21.06.2017 12:17
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Bern
SBV: Pflanzenschutzmittel gezielter einsetzen
Die Schweizer Landwirtschaft hat ein Problem mit Pflanzenschutzmitteln. Der Bauernverband (SBV) fordert daher vom Bund, nicht bei der entsprechenden Forschung zu sparen. Zugleich spricht sich der SBV gegen zwei Initiativen aus, die dem Einsatz von Pestiziden den Kampf angesagt haben.

«Wir haben ein Problem und das geben wir zu», sagte Bauernverbandspräsident Markus Ritter am Mittwoch in Ins BE laut Redetext an einer Medienkonferenz. Er bezog sich dabei auch auf eine Studie des Bundesamts für Umwelt (BAFU) zur Mikroverunreinigungen in Gewässern. Demnach verursacht die Absickerung via Drainagen von mit Pestiziden behandelten landwirtschaftlichen Flächen rund 40 Prozent der Verschmutzung.

Pflanzenschutzmittel seien teuer, würden Konsumenten verunsichern und könnten Gesundheit sowie Umwelt gefährden, hält der SBV fest. Es gelte daher, weniger Pestizide und diese gezielter einzusetzen. Einen Verzicht, wie ihn die beiden Initiativen «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» und «Sauberes Wasser für alle» anstreben, für die derzeit Unterschriften gesammelt werden, sieht der Verband kritisch, wie Ritter ausführte.

Denn ohne den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln würden die Erträge in der Landwirtschaft um 20 bis 40 Prozent schrumpfen. Zudem brauche die Schweizer Ernährungsindustrie eine gesicherte und kontinuierliche Belieferung. Und: «Auch die Bio-Produktion kann nicht vollkommen auf Pflanzenschutzmittel verzichten», betonte Ritter. Er warnte weiter vor einer Verlagerung ins Ausland und steigenden Nahrungsmittelpreisen.

Weiterbildungspflicht

Der Verband setze daher auf den nationalen Aktionsplan zur Risikoreduktion und nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln des Bundesrats, der im Sommer verabschiedet werden soll. Dieser wolle die Problematik in einem grösseren Kontext angehen. So sollen etwa auch Händler, Verarbeiter und Konsumenten in die Pflicht genommen werden, die heute hohe Anforderungen an die Nahrungsmittelqualität stellen würden.

Weiter soll der Plan «messbare Ziele vorgeben, konkrete Massnahmen festlegen und Indikatoren zur Überprüfung der Zielerreichung definieren». So unterstütze der SBV etwa eine Weiterbildungspflicht für die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln und eine verbesserte Ausbildung.

Gegen Sparpläne

Der Aktionsplan, das fordert Ritter, solle den Akzent auf jene Massnahmen setzen, die den grösstmöglichen Nutzen bringen. «Es ist unerlässlich, die geplanten Massnahmen wissenschaftlich zu untermauern», forderte der Bauernverbandspräsident. Bei der dafür relevanten Forschung solle der Bund daher nicht sparen.

Anfang Jahr hatte die landwirtschaftliche Forschungsanstalt Agroscope ihre Führungsstrukturen vereinfacht. Die damit verbundene Streichung von Kaderstellen entlastet das Budget der Forschungsanstalt um rund 2 Millionen Franken. Agroscope wird zum grössten Teil vom Bund finanziert.

Zwei Initiativen

Die Unterschriftensammlungen für die beiden Initiativen, gegen die sich der Bauernverband ausspricht, dauern noch bis 2018. Die «Trinkwasser-Initiative», für die seit März Unterschriften gesammelt werden, fordert, dass nur Bauernbetriebe, die ohne Pestizide produzieren und ihren Tieren nicht vorbeugend Antibiotika verabreichen, vom Staat künftig unterstützt werden sollen.

Die Volksinitiative «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» will den Einsatz synthetischer Pestizide in der landwirtschaftlichen Produktion, in der Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse und in der Boden- und Landschaftspflege verbieten. Verboten werden soll auch die Einfuhr von Lebensmitteln, die synthetische Pestizide enthalten oder mithilfe solcher hergestellt worden sind.

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