2.04.2018 10:30
Quelle: schweizerbauer.ch - David Eppenberger, lid
Dossier Pflanzenschutz (8/11)
Reduktion dank Technik
Pflanzenschutzmittel stehen in der öffentlichen Kritik. Den Landwirten sichern sie seit Jahrzehnten ihre Ernten. Die zentralen Fragen sind: Was sind die Alternativen? Welche Rolle spielen die Abnehmer und die Konsumenten? Was würde der vollständige Verzicht auf den chemischen Pflanzenschutz bedeuten? Im elfteiligen Dossier werden verschiedene Thematiken rund um den Pflanzenschutz aufgegriffen. Im achten Teil geht es um die Anwendung.

Mit der richtigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln kann der Landwirt den negativen Einfluss auf die Umwelt weiter minimieren. Das beginnt mit der Wahl des geeigneten Pflanzenschutzmittels. Weitere Faktoren für die erfolgreiche Applikation sind die Wahl des richtigen Spritzzeitpunktes, die Wassermengen und die Verteilung des Pflanzenschutzmittels auf dem Zielobjekt.

Bei Wind und Regen oder bei zu heissen Temperaturen mit niedriger Luftfeuchtigkeit sollte nicht behandelt werden. Eine wichtige Rolle spielt zudem die richtige Wahl des Applikationsgerätes und dessen vorschriftgemässe Reinigung.

Die Bauern müssen über jede Verwendung eines Pflanzenschutzmittels genau Buch führen. Dazu gehören der Name des Pflanzenschutzmittels, Behandlungsdatum, behandelte Fläche, Kultur und Behandlungsgrund sowie die Dosierung. Die Aufzeichnungen muss der Bauer bei den regelmässig durchgeführten Betriebskontrollen vorweisen.

Resistenz-Management ist nötig

Bereits vor über 50 Jahren wurden bei chemischen Pflanzenschutzmitteln nach einer gewissen Zeit abnehmende Wirkungen beobachtet. Unkräuter, Pilze oder Schädlinge entwickeln Resistenzen. Diese entstehen durch einen natürlichen Selektionsdruck: Einige wenige Schadorganismen überleben eine Behandlung, weil sie angeborene Resistenzen in sich tragen, während die anderen Individuen innerhalb der Population abgetötet werden.

Die resistenten Organismen vermehren sich und machen so den Wirkstoff mittel- bis langfristig unwirksam. Häufig treten solche Resistenzen nach der wiederholten Anwendung von Mitteln mit dem gleichen Wirkungsmechanismus auf die gleiche Population auf. Begünstigend wirken sich zudem einseitige Fruchtfolgen aus, kombiniert mit zu tiefen, nicht den Zielorganismen entsprechenden Applikationsmengen.

Mit einem gezielten Resistenz-Management dämmen die Landwirte das Entstehen von Resistenzen ein. Die Kombination und der Wechsel von chemischen Wirkstoffen mit unterschiedlichen Wirkmechanismen steht dabei im Vordergrund. Eine Antiresistenzstrategie mit Wirkstoff-Wechsel zur Erhaltung der langfristigen Wirksamkeit von Pestiziden ist deshalb in der Schweizer Landwirtschaft Standard. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass genügend Wirkstoffe zur Verfügung stehen.

 

Weniger Pflanzenschutzmittelzulassungen in der Schweiz

Im Rahmen der üblichen Harmonisierung mit EU-Recht wurde die Schweizer Pflanzenschutzmittelverordnung im Jahr 2010 an die entsprechende EU-Verordnung angepasst. Als Folge wurden in den letzten Jahren etwa ein Viertel der Zulassungen von Pflanzenschutzmitteln nicht mehr erneuert.

Zum einen, weil alte Wirkstoffe einer Neubeurteilung ihrer toxikologischen Wirkung unterzogen wurden. Zum anderen, weil Pflanzenschutzfirmen den Aufwand für das Einreichen von Dokumenten im Rahmen des Zulassungsverfahrens für Pflanzenschutzmittel als zu hoch betrachten für den im Vergleich unbedeutend kleinen Schweizer Markt. Dabei geht es vor allem um die relativ hohen Kosten für von den Behörden verlangte Feldversuche und Rückstandsanalysen.

Das hat zur Folge, dass vor allem bei Kulturen wirksame Pflanzenschutzmittel fehlen, die im internationalen Vergleich nicht so häufig angebaut werden (beispielsweise Knollensellerie oder Buschbohnen). Die Gestaltung einer wirkungsvollen Resistenz-Strategie ist durch die sinkende Anzahl an verfügbaren Pflanzenschutzmitteln bedroht.

 

Die Anwendung von intelligenter Technik bildet einen weiteren Schlüssel zur Reduktion der Pestizid-Einsätze auf den Äckern. Moderne Spritzdüsen sind so konstruiert, dass die Flüssigkeit tatsächlich auf dem Zielorganismus landet und nicht mehr auf dem Boden, in Gewässern oder in der Luft. Sensoren identifizieren künftig Unkraut und werden so gezieltere Behandlung ermöglichen.

Mit Kameras ausgerüstete Hackroboter stehen in der Schweiz heute bereits im Einsatz und erlauben sehr genaues Hacken zwischen den Reihen. Bald werden auf Schweizer Äckern völlig autonome Hackroboter unterwegs sein und dort GPS-gesteuert Jätarbeiten übernehmen. Spritz-Drohnen werden künftig insbesondere über den Rebbergen unterwegs sein und mit weniger Spritzmitteln auskommen als bisher. Der Aktionsplan Pflanzenschutzmittel sieht die Förderung von derartigen Technologien vor.

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