31.03.2018 09:36
Quelle: schweizerbauer.ch - David Eppenberger, lid
Dossier Pflanzenschutz (3/11)
Kampf gegen die Insekten
Pflanzenschutzmittel stehen in der öffentlichen Kritik. Den Landwirten sichern sie seit Jahrzehnten ihre Ernten. Die zentralen Fragen sind: Was sind die Alternativen? Welche Rolle spielen die Abnehmer und die Konsumenten? Was würde der vollständige Verzicht auf den chemischen Pflanzenschutz bedeuten? Im elfteiligen Dossier werden verschiedene Thematiken rund um den Pflanzenschutz aufgegriffen. Im dritten Teil geht es um die Definition und um Insektizide.

Pflanzenschutzmittel sind chemische oder biologische Wirkstoffe, die Pflanzen oder Ernteprodukte vor dem Befall von Schadorganismen schützen. Sie vernichten unerwünschte Pflanzen oder hemmen ihr Wachstum und sie beeinflussen oder verändern Wachstumsvorgänge von Pflanzen beispielsweise mit Wachstumsregulatoren.

Pflanzenschutzmittel können vorbeugend oder erst bei Befall eingesetzt werden. Pflanzenschutz ist ein Sammelbegriff für viele Massnahmen, die zu gesunden Pflanzen mit ansprechender Qualität und guten Erträgen führen. Im weiteren Sinne werden sämtliche Pflanzenschutzmittel sowie die Mittel zur Schädlingsbekämpfung auch als Pestizide bezeichnet.

Frass-, Kontakt- und Atemgifte im Einsatz

Weltweit haben es Tausende von Schädlingen auf unsere Nutzpflanzen und deren Früchte abgesehen. Bekämpft werden sie mit einer Vielzahl von Insektiziden. Aufgrund ihrer Wirkungsweise lassen sie sich in Frass-, Kontakt-, und Atemgifte einteilen.

Frassgifte gelangen über die Nahrung ins Insekt. Kontaktgifte werden mit der Spritzbrühe verabreicht, die Insekten nehmen es über einzelne Körperteile auf. Bei den gasförmigen Atemgiften erfolgt die Aufnahme über die Atmung.

Oberflächen- oder Tiefenwirkung vorhanden

Weiter wird unterschieden zwischen Insektiziden mit Oberflächen- oder Tiefenwirkung. Im ersten Fall bleibt der Wirkstoff auf der Pflanzenoberfläche haften und dringt nicht ins Gewebe ein, was typisch für viele Insektizide auf pflanzlicher Basis ist.

Insektizide mit Tiefenwirkung dringen ins Gewebe ein, werden aber nicht weitertransportiert, wie bei den systemisch wirkenden Präparaten. Diese verbreiten sich über die Leitgefässe in der ganzen Pflanze und werden für alle Schädlinge zur Falle, die sich an der Pflanze gütlich tun.

Nervengifte häufig verwendet

Am häufigsten werden synthetisch hergestellte organische Insektizide verwendet. Die Palette an heute zugelassenen synthetischen Insektiziden ist viel breiter als früher und reicht von sehr selektiv bis zu sehr breit wirkenden Hilfsmitteln.Die zurzeit umsatzstärkste Gruppe von Insektiziden bilden die Neonicotinoide (siehe Textbox).

Dabei handelt es sich um Nervengifte, die systemisch wirken und vor allem gegen saugende Schädlinge wie Blattläuse oder Weisse Fliegen eingesetzt werden. Zu den natürlichen Insektiziden zählen das in Chrysanthemenarten enthaltene Pyrethrum oder das Neem-Extrakt aus dem Neembaum. Solche alternativen Wirkstoffe sind auch im Biolandbau zur Schädlingsbekämpfung zugelassen.

 

Streitpunkt Neonicotinoide

Im Zusammenhang mit dem in den letzten Jahren weltweit beobachteten Bienensterben sind Wirkstoffe der Gruppe der sogenannten Neonicotinoide als mögliche Ursache bezeichnet worden.

Nach Bekanntwerden neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse über subletale Auswirkungen der Wirkstoffe auf Bienen schränkte die EU-Kommission im Jahr 2013 die Verwendung der neonicotinoiden Wirkstoffe Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam in Pflanzenschutzmitteln ein.

Als Folge hat auch das Bundesamt für Landwirtschaft in der Schweiz die Bewilligung für die drei Insektizide zur Behandlung von Raps- und Maisfeldern auf unbestimmte Zeit ausgesetzt.

Währendem Umweltschutzkreise diese Massnahme begrüssen, warnen landwirtschaftliche Kreise vor gravierenden Folgen: So seien heute keine vergleichbaren Substanzen in Mais- und Rapskulturen zugelassen.

Die schlechter wirkenden Alternativmittel müssten höher dosiert verabreicht und zudem gespritzt werden. Zudem gefährdeten sie das beim Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln nötige Resistenz-Management zur Bewahrung der Wirksamkeit der Hilfsmittel, so die Argumente.

Die Neonicotinoide  wirken systemisch und sehr spezifisch gegen Insekten, und gelten deshalb als wenig problematisch für Säugetiere und Vögel. In der Schweiz waren diese Wirkstoffe bis 2013 als Saatbeizmittel bewilligt.

Diese haben den Vorteil, dass der Schutz der Pflanze von Anfang gewährleistet ist. Spätere Spritzungen sind nicht mehr nötig, weshalb die Wirkstoffmenge pro Hektar um einiges geringer ist als mit einer herkömmlichen Spritzapplikation.

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