27.09.2020 08:34
Quelle: schweizerbauer.ch - Martin Brunner
Knoblauch
Erfolg mit weisser Knolle
Seit sechs Jahren baut der gelernte Gemüsebauer Beat Stump Knoblauch an. Vom Setzen bis zum Trocknen ist alles in seiner Hand. Er experimentiert auch immer wieder mit Kulturen wie Quinoa, Yacon und anderen.

Es wurde ein Hype, als Beat Stump auf den sozialen Medien verkündete, dass er 20 Tonnen Knoblauch zweiter Klasse verschenke. Menschen aus der ganzen Schweiz strömten nach Buchackern und wollten profitieren. «Rund 500 Personen tummelten sich zeitweise auf meinem Platz», erzählt er. «Die einen ergatterten sich einige Kilos, die anderen konnten viel grössere Mengen gebrauchen.» Die meisten hätten sich anständig verhalten und auch einen freiwilligen Obulus bezahlt. Zudem seien viele neue und wertvolle Kontakte entstanden.

Rund 70 Tonnen Ernte

Es ist ja nicht so, dass Stump jedes Jahr Tonnen von Knoblauch verschenkt, denn diese Knolle ist seine Hauptkultur und ein wichtiges Einkommen. «Von der Ernte 2019 hatten wir aber noch sehr viel guten Knoblauch übrig, bei dem einfach die Schale teilweise violett und zerrissen war», sagt er. «Wegwerfen war für mich keine Option. Deshalb entschied ich mich für diese Aktion.» Wiederholen wird er sie allerdings nicht, denn es gab auch die bekannten schwarzen Schafe, die sich nicht sehr vorteilhaft verhielten. Seine Freude am Knoblauch liess er sich aber nicht verderben. Im Gegenteil. «Für mich ist es eine Befriedigung, diese würzige Knolle anzubauen, nicht zuletzt, weil sie gesund und schmackhaft ist.» Rund 10 bis 12 Tonnen pro Hektare, also 70 bis 75 Tonnen davon geben seine sieben Hektaren her.

Begonnen hat seine Geschichte mit dem Knoblauch im Jahr 2014, als er von einem Kollegen für deren  Anbau motiviert wurde. Als gelernter Zimmermann und vor allem Gemüsegärtner sagte er zu, weil sein Interesse schon immer auf speziellen Kulturen lag. Eine Hektare reservierte er damals für die Frucht. «Meine Erfahrungen waren gut, obwohl ich mich nur auf wenige Informationen und Erfahrungswerte abstützen konnte», sagt Stump. «Deshalb dehnte ich die Fläche immer mehr aus bis auf sieben Hektaren in diesem Jahr.» Auch die Arbeiten rund um die Knolle nahm Stump nach und nach in die eigene Hand. Eine Setzmaschine steht in seiner grossen Halle. Brech- und Sortiermaschine sind vorhanden, und auch für die Trocknung hat er genügend Platz. Speziell ist die Organisation in der Fruchtfolge. «Damit ich die Anbaupausen einhalten kann, tauschen ein benachbarter Gemüsegärtner und ich unsere Felder. Das lässt sich gut steuern.» 

Schwarzer Knobli

Seinen Knobli liefert Beat Stump an die Proverda in Rebstein SG. Dort wird die Knolle gerüstet, portioniert, etikettiert und verkauft, vor allem an Spar und Migros Ostschweiz. «Das gilt allerdings nur für die Qualität erster Klasse», betont er. «Bei zweiter Klasse und verarbeiteter Ware kann ich preislich mit den chinesischen Produkten nicht mithalten. Das bedeutet, dass bei mir einiges liegen bleibt.» Weil ihn das stört, hat er wieder einmal seinen Experimentiergeist aktiviert. Als Versuch begann er, den Knobli zu fermentieren. Sieben Tage lang lag dieser bei 75 Grad in einem kleinen Apparat, wodurch er braun bis schwarz wurde. «Ätherische Öle, die antibiotische Wirkung usw. bleiben dadurch erhalten. Nicht mehr vorhanden aber ist der intensive Geschmack.» Ob er auf dieser Schiene weitermacht, weiss er noch nicht, obwohl der schwarze Knobli ein Trend ist. Die Produktion aber ist recht aufwendig und teuer.

Nischenprodukt

Beat Stump baut auf seinen zwölf Hektaren Landwirtschaftsland Knoblauch, verschiedene Sorten Quinoa, Weizen, Raps, Konservenerbsen, Yacon (eine Wurzel, deren Zucker der menschliche Körper nicht aufspalten kann) und immer wieder neue Nischenprodukte an. Seine Produkte vermarktet er direkt oder über einen Händler. Den Knoblauch setzt er zwischen Mitte Oktober und Ende November. Temperaturschwankungen erträgt die Frucht gut. Nicht gerne hat sie grosse Fröste und Nässe. Neben der Bewirtschaftung seiner Felder arbeitet Beat Stump im Aussendienst für eine Firma im Bereich Gemüsesamen. mabzwischen 

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