28.03.2014 09:21
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Pflanzenschutzmittel
Pflanzenschutz: BLW sammelt Inputs für Aktionsplan
Nächste Woche diskutieren Vertreter von Landwirtschaft, Umweltschutz, Konsumentenschutz und Beratung über Pflanzenschutzmittel. Ihre Positionen werden die Grundlage für einen möglichen Aktionsplan bilden.

Am 4. April veranstalten die Bundesämter für Landwirtschaft (BLW), Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) und Umwelt (Bafu) sowie das Staatssekretariat für Wirtschaft einen Workshop zum Thema «Nachhaltige Anwendung von Pflanzenschutzmitteln und Risikominimierung: wo besteht Handlungsbedarf?».

Die Einladung ging an Konsumentenschutz-, Landwirtschafts- und Umweltorganisationen, an Industrie, Detailhandel, kantonale Behörden sowie Institutionen aus Forschung, Bildung und Beratung. «Wir möchten wissen, wo aus ihrer Sicht bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln bezüglich Schutz des Menschen, Schutz der Umwelt sowie Schutz der Kulturen am dringendsten Handlungsbedarf besteht», nennt Jürg Jordi, Mediensprecher des BLW, die Ausgangslage.  

Abhängig vom Ausland

Marcel Liner von Pro Natura ortet denn auch grossen Handlungsbedarf: «Pestizide machen krank, gefährden unsere Lebensgrundlage, und sie machen die Schweizer Landwirtschaft abhängig von Industrie-Konzernen und vom Ausland.» Bewährte Alternativen wie biologischer Pflanzenschutz, IP und Biolandbau müssten jetzt auf breiter Front gefördert werden, damit die Konsumenten mit gutem Gewissen Schweizer Produkte kaufen könnten.

Die Anliegen der Konsumenten vertritt am Workshop die Allianz der Konsumentenschutz-Organisationen. Josianne Walpen von der Stiftung für Konsumentenschutz SKS sieht die Schweizer Landwirtschaft und das BLW in der Pflicht: «Bei der Zulassung, der Anwendung und nicht zuletzt bei der Kontrolle muss angesetzt werden, damit die Belastung der Gewässer, der Böden und der Lebensmittel zurückgeht. Bleibt die Schweizer Landwirtschaft weiterhin untätig, schadet sie nicht nur der Umwelt, sondern sie setzt auch ihre Glaubwürdigkeit und ihren Ruf aufs Spiel.»

Resistenzmanagement

Untätig bleiben will der Schweizer Bauernverband (SBV) nicht. Laut Mediensprecherin Sandra Helfenstein will er sich vor allem beim Schutz der Kulturen einbringen und dort auf die Bedeutung eines wirkungsvollen Resistenzmanagements hinweisen. «Ein wichtiges Thema für uns ist   die Sensibilisierung aller Anwender, auch jener ausserhalb der Landwirtschaft.»

Mit der Zulassungsbewilligung und der Pflanzenschutzmittelverordnung verfüge man heute über gut funktionierende Instrumente, betont sie: «Die Feststellung des Handlungsbedarfs soll dem Rechnung tragen.»

Gezielter Einsatz

Michel Gygax von der Pflanzenschutzfachstelle des Kantons Bern sieht das ähnlich. Er wird als Vertreter der kantonalen Pflanzenschutzfachstellen am Workshop teilnehmen: «Wir setzen uns ein für eine produzierende Landwirtschaft. Eine solche kann nicht auf  Pflanzenschutzmittel verzichten. Der Einsatz muss aber gezielt erfolgen, und Emissionen müssen minimiert werden.»

Hoffnung setzt Gygax diesbezüglich auf neue technische Lösungen – nicht nur bei der Applikationstechnik: «Die mechanische Unkrautbekämpfung wird dank Kamera- oder Lasersteuerung immer interessanter.»  Verbesserungspotenzial sieht er des Weiteren bei der Reinigung der Feldspritze – diese solle konsequent auf dem Feld erfolgen – und bei der unabhängigen Beratung der Bauern: «Diese darf nicht zurückgefahren werden.»

Postulat Moser

Die Stellungnahmen  am Workshop werden dem BLW laut Jordi  erste Anhaltspunkte für die Erarbeitung eines möglichen Aktionsplans zur Verringerung der Pestizidbelastung liefern. Die Prüfung eines solchen verlangte Tiana Angelina Moser (GLP, ZH) in einem Postulat. «Wann der Aktionsplan erscheinen würde, ist noch nicht bestimmt», sagt deshalb Jordi. «Zuerst muss der Bundesrat entscheiden, ob er überhaupt einen solchen Plan will. Das macht er vermutlich im Mai, wenn er den Bericht zum Postulat Moser behandelt.»

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