3.10.2017 06:37
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Forschung
Pflanzenschutzmittel-Abgabe trifft Biolandbau
Eine Steuer auf Pflanzenschutzmittel würde die Ziele ihrer politischen Befürworter in weiten Teilen konterkarieren. Zu diesem Schluss kommt der Göttinger Agrarökonom Prof. Oliver Musshoff nach einer Analyse der Studie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig zur „Einführung einer Abgabe auf Pflanzenschutzmittel in Deutschland“.

Wie Musshoff bei der Vorstellung seiner Ergebnisse auf dem Handelsforum des Industrieverbandes Agrar (IVA) am vergangene Woche ausführte, bestünde die Konsequenz einer solchen Abgabe in einer Ausweitung des Maisanbaus in Deutschland und einem Erlösrückgang im Biolandbau. Der Forscher begründet die erste dieser Schlussfolgerungen mit dem geringeren Bedarf an Pflanzenschutzmitteln beim Anbau von Silo- und Körnermais.

Diese Kulturen würden infolge dessen begünstigt, Speisekartoffeln, Winterraps oder Winterweizen dagegen benachteiligt. Der Druck auf die Biobauern würde nach den Annahmen des Agrarökonomen dann zunehmen, wenn die Steuer mehr Betriebe als beabsichtigt zum Anlass für die Umstellung nähmen. Das steigende Angebot sorge dann für sinkende Preise. Gleichzeitig müsse der vorgesehene Etat für Bioprämien auf mehr Empfänger verteilt werden. Bereits Anfang des Jahres hatte Musshoff auf methodische Mängel der UFZ-Studie hingewiesen.

Auf Grundlage öffentlich zugänglicher Daten errechnete er nun ausserdem die Auswirkungen einer Pflanzenschutzmittelsteuer für die Branche insgesamt sowie auch für den einzelnen Betrieb und kam dabei zu starken Abweichungen gegenüber den Berechnungen der Helmholtz-Forscher. Diese gingen in ihrem Gutachten von einem jährlichen Steueraufkommen von 1 Mrd. Euro aus. Diese Summe entfällt dem Göttinger Professor zufolge allein auf die Agrarbranche.

Die sektoralen Einkommensverluste gingen jedoch mit 1,8 Mrd Euro deutlich über diese Steuerlast hinaus. Die einzelbetrieblichen Gewinnrückgänge werden sich den Berechnungen Musshoffs zufolge selbst unter günstigen Standortbedingungen auf 36% belaufen. Auf ertragsschwachen Standorten könnte die Rentabilität sogar negativ werden. Dagegen hatten die Leipziger Forscher die Belastungen auf 21% bis maximal 45% des Gewinns geschätzt.

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