25.03.2020 10:42
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/blu
Schädlinge
Mittel gegen Stinkkäfer bewilligt
Die aus Asien eingeschleppte Marmorierte Baumwanze setzt dem Obst- und Gemüsebau zu und macht immer grössere Teile der Ernte zunichte. Nun bewilligt der Bund temporär verschiedene Pflanzenschutzmittel, die gegen den sogenannten Stinkkäfer eingesetzt werden können.

Es handelt sich um eine Notfallzulassung des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW). Pflanzenschutzmittel, die bisher nicht für den Einsatz gegen die Baumwanze, sondern nur gegen andere Schädlinge zugelassen waren, werden nun explizit für die Bekämpfung des Stinkkäfers zugelassen. Die entsprechende Verfügung wurde im aktuellen Bundesblatt veröffentlicht.

Eine chemische Bekämpfung des Schädlings mit Namen Halyomorpha halys war bisher nicht möglich. Seit die Marmorierte Baumwanze 2004 in die Schweiz eingeschleppt worden war, breitete sie sich deshalb weitgehend ungehindert aus.

Unklare Wirkung

«Die Pflanzenschutzmittelverordnung erlaubt sogenannte Notzulassungen, wenn der Schadorganismus nicht anders bekämpft werden kann», schreibt das BLW auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. In laufenden Jahr seien bisher sieben Notzulassungen verordnet worden. Die Produkte müssten gemäss verschiedenen Auflagen angewendet werden.

Ob die temporär zugelassenen Pflanzenschutzmittel wirklich gegen den Stinkkäfer wirken, ist unbekannt. Dazu stünden derzeit keine Angaben zur Verfügung, schreibt der Bund. Die Mittel hätten aber gegen ähnliche Schadorganismen, zum Beispiel andere Wanzen, gewirkt.

Problem erkannt

Der Bund kommt mit seinen Massnahmen dem Schweizer Obstverband entgegen, der im vergangenen Dezember «wirksame Mittel gegen den Schädling» forderte. Der Branchenverband schätzt die Schäden durch die Marmorierte Baumwanze für 2019 auf deutlich über drei Millionen Franken.

Die Marmorierte Baumwanze befällt über 200 verschiedene Wirtspflanzen. Einstiche in Früchte oder Gemüse führen zu Deformationen und bitteren Stellen, sodass sie sich nicht mehr für den Verkauf eignen. Oft ist auch eine weitere Verarbeitung nicht möglich.

Der Bundesrat sieht weiteren Handlungsbedarf. Er beantragt die Annahme einer Motion von Nationalrat Philipp Kutter (CVP/ZH), welche Politiker aus allen Fraktionen mitunterzeichnet haben. Konkret fordert der Vorstoss den deutlichen Ausbau der Forschung und Beratung im Kampf gegen die Marmorierte Baumwanze.

Schäden in einem Jahr verdoppelt

Die Schäden durch die Wanze werden immer grösser. Sie haben sich im Vergleich zu 2018 verdoppelt. Bereits gibt es Ernteausfälle von bis zu 20 Prozent. «Das Ausmass der Schäden erfordert schnelle Lösungen, um die einheimische Obstproduktion zu unterstützen. Besonders betroffen sind die Birnenkulturen angrenzend zu Häusern, Scheunen oder zu Siedlungsgebieten», teilte der Obstverband im vergangenen Herbst mit.

Der Verband spricht von einem nationalen Problem. Dies wird bestätigt. «Die Wanze hat sich in den vergangenen Jahren über die ganze Schweiz ausgebreitet», sagte Markus Hunkeler, zuständig für Spezialkulturen und Pflanzenschutz in den Kantonen Luzern und Zug. Betroffen seien vor allem Anlagen angrenzend an urbane Gebiete. Besonders betroffen sind die Birnenkulturen angrenzend zu Häusern, Scheunen oder zu Siedlungsgebieten.

Die marmorierte Baumwanze ist für den Obst- sowie den Gemüsebau gefährlich. Im Obstbau befällt sie Pfirsiche, Nektarinen und Birnen. Die Wanzen saugen an den Früchten, die mehr oder weniger starke Deformationen ausprägen. Obwohl Einstiche kurz vor der Ernte nicht mehr zu wahrnehmbaren Dellen an den Früchten führen, sind sie ein grosses Problem, weil sie als Eintrittspforte für Krankheitserreger dienen und die Früchte in der Folge am Lager zu faulen beginnen.

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