9.02.2013 09:43
Quelle: schweizerbauer.ch - Jonas Ingold, lid
Pilze
Discounter lösen Preisdruck aus
Die Schweizer Pilzproduzenten kritisieren die Discounter Aldi und Lidl und sehen sich gegenüber den EU-Produzenten benachteiligt.

Der Pilzmarkt in der Schweiz wird grösser und der Marktanteil der Schweizer Pilze liegt bei rund 80 Prozent. Trotzdem sieht der Verband Schweizer Pilzproduzenten (VSP) die derzeitige Lage alles andere als rosig.

Wenig Freude haben die Produzenten am Marktgebahren der deutschen Discounter Aldi und Lidl in der Schweiz. Der Grund: Mit ihrer Tiefstpreispolitik und Aktionen sorgen sie für Unruhe auf dem Markt und starken Preisdruck. Begonnen haben die aggressiven Kampagnen vor rund eineinhalb Jahren und beschäftigen seither die Branche.

"Das ist eine Lockvogelpolitik"

Für Fritz Burkhalter ist klar, dass Aldi und Lidl unter dem Einstandspreis verkaufen: "Die von Aldi und Lidl angebotenen Preise bei Aktionen unter Einstandspreis oder ohne korrekte Aufrechnung der Marge müssen quersubventioniert sein. Selbst mit deutscher Ware würde die Rechnung nicht aufgehen." Besonders störend sei, dass die beworbenen Schweizer Pilze in Aktionen nur in sehr kleiner Menge angeboten würden. "Wenn eine Aktion montags beginnt, dann gibt es oft mittwochs bereits keine solchen Pilze mehr. Es handelt sich hier um eine Lockvogelpolitik", so Burkhalter.

Veranstalten hingegen die Migros oder Coop eine Aktion, so müsse sichergestellt sein, dass die Ware auch für die ganze Aktionswoche ausreiche. Grundsätzlich möchte der Verband keine solchen Lockvogelangebote von Schweizer Pilzen sehen. Rechtlich machen könne man aber nichts, es lasse sich nicht beweisen, dass unter dem Einstandspreis verkauft werde, sagt Burkhalter. Auch dass die Verbands-Mitglieder keine Pilze an die beiden Discounter liefern, bringt nichts, denn dies hat ein Unternehmen übernommen, das nicht Mitglied des VSP ist.

Preise tiefer als vor 20 Jahren

Am eigenen Leib erfährt Roland Vonarburg, Präsident des VSP und Inhaber der Wauwiler Champignons AG, den Preisdruck. Konkrete Zahlen nennt er zwar nicht, die Preise für die Pilze seien mittlerweile aber tiefer als noch vor 20 Jahren, dies trotz Teuerung.

Aldi und Lidl nur verteufeln will Vonarburg aber dennoch nicht. Er sieht auch einen positiven Effekt: "Der Markteintritt und die stärkere Bewerbung der Pilze durch die Discounter hat auch zu einer Mengenausdehnung und einem aktiveren Verhalten von anderen Detailhändlern in der Schweiz geführt."

Grenzschutz gefordert

Auch die Konkurrenz aus der EU macht den Produzenten zu schaffen. Diese kommt zumeist aus den Niederlanden und Polen. Die Produktionskosten liegen in der Schweiz laut Verband 40 bis 50 Prozent höher als in der EU. Dies vor allem im Bereich der Bodenkosten, der Produktionsmittel und der Löhne.

Besonders bei den Lohnkosten schnellt die Schweiz heraus. Laut Branchenkennern sind in polnischen Pilzbetrieben selbst die inländischen Pflückerinnen mittlerweile zu teuer, weshalb auf Personal aus Weissrussland zurückgegriffen wird. Dieses arbeite dann für Löhne zwischen 1 und 1.50 Euro pro Stunde.

Um die Kostendifferenz zu verkleinern, fordert der VSP deshalb unter anderem einen Grenzschutz für Pilze. Sollten die Rahmenbedingungen nicht in absehbarer Zeit angepasst werden, sieht der VSP die Pilzproduktion in der Schweiz gar gefährdet.

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