5.04.2018 15:14
Quelle: schweizerbauer.ch - David Eppenberger, lid
Dossier Pflanzenschutz (11/11)
Verbot löst keine Probleme
Pflanzenschutzmittel stehen in der öffentlichen Kritik. Den Landwirten sichern sie seit Jahrzehnten ihre Ernten. Die zentralen Fragen sind: Was sind die Alternativen? Welche Rolle spielen die Abnehmer und die Konsumenten? Was würde der vollständige Verzicht auf den chemischen Pflanzenschutz bedeuten? Im elfteiligen Dossier werden verschiedene Thematiken rund um den Pflanzenschutz aufgegriffen. Im elften Teil wird ein Fazit gezogen.

Der Traum von der heilen Welt ist allgegenwärtig. Dazu passt auch der Bauernhof wie aus Gotthelfs Zeiten, wo der Hahn noch auf dem Miststock kräht. Doch dieser Betrieb hätte heute keine Überlebenschance: Er wäre nicht nur zu klein, um genug Menge zu produzieren, sondern sicher auch zu teuer.

Ein bisschen melken, ein paar Äpfel pflücken, eine Are Gerste und ein bisschen Kopfsalat anbauen ginge heute nicht mehr. Die hygienischen Vorschriften wären sicher eine unüberbrückbare Hürde.

Bauer trägt Ausfallrisiko selbst

Das zeigt: Die Zeiten haben sich geändert. Wie in den anderen Branchen gilt mittlerweile auch in der Landwirtschaft die Maxime: Möglichst viel, möglichst effizient, möglichst billig und selbstverständlich in bester Qualität. Mit der Natur als Basis alleine ist da wenig auszurichten. Um alles unter einen Hut zu bringen, ist der Bauer deshalb auf Hilfe von aussen angewiesen.

Eben auf wirksame Pflanzenschutzmittel zum Beispiel, die verhindern, dass eine Missernte ihn in den Ruin treibt. Denn trotz hohen Anforderungen der Abnehmer trägt der Landwirt das Ausfallrisiko ja immer noch selbst. Solange diese Risiken nicht durch einen ansprechenden Preis abgesichert sind, wird er auf diese Hilfe nicht verzichten können.

Kollateralschäden in Kauf nehmen

Aus wissenschaftlicher Sicht ist das vertretbar: Die Pflanzenschutzmittelrückstände, die in den Lebensmitteln zurückbleiben sind so gering, dass sie für die Gesundheit unbedenklich sind. Und auch die Folgen für die Natur sind heute dank moderneren Wirkstoffen weniger gravierend als sie noch zu Zeiten von DDT waren. Aber sie bleiben.

Es sind die Kollateralschäden einer modernen Landwirtschaft, die man in Kauf nehmen muss, wenn ein Natur- zu einem Industrieprodukt gemacht wird. Zumal auch die Anbaufläche für den Anbau von Landwirtschaftsprodukten immer kleiner wird, der Selbstversorgungsgrad mit einheimischen Produkten aber bewahrt werden soll und das bei einer ständig zunehmenden Bevölkerungszahl.

Verantwortung wird abgeschoben

Immerhin geben sich die Bauern in der Schweiz grösste Mühe, sich in diesem schwierigen Umfeld möglichst umweltfreundlich zu verhalten. Zum Beispiel mit vorbeugenden Massnahmen, dem Einsatz von Nützlingen gegen Schädlinge sowie anderen biologischen und naturnahen Methoden.

Mit einem faktischen Verbot von Pestiziden, wie es zwei Initiativen vorsehen, würde die Verantwortung für die Lebensmittelproduktion in andere Länder abgeschoben. 

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