24.05.2014 08:39
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Pflanzenschutzmittel
Nicht zulasten der Produktion
Der Bundesrat lässt einen Aktionsplan Pflanzenschutz erarbeiten. Beratung, Industrie und auch die Kartoffelproduzenten begrüssen das. Sie warnen aber, dass Massnahmen nicht zulasten der Produktion gehen dürften.

Bis Ende 2016 soll ein Aktionsplan zur nachhaltigen Anwendung und zur Risikominimierung beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf dem Tisch liegen. Das hat der Bundesrat am Mittwoch beschlossen. In einem 63-seitigen Bericht hat er die derzeit geltenden Massnahmen unter die Lupe genommen. Das Fazit: Ein Aktionsplan stelle eine Chance dar, die Anstrengungen diesbezüglich zu verstärken und besser zu koordinieren.  

Ernteverluste befürchtet

«Wir begrüssen einen solchen Aktionsplan zur Risikominimierung», betont Andi Distel vom Pflanzenschutzdienst des Kantons Aargau, «allfällige Massnahmen müssen aber mit Augenmass umgesetzt werden.»

Auch Syngenta unterstützt die Ziele des Bundesrates  – sofern sie den Schutz der Kulturen betonen. Norbert Locher von Syngenta: «Die lokale Produktion von Nahrungsmitteln darf nicht eingeschränkt werden.» Pflanzenschutzmittel würden einen erheblichen Beitrag zur Versorgung mit  Lebensmitteln leisten: «Ohne Pflanzenschutz kann der Ernteverlust 20  bis 40 Prozent betragen, in gewissen Kulturen droht sogar ein Totalverlust.

Konsumenten müssen Qualitätsansprüche anpassen

Diese Meinung teilt Ruedi Fischer, Präsident der Vereinigung Schweizerischer Kartoffelproduzenten. Auch er ist nicht gegen einen Aktionsplan: «Die Auswirkungen der Pflanzenschutzmittel auf die Umwelt müssen so weit als möglich minimiert werden.» Eine marktkonforme Kartoffelproduktion müsse aber möglich bleiben: «Die Anforderungen an die Knollenqualität steigen stetig, zugleich müssen wir beim Pflanzenschutz immer mehr Einschränkungen in Kauf nehmen. Das führt zu einem Zielkonflikt.» Kartoffeln seien Produkte, die mit dem Auge gekauft würden, betont Fischer: «Wenn sie nicht schön sind, lassen die Konsumenten sie liegen.»

Auch für Norbert Locher von Syngenta stellt sich die Frage, wie weit die Konsumenten bereit sind, ihre Einkaufsgewohnheiten und ihre Qualitätsansprüche anzupassen und die Folgen eines Aktionsplanes mitzutragen. Man müsse sich grundsätzlich überlegen, ob man den heutigen Selbstversorgungsgrad von rund 55 Prozent halten wolle: «Dann kann auf moderne Pflanzenschutzmittel nicht verzichtet werden. Die Folge wäre eine weitere Verlagerung der Produktion ins Ausland. Dies wäre aber auch ökologisch und gesellschaftspolitisch fragwürdig.»

 

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