz Salzgeber ein Verschnitt mit anderen Schweizer Weinen nicht in Frage. «Erstens tun wir das aus Prinzip nicht und zweitens bekommt man ja kaum solche Weine, weil auch die Winzer in der Deutschschweiz über Frost klagten.»  


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