18.06.2017 13:16
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sda
Pflanzenschutzmittel
«Kein Pestizid bei Trinkwasserfassung»
Die Schweizer Wasserversorger schlagen laut der «NZZ am Sonntag» Alarm. An jeder fünften Trinkwassererfassung würden mittlerweile zu hohe Pestizid-Konzentrationen gemessen, schreiben sie in einem neuen Positionspapier, das der Zeitung vorliegt.

«Die festgestellte Trendentwicklung ist besorgniserregend.» Laut Martin Sager, dem Direktor des Vereins des Gas- und Wasserfaches, sei es unbedingt zu vermeiden, dass immer mehr sowie neue Schadstoffe ins Wasser gelangten. Man werde sonst künftig kaum mehr naturnahes Trinkwasser zu einem günstigen Preis anbieten können. Als Gegenmassnahme fordern die Fachleute gezielte Verbote von Pestiziden.

«Organische Pestizide, deren Abbauprodukte und andere Spurenstoffe können in der Schweiz in vielen Messstellen und auch in gewissen Trinkwasserfassungen nachgewiesen werden», warnt der Fachverband der Wasserversorger gegenüber der "NZZ am Sonntag". An jeder fünften Messstelle von Trinkwasserfassungen würden Pestizide oder deren Abbauprodukte in einer Konzentration gemessen, die über dem Toleranzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter liegen. In Gebieten mit intensiver Landwirtschaft wird dieser Wert sogar bei 70 Prozent der Messstellen überschritten.

Der Verband will strengere Regeln bei Schutzzonen. In den Schutzzonen unmittelbar um die Trinkwasserfassungen soll die Verwendung von Pestiziden ganz verboten werden. Die Wasserversorger fordern einen konsequenteren Vollzug der geltenden Vorschriften. Nur 60 Prozent der Grundwasserzonen sind effektiv als Schutzzonen ausgeschieden, so die Versorger. "Und auch bei diesen lasse das Schutzniveau häufig zu wünschen übrig, sei es wegen naher Strassen, Industrie oder Landwirtschaft", führen sie aus.

Die Initiativen «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» sowie «Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung» unterstützen die Wasserversorger hingegen nicht. Sie erachten solche Lösungen als zu pauschal und politisch nicht mehrheitsfähig. Die Waserversorger wollen, dass die verlangten Verbesserungen wirksam und verbindlich im Aktionsplan Pflanzenschutzmittel beschlossen werden. In der Agrarpolitik 2022 sollen die Direktzahlungen noch stärker auf ökologische Kriterien ausgerichtet werden. «Wir erwarten, dass die Bauern mit weniger oder ohne Pestizideinsatz im Einflussbereich der Trinkwasserfassungen auskommen», sagt Sager der "NZZ am Sonntag".

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