8.11.2017 13:23
Quelle: schweizerbauer.ch - Lucas Huber
Basel-Landschaft
Gemüse per Flatrate
Mit der «Gmüeserei Sissach» nimmt kommendes Jahr die erste Gemüsegenossenschaft die Arbeit auf, gegründet wurde vergangene Woche. Bereits mit 100 Abonnenten würde das Kollektiv kostendeckend produzieren.

Der 31. Oktober ist, wenn man so will, der Tag des Gemüses – zumindest jener des Kürbis. Just dieses Datum hat sich die «Gmüeserei Sissach» für ihre Gründungsversammlung auserkoren. Und natürlich will die «Gmüeserei» auch mit Kürbis «gemüsen». Das Ziel der neun Initianten um Biolandwirt Pascal Benninger dabei ist, die Oberbaselbieter Bevölkerung mit lokal produziertem, biologischem Gemüse zu versorgen, und zwar in Form eines Gemüsekorbs im Abo, wie man es vom Birsemattehof kennt, der Basel und Umgebung seit einem Vierteljahrhundert mit Gemüse per Flatrate versorgt.

Wie das Basler Vorbild ist auch die «Gmüeserei» eine Genossenschaft, und auch sie hat zum Ziel, dass ihre Teilhaber das eigene Gemüse produzieren, will heissen: Sie pflanzen, jäten, düngen, ernten. 50 Prozent der anfallenden Aufgaben sollen sie dereinst übernehmen, die andere Hälfte übernehmen zwei Gärtner, angestellt von der Genossenschaft. Pascal Benninger ist einer von ihnen.

17 Genossenschafter

Bis die ersten Gemüsetaschen allerdings in die vorgesehenen Depots ausgeliefert werden, ziehen noch Monate ins Land. Im Januar wollen die 17 Gründungsgenossenschafter mit der Bewirtschaftung der rund eine Hektare messenden Fläche beim Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain in Sissach (LZE) beginnen. Dort stehen heute noch Reihen von Apfel-, Kirsch- und Zwetschgenbäumen, doch die Parzelle, hat sich herausgestellt, eignet sich nicht für den Obstanbau.

Bereicherung des Angebots

Braucht es ein Gemüseabo auf dem Land überhaupt? Ist das Angebot nicht eher ein urbanes Phänomen? Decken die meisten Oberbaselbieter ihren Gemüsebedarf nicht ohnehin im Hofladen um die Ecke? Wer das glaubt, irrt: Ob Basel, Sissach oder Kilchberg – die grosse Mehrheit der Konsumenten kauft ihre Salatköpfe, Rispentomaten und Broccoliröschen in den Hallen der einschlägig bekannten Grossverteiler. Wird die Genossenschaft also hartes Brot zu beissen haben? «Das werden wir schnell rausfinden», sagt Initiant Pascal Benninger. Auf jeden Fall beschreibt er die «Gmüeserei» als Bereicherung des Angebots. Tatsache ist: «Im Oberbaselbiet wird wenig Gemüse angebaut, und Hofläden und Märkte sehen wir nicht als Konkurrenz, unsere Angebote unterscheiden sich.»

So muss sich der Gemüseabonnent überraschen lassen, was geliefert wird, redet als Genossenschafter hingegen ein gehöriges Wörtchen mit bei dem, was das Kollektiv anbaut. Und dieses Kollektiv ist zentral. Pascal Benninger: «Das Ziel ist, dass die Leute mithelfen. Der Einsatz ist darum verpflichtend.» Allerdings könne er verschiedenste Formen annehmen, auch administrative Belange bedürften schliesslich fachmännischer Bewältigung. Um kostendeckend zu produzieren, rechnet Benninger mit rund 100 Gemüse beziehenden Haushalten.

Gute Erfolgschancen

Lukas Kilcher, Leiter des LZE, prognostiziert der «Gmüeserei» gute Erfolgschancen, das Interesse an lokal produziertem Frischgemüse direkt vom Bauern sei gross. «Der Erfolg hängt allerdings wesentlich davon ab, wie stark die Kundschaft mitmacht. Doch die Zeichen stehen gut, und das Interesse war bereits vor dem Start vital.»

Die «Gmüeserei», deren Anteilscheine zu 250 Franken vergeben werden, startet zwar mit klassischem «Abo-Gemüse», Karotten und Zwiebeln, Tomaten und Salat, im zweiten Jahr sollen auch Beeren hinzukommen. «Aber so ein Abo soll bereichernd für die Konsumenten sein», so Benninger. Die Genossenschaft wird auch den Bio-Gemüsestand am Sissacher Samstagsmarkt sowie die Mensa des LZE beliefern.

Infos: www.gmueserei.ch


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