28.04.2018 06:00
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Agrochemie
Schweiz verbietet 3 Neonikotinoide
Die EU-Staaten verbieten drei bienenschädliche Insektizide aus der Gruppe der Neonikotinoide. Ab dem Ende des Jahres dürfen sie nicht mehr im Freiland, sondern nur noch in Gewächshäusern eingesetzt werden. Das Bundesamt für Landwirtschaft reagierte umgehend auf den Entscheid der EU.

Nach der Evaluation der neusten Berichte der Efsa komme man zum Schluss, «dass die Verwendung der drei Insektizide auf Anwendungen im Gewächshaus eingeschränkt werden muss», schreibt die Behörde. Behandelte Kulturen müssten bis zur Ernte im Gewächshaus verbleiben. «Anwendungen im Freiland werden ab Ende 2018 verboten», heisst es weiter.

Philippe Schenkel, Landwirtschafts-Experte bei Greenpeace Schweiz, lobte die EU: «Der EU-Entscheid ist aufgrund der klaren wissenschaftlichen Datenlage überfällig und logisch.» Bienengifte hätten in der Landwirtschaft nichts verloren. Er fordert, dass die Schweiz «den EU-Entscheid unverzüglich nachzuvollziehen».

Risiken für Bienen

Neonikotinoide sind synthetisch hergestellte Wirkstoffe, die sich an die Rezeptoren der Nervenzellen binden und so die Weiterleitung von Nervenreizen stören. Gemäss Experten können sie Insekten bereits bei einer niedrigen Dosierung lähmen, töten oder das Lernvermögen und die Orientierungsfähigkeit beeinträchtigen.

Bereits 2013 hatte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) einen ersten Bericht zu Neonikotinoiden veröffentlicht, woraufhin ihre Nutzung auf EU-Ebene und auch in der Schweiz eingeschränkt wurde. In Ausnahmefällen blieb der Freilufteinsatz jedoch erlaubt. Anfang April bestätigte Efsa in einem neuen Bericht die von ihnen ausgehenden Gefahren für Bienen und Hummeln: «Die Mehrzahl der Anwendungen von Neonikotinoid-haltigen Pestiziden stellt ein Risiko für Wild- und Honigbienen dar.»

Bayer und Syngenta unzufrieden

Kritik am Verbot kam vom Pharmariesen Bayer, der auch Neonikotinoide herstellt. «Die Entscheidung wird die Möglichkeiten europäischer Landwirte, gegen verheerende Schädlinge vorzugehen, weiter einschränken», teilte das Unternehmen mit. Die EU-Entscheidung sei «ein schlechter Deal für die europäische Landwirtschaft».

Ähnlich argumentierte die ebenfalls betroffene Syngenta. Man glaube nicht, dass der Entscheid richtig für die europäischen Bauern und für die Umwelt sei, schreibt der kürzlich vom chinesischen Staatskonzern ChemChina gekaufte Basler Agrochemiekonzern. Die minimale Gefahr für Bienen durch die Insektengifte stehe in keinem Verhältnis zu der Notwendigkeit, genügend bezahlbare Nahrungsmittel herzustellen.

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