1.04.2018 13:13
Quelle: schweizerbauer.ch - David Eppenberger, lid
Dossier Pflanzenschutz (6/11)
Pestizide brauchen Bewilligungen
Pflanzenschutzmittel stehen in der öffentlichen Kritik. Den Landwirten sichern sie seit Jahrzehnten ihre Ernten. Die zentralen Fragen sind: Was sind die Alternativen? Welche Rolle spielen die Abnehmer und die Konsumenten? Was würde der vollständige Verzicht auf den chemischen Pflanzenschutz bedeuten? Im elfteiligen Dossier werden verschiedene Thematiken rund um den Pflanzenschutz aufgegriffen. Im sechsten Teil geht es um den Aktionsplan.

Die Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung (ChemRRV) regelt den Umgang mit Pflanzenschutzmitteln. Sie bestimmt, wer Chemikalien verwenden darf. Im Anhang der ChemRRV sind Verbote oder Einschränkungen bei der Verwendung von Pflanzenschutzmitteln aufgeführt.

Grundsätzlich verboten sind Pflanzenschutzmittel in Naturschutzgebieten, Hecken und Feldgehölzen, im Wald, oberirdischen Gewässern und in Grundwasserzonen.

Herbizide sind auf Dächern und Terrassen, Lagerplätzen, auf und an Strassen und Wegen verboten. Anwender von chemischen Pflanzenschutzmittel müssen eine Fachbewilligung besitzen. Diese wird laut Verordnung (SR 814.812.34) nur erteilt, wenn die entsprechende Fachprüfung bestanden wurde.

Bewilligungsverfahren für Pflanzenschutzmittel

Das Bundesamt für Landwirtschaft ist die Zulassungsstelle für Pflanzenschutzmittel. Es koordiniert das Beurteilungsverfahren und erteilt die Bewilligungen, wenn die Anforderungen erfüllt sind. Jedes Zulassungsgesuch eines Pflanzenschutzmittels wird von vier Bundesämtern beurteilt.

Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) prüft spezifische Fragestellungen im Umweltbereich, das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) untersucht spezifische Gesundheitsaspekte und die toxikologischen Eigenschaften.

Als wichtiger Parameter dient dabei unter anderem der AOEL (Acceptable Operator Exposure Level). Er bezeichnet die maximale Dosis eines Wirkstoffs, die ein Anwender pro Tag aufnehmen darf, damit keine nachweisbaren Schäden auftreten.

Die Beurteilungen der chemischen Eigenschaften des Pflanzenschutzmittels, ihres Verhaltens im Boden, ihrer Wirksamkeit und der ökotoxikologischen Risiken wird vom BLW an die landwirtschaftlichen Forschungsanstalten von Agroscope delegiert. Die Beurteilung der Sicherheit der beruflichen Anwender von Pflanzenschutzmitteln liegt beim Ressort Chemikalien und Arbeit des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO).

 

Die Verordnung über den Schutz vor gefährlichen Stoffen und Zubereitungen (Chemikalienverordnung, ChemV) regelt die Ermittlung und Beurteilung der Gefahren und Risiken für das Leben und die Gesundheit des Menschen sowie für die Umwelt, die von Stoffen und Zubereitungen ausgehen können.

Sie schreibt das Anbringen von Informationen über Gefahren, Risiken und Sicherheitsempfehlungen auf den Verpackungen von Pflanzenschutzmitteln vor, wenn sie eine entsprechende Giftigkeitsstufe erreichen.

Die Verordnung des EDI über die Höchstgehalte für Pestizidrückstände in oder auf Erzeugnissen pflanzlicher und tierischer Herkunft (VPRH) legt die Höchstgehalte für Pestizidrückstände in oder auf Erzeugnissen pflanzlicher und tierischer Herkunft fest. Sie orientiert sich stark an EU-Recht.

Aktionsplan Pflanzenschutzmittel

Der Bundesrat verabschiedete im Jahr 2017 den Aktionsplan Pflanzenschutzmittel. Dieser will die Risiken von Pflanzenschutzmitteln mittelfristig halbieren und deren Einsatz nachhaltiger gestalten. Unter anderem sollen die Einträge in die Gewässer reduziert und Wirkstoffe sparsamer eingesetzt werden, die sich im Boden nur langsam abbauen.

Mit moderneren Spritzgeräten und mechanischer Unkrautbekämpfung soll die Behandlung von Kulturpflanzen gezielter und emissionsärmer werden. Weitere alternative Strategien zum Schutz der Kulturen und ihrer Erträge sollen entwickelt werden. Dazu gehört auch die Züchtung von robusten Kultursorten.

Konsumenten aufklären

Der Plan anerkennt, dass Pflanzenschutzmittel heute immer noch einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der Erträge und zur Qualität der Erntegüter leiste. Die Konsumenten sollen besser über diese Zusammenhänge informiert werden. Beispielsweise auch über die hohen Qualitätsansprüche der Abnehmer.

Mit mehr Toleranz soll hier ebenfalls eine Reduktion von Anwendungen auf dem Feld erreicht werden. Im Aktionsplan sind 8 Leitziele und 12 konkrete Zwischenziele definiert. Um diese Ziele zu erreichen, wurden gut 50 Massnahmen in drei verschiedenen Bereichen ausgearbeitet: Anwendung (grün), spezifische Risiken (orange) und begleitenden Instrumente (blau). Diese Massnahmen werden laufend erweitert und den Bedürfnissen angepasst.

Massnahmen des Aktionsplans 

3 konkrete Massnahmen des Aktionsplans

a) Mechanische Unkrautbekämpfung
Das Vorgehen gegen Unkraut ohne die Hilfe von Herbiziden ist zeitintensiv. Die mechanische maschinelle Unkrautbekämpfung kann ausserdem nur bei guten Bodenverhältnissen durchgeführt werden. Um den Anbau ohne oder nur mit wenigen Herbiziden zu unterstützen, wird er ab 2020 durch Direktzahlungen gefördert.

b) Spritztankreinigung
Nach dem Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln verbleiben immer Reste der Brühe im Tank oder in den Spritzenvorrichtungen. Seit 2017 werden durch Direktzahlungen Reinigungssysteme gefördert, welche auf dem Feld durchführbar sind, wo das Abwasser versickern kann, ohne in die Kanalisation zu gelangen. Es gibt aber noch immer Situationen, in denen die Geräte auf dem Hofplatz gewaschen werden müssen. Und auch da wird der Erwerb von Abwasserbehandlungssystemen finanziell gefördert, die das Wasser reinigen.

c) Abschwemmung
Wenn das Abschwemmungsrisiko von Erde und Wasser aus behandelten Flächen zu gross ist und Gewässerorganismen gefährdet sein können, muss ab 2018 der Pufferstreifen - also der Abstand zum Gewässer - verbreitert werden, so dass das Wasser möglichst vorher versickert und nicht in die Gewässer gelangen kann. Kann das Risiko dadurch nicht ausreichend gesenkt werden, müssen weitere Massnahmen getroffen werden, wie zum Beispiel die Begrünung der Fahrgassen oder zwischen den Reihen.

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