13.05.2019 14:33
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/blu
Gemüse
Kein Mega-Treibhaus im Seeland
Die Pläne für das grösste Gewächshaus der Schweiz sind Makulatur: Die Genossenschaft Gemüseerzeuger Seeland (GES) hat das Projekt gestoppt.

Das erklärte Geschäftsführer Sam Zurbrügg am Montag im Berner Regionaljournal von Radio SRF. Er bestätigte damit eine Meldung im «Bieler Tagblatt». Zur GES gehören über 80 Gemüsebauern aus dem Berner und Freiburger Seeland.

Weniger Energie und Wasser

Ihre Pläne waren im Spätsommer 2017 bekannt geworden. Den Promotoren schwebte ein Treibhaus auf einer Fläche von 80 Hektaren vor; das entspricht der Grösse von 110 Fussballfeldern. In Frage kamen zwei Standorte - der eine bei Ins BE, der andere bei Kerzers FR. Die Genossenschaft versprach sich eine nachhaltigere und ökologischere Gemüseproduktion: Statt Gemüsearten wie Gurken, Tomaten und Peperoni in grossem Stil zu importieren, sollten sie im Seeland wachsen. Im Freien lohnt sich der Anbau in vielen Fällen nicht oder funktioniert aus klimatischen Gründen schlecht.

Das riesige Gewächshaus sollte es ermöglichen, Gemüse mit deutlich weniger Energie und Wasser zu produzieren. Doch bei einer Art Vernehmlassung im vergangenen Jahr gab es starken Gegenwind von verschiedenen Seiten, wie Zurbrügg berichtete.

Hauptziele des Projekts

1. Stärkung des Gemüseanbaugebiets Seeland im hart umkämpften wirtschaftlichen Umfeld.
2. Schritt halten mit der rasanten technologischen Entwicklung in der Landwirtschaft und Lebensmittelbranche.
3. Prozesse entlang der Wertschöpfungskette räumlich konzentrieren und optimieren. Energieverbrauch reduzieren
4. Emissionen minimieren
5. Nährstoffkreisläufe schliessen und die Phytohygiene auf den Feldern verbessern.

«Keine guten Steuerzahler»

Zwar wären mehr als 100 Arbeitsplätze geschaffen worden, «doch die Gemeinden rundum signalisierten uns, dass sie an dieser Art der Arbeitsplätze nicht interessiert seien». Denn Erntehelfer seine keine guten Steuerzahler.

Projekt

Jährlich sollten im Gewächshaus 3000 bis 4000 Tonnen Gemüse produziert werden. Mittels Solarpanels sollte die Stromversorgung sichergestellt werden. Für die Bewässerung wäre das Regenwasser aufgefangen und verwendet worden. Aus Bioabfällen sollten Dünger und Strom erzeugt werden. Die Fenaco ist im Projekt involviert.

Vorbehalte hatte auch der Kanton Bern, der nur noch eine geringe Reserve an Fruchtfolgeflächen hat. Die Frage sei, ob man diese für Treibhäuser einsetzen wolle, sagten Kritiker. Denn der Boden eines Gewächshauses gilt nicht als Fruchtfolgefläche - auch wenn das Kritiker für absurd halten, da ja gerade Gewächshäuser zu mehr Ernährungssicherheit beitrügen.

Support erhielt das Projekt aus dem Kanton Freiburg. Die grüne Freiburger Staatsrätin Marie Garnier sagte im September 2017, das Projekt ermögliche die Schonung der Ressourcen. «In Treibhäusern werden weniger Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Zudem könnten mit dem Projekt Arbeitsplätze und damit die Existenz vieler Bauernfamilien im Seeland gesichert werden», liess sie verlauten.

Kleinere Gewächshäuser als Ziel

Widerstand kam auch von Landschaftsschützern. Sie befürchteten eine grossflächigen «Verglasung» des Seelands. Auch wenn die Pläne für ein Mega-Treibhaus nun vom Tisch sind: Vom Sinn des Projekts ist die Genossenschaft nach wie vor überzeugt. Sie fasst nun ins Auge, mehrere kleinere Gewächshäuser zu bauen. Eines davon wäre etwa zehn Hektaren gross.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE