14.10.2019 15:02
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Zug
Wollschwein bekämpft Erdmandelgras
Das Erdmandelgras macht der Schweizer Landwirtschaft Sorgen. Das Unkraut kann zu einer Gefahr für einheimische Nutzpflanzen werden und führt zu tieferen Erträgen. Im Kanton Zug wird in einem Praxisversuche getestet, ob Wollschweine den invasiven Neophyten eindämmen können.

Das Erdmandelgras breitete sich auf Schweizer Äcker immer mehr aus. Die zur Familie der Sauergräser gehörende Pflanze wurde vermutlich über Zwiebelsetzlinge in unser Land eingeführt. In Ländern wie Spanien wird das Erdmandelgras zur Ernährung angepflanzt.

Vermehrung über Wurzelknöllchen

Gemäss dem Strickhof belegt die Pflanze den Platz 16 auf der Liste der weltweit gefährlichsten Unkräuter. «Es handelt es sich um ein sehr anpassungsfähiges und hartnäckiges Ungras, das nur mit einschneidenden Massnahmen in seiner Ausbreitung gehindert werden kann», schreibt der Strickhof aus seiner Website.

Durch die erschwerte Bekämpfung breitet sich die Pflanze immer mehr aus und wird zu einer Gefahr für die Nutzpflanzen, unter anderem für Futtergräser, Zuckerrüben, Mais oder Kartoffeln. Eine Vermehrung findet vor allem über die Wurzelknöllchen (Erdmandeln) statt. Sobald sich diese im Boden angesammelt haben, können ohne Bekämpfung ganze Felder innerhalb weniger Jahre überwuchert werden. Folgen sind grosse Ertragsausfälle und eine verminderte Produktequalität.

Harte Blätter  

Die harten, braunen Mandeln des Erdmandelgrases sehen Erdkrumen ähnlich. Sie treiben mehrfach aus und überleben mehrere Jahre. Die Knöllchen sind sehr klein (2 bis 15mm) und werden leicht über Maschinen verschleppt. Warme Witterung, Bewässerung und nährstoffreiche Böden beschleunigen Wachstum und Mandelgrösse. Die Bildung neuer Knöllchen beginnt ab Juni. Das Erdmandelgras unterscheidet sich deutlich von anderen Gräsern und kennzeichnet sich durch einen dreikantigen Stängel, eine V-förmige Blattmittelrinne und durch die hellgrüne Farbe. Die Blätter sind hart und schwer benetzbar. sum

Verschleppung über Bodenbearbeitungsgeräte

Die Pflanze wieder von den Äckern zu bringen, braucht Zeit und Geld. Am ehesten gelingt die noch im Mais. Dort belaufen sich die Kosten für chemische und mechanische Massnahmen auf rund 700 Franken pro Hektare. Hinzu kommen die Arbeitsstunden für Ausreissen, Ausgraben und Kontrollen.

Bereits im Mai 2017 warnte Samuel Jenni, Leiter der Schweizerischen Fachstelle für Zuckerrübenbau, im «Schweizer Bauer» vor der Pflanze. «Hat das Unkraut einmal eine gewisse Verbreitung erreicht, ‹chlöpft› es. Wir haben im Seeland Schläge, auf denen keine Kartoffeln, kein Wurzelgemüse und keine Rüben mehr angebaut werden dürfen. Die Gefahr einer Verschleppung der Mandeln durch Bodenbearbeitungsgeräte ist zu gross. Ohne strikte Auflagen könnte das flächendeckende Ausmasse annehmen.»

Keine erfolgssichere Bekämpfungsmethoden

Trotz intensiver Forschung stehen noch keine erfolgssichere Bekämpfungsmethoden zur Verfügung. Das Ziel muss es deshalb sein, eine Verschleppung zu verhindern. Die Forschungsanstalt Agroscope testet in den kommenden Monaten eine natürliche Bekämpfungsmethode – Wollschweine. In Zusammenarbeit mit dem Kanton Zug weiden von Oktober 2019 bis April 2020 erstmals Wollschweine auf einem von Erdmandelgras befallenen Feld im Kanton Zug.

Im Herbst 2020 wird sich zeigen, ob der Einsatz der tierischen Unkrautbekämpfer Erfolg zeigt. Die Schweine werden von Guido Leutenegger aus Kreuzlingen zur Verfügung gestellt. Gemäss der Mitteilung des Zuger Landwirtschaftsamts hat Leutenegger, der unter dem Label «Natur Konkret» insgesamt drei Betriebe im Thurgau, Graubünden und Tessin betreibt, mehrere Neophyten-Sanierungsprogramme mit den Schweinen durchgeführt.

Schweine müssen Erdmandeln genügend kauen

Eingesetzt werden die Wollschweine auf einem befallenen Acker von Landwirt Gregor Wyss. Er hofft, mit den Wollschweinen ein langfristig gutes Bekämpfungsresultat zu erhalten, da dieser Neophyt ihm viel Arbeit bereitet. Der Landwirt vermutet, dass die Erdmandeln bei der Humusverschiebung beim Strassenbau durch unsaubere Baumaschinen eingeschleppt wurden. 

Die Schweine erhalten Wasser, zusätzliches Futter, Unterstände und werden betreut. «Das Erdmandelgras und die Wurzelknöllchen sind essbar. Die Wollschweine fressen das und wir werden sehen, ob sie die Mandeln genug kauen und verdauen, so dass diese zerstört sind und nicht mehr auskeimen im Frühling. Ziel ist es, die Neubildung von Knöllchen zu verhindern», sagt Roger Bisig, Leiter Landwirtschaftsamt des Kantons Zug. Bissig geht davon aus, dass das Erdmandelgras nicht vollständig ausgemerzt werden kann. Übrig bleiben sollen jedoch nur noch kleine Befallsherde. Die werden ausgegraben und fachgerecht entsorgt.

In die Tiefe graben

Weder Herbizide noch eine flache Bodenbearbeitung erfassen Erdmandeln in tieferen Bodenschichten. Sind Erdmandeln in tieferen Schichten vorhanden, sollte der Boden ab und zu tief bearbeitet werden, um überdauernde Erdmandeln aus der Tiefe an die Oberfläche zu befördern, wo sie besser bekämpft werden können. Sind keine Erdmandeln in tieferen Schichten vorhanden, darf der Boden nicht tief bearbeitet werden, weil sie sonst vergraben werden. Am besten kann die Tiefe der Erdmandel im Frühling nach dem Austreiben des Erdmandelgrases festgestellt werden. Mit einem Spaten wird entlang der weissen Hauptwurzel des Erdmandelgrases in die Tiefe gegraben, bis die Erdmandel zum Vorschein kommt. sum

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