13.07.2015 14:48
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Freiburg
FR: Bauern müssen Bewässerung einschränken
Die gegenwärtige Hitzeperiode lässt die Pegel von Flüssen und Seen sinken. Im Kanton Freiburg ist deswegen ab Freitag die Wasserentnahme aus vielen Gewässern verboten. Die meisten Gemüsebauern im Grossen Moos können aber noch auf Wasser aus dem Murtensee zählen.

Der Kanton Freiburg hat ein Wasserentnahmeverbot aus Oberflächengewässern erlassen, das ab kommendem Freitag gilt, wie die Zeitungen Freiburger Nachrichten und La Liberté am Montag berichteten. Allerdings gibt es mehrere Ausnahmen vom Verbot, unter anderem für den Murtensee, den Grand Canal sowie den Broyekanal.

Murtensee hat noch genügend Wasser

Für die Gemüsebauern der grössten Schweizer Anbauregion im Grossen Moos sind die Ausnahmen ein Glück, denn die meisten Bewässerungskanäle werden vom Murtensee gespiesen. Und diese Wasserentnahme dürfte noch eine Weile gesichert sein. «Der Murtensee hat noch lange genug Wasser», sagte Adrian von Niederhäusern vom Landwirtschaftlichen Institut des Kantons Freiburg in Grangeneuve (LIG) auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Problematischer ist die Verfügung für Gemüseproduzenten im Einzugsgebiet der Biberen. Sie dürfen immerhin weiterhin heikle Kulturen wie Kartoffeln bewässern. Auch für Felder, die kurz vor der Ernte stehen, erteilt der Kanton laut von Niederhäusern in der Regel Ausnahmebewilligungen.

Ertragseinbussen bei längerer Trockenheit

Sollten Hitze und Trockenheit aber länger andauern und andere Gewässer für die Wasserentnahme gesperrt werden, könnte das für die Bauern im Freiburger und Berner Teil des Grossen Mooses schlimmere Folgen haben. Gewisse Flächen müssten vorläufig brachgelegt werden, weil sie nicht bewässert werden könnten. Dies würde für die Gemüseproduzenten empfindliche Ertragseinbussen bedeuten.

Im Vergleich zum Hitzesommer 2003, als mehrere Kantone über längere Zeit die Wasserentnahme aus Gewässern einschränkten, präsentiert sich die Lage aber weit weniger dramatisch. «Ein Vorteil war heuer, dass es im Mai und Juni noch reichlich geregnet hat, die Böden waren gesättigt und die Grundwasserpegel hoch», sagte Christian Bucher von der Fachstelle für Gemüsebau der Gemüseproduzenten-Vereinigung der Kantone Bern und Freiburg (GVBF).

Doch selbst bei normaler Witterung sind Gemüseproduzenten heutzutage von der Bewässerung abhängig. Ohne sie sei der Gemüseanbau in der Schweiz nicht mehr rentabel, sagte Bucher.

Wasser bleibt Thema

Auch in anderen Regionen fiel in den vergangenen Wochen wenig Regen. Wie stark die Landwirte durch die Trockenheit in Bedrängnis geraten, hängt auch davon ab, was sie anbauen. Kulturen wie Rüben und Reben seien etwas weniger empfindlich und brauchten weniger Bewässerung, hiess es beim Schweizerischen Bauernverband (SBV) auf Anfrage.

Dass andere Kantone zu ähnlichen Massnahmen greifen müssen wie Freiburg ist nicht ausgeschlossen, sollte die Hitzeperiode noch lange andauern. Laut Angaben des Bundesamts für Umwelt (BAFU) sind die Abflussmengen der Flüsse und Pegelstände der Seen «verbreitet unterdurchschnittlich».
Im Mittelland führten bereits einige kleinere und mittlere Flüsse Niedrigwasser, hiess es beim BAFU schriftlich auf eine Anfrage. Auch in den kommenden Tagen dürften die Wasserstände weiter sinken. Allerdings führen die Gewässer in vergletscherten Einzugsgebieten bei der aktuellen Hitze eher mehr Wasser.

Länger andauernde Phase mit Niederschlag vonnöten

Von der Wetterentwicklung hängt auch ab, wie schnell die Wasserstände wieder auf das normale Niveau steigen. «Generell braucht es eine länger andauernde Phase mit regelmässigen, ergiebigen Niederschlägen, um ein Wasserdefizit in den Böden wieder auszugleichen», schreibt das BAFU. Die Grundwasserstände sind derzeit laut BAFU für die Jahreszeit normal, wenn auch regional unterschiedlich. Die Grundwasserstände reagieren mit einigen Wochen oder Monaten Verzögerung auf Niederschlagsereignisse. Zudem hält das BAFU fest, dass selbst in Trockenperioden die Trinkwasserversorgung «in einwandfreier Qualität» sichergestellt ist.

Auch beim Bauernverband bleibt das Wasser ein «langfristiges» Thema. Der Verband sei daran, Richtlinien für die Wasserentnahme zu erarbeiten, um schweizweit eine gewisse Einheitlichkeit zu erhalten, sagte SBV-Sprecherin Sandra Helfenstein. Insbesondere solle auch der Preis für die Nutzung von Fluss, See- oder Grundwasser geregelt werden.

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