30.01.2020 10:27
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Pflanzenschutzmittel
Kein einziger neuer Wirkstoff
Einige Pflanzenschutzmittel wie Chlorothalonil haben 2019 ihre Zulassung verloren. Weitere dürften aufgrund der gezielten Überprüfung folgen. Und für die Saison 2020 wurde kein einziger neuer Wirkstoff bewilligt.

Zwar ruht im Feldbau der Pflanzenschutz, im Pflanzenschutzmittellager hingegen machen sich viele Landwirte Sorgen um die Zukunft. Welche Mittel dürfen eingesetzt werden, welche – Beispiel Chlorothalonil – haben die Zulassung verloren, und welche befinden sich zurzeit in der gezielten Überprüfung. Diese  ist ein Verfahren  zur sukzessiven Neuüberprüfung der Pflanzenschutzmittel. 

Braucht Umdenken

Von 2011 bis 2018 wurden insgesamt 88 von rund 330 Wirkstoffen und 814 von rund 1150 Pflanzenschutzmitteln überprüft. Von den 88 Wirkstoffen wurden insgesamt 83 Wirkstoffe angepasst – in der Regel gab es strengere Anwendungseinschränkungen. Von den 814 Mitteln wurden 533 angepasst sowie 13 zurückgezogen.

Der eigenständige Pflanzenbauberater Andreas Bürki ist sich sicher, dass es im Pflanzenbau ein grösseres Umdenken braucht: «Der Pflanzenschutz wird schwierig bis unmöglich. In der Gerste werden wir PLS-Blattflecken und Ramularia ohne Bravo 500 (Chlorothalonil) nicht mehr kontrollieren können. Im Ertrag macht das 5 bis 10 Prozent Verlust. Dazu kommen die Mehrkosten für teurere Mittel – sofern solche vorhanden sind.»

Da es immer weniger Wirkstoffe gebe, werde das Resistenzmanagement zunehmend zum Problem. Beim Raps sei ohne Chlorpyriphos – das Bundesamt für Landwirtschaft hat dem Wirkstoff im Sommer die Zulassung entzogen  – nicht mehr viel möglich, so Bürki. 

Gefahr von Resistenzen

«Die Hürden, um ein neues Mittel in der Schweiz zu bewilligen, werden immer höher», bestätigt Markus Hochstrasser von der Fachstelle Pflanzenschutz des Kantons Zürich. «Umso schwieriger und umso teurer wird es, einen Wirkstoff bewilligen zu lassen.» Viele Wirkstoffe würden wegfallen, keine neuen nachkommen, so Hochstrasser. «Wenn wir mit weniger Wirkstoffen auskommen müssen, fördert dies die Gefahr der Bildung von Resistenzen massiv. Und für 2020 wurde kein einziger neuer Wirkstoff bewilligt.»

Hochstrasser rät, das Pflanzenschutzmittellager mit einem Berater nach nicht mehr erlaubten Produkten zu durchsuchen: «Auf der Homepage des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW) hat es zudem Listen von Mitteln mit Aufbrauchfristen. Und es hilft der Blick auf die Etikette. Alte Mittel mit rotem Giftklasse-Band oder solche  mit orangen Gefahrensymbolen müssen der Verkaufsstelle zurückgegeben werden.»

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