20.10.2019 11:45
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sda
Aargau
Illegaler Stoff: Bienensterben im Aargau
Ein mit einer illegalen Substanz verunreinigtes Spritzmittel aus der Landi hat Hunderttausende Bienen in der Schweiz getötet. Ein Aargauer Imker hatte kürzlich der Polizei gemeldet, dass seine 24 Bienenvölker, rund 600'000 Bienen, auf mysteriöse Weise innert Tagen gestorben seien, berichtet die «SonntagsZeitung».

Eine Untersuchung der Bundesbehörden ergab, dass die Bienen mit dem in der Schweiz und der EU verbotenen Insektenmittel Fipronil vergiftet wurden. Die Substanz befand sich als unerkennbare Beimischung in dem legalen und eigentlich unproblematischen Insektizid Pirimicarb, das Fenaco in ihren Agrar-Zentren verkauft.

2000 Packungen

Ein ahnungsloser Landwirt hatte es gemäss «SonntagsZeitung» in einem Landi-Agrarcenter gekauft und auf seinen Äckern zur Bekämpfung von Blattläusen eingesetzt. Dass er damit ein Bienensterben in seiner Nachbarschaft auslöst, konnte er nicht ahnen.

Die Behörden gehen davon aus, dass schweizweit viel mehr von den kontaminierten Spritzmittel im Umlauf ist. Das Zürcher Kantonslabor geht von insgesamt 2000 Packungen aus. Diese Menge reicht zum Spritzen von 3300 Hektaren aus, schreibt die Zeitung. Das entspricht der Fläche von 180 Bauernhöfen oder 4700 Fussballfeldern. Das Bundesamt für Landwirtschaft ordnete deswegen eine dringliche Rückrufaktion an.

Wie viel von dem verseuchten Mittel bereits auf Gemüsekulturen oder Obstplantagen landete, wissen weder das BLW, das kantonale Landwirtschaftsamt oder die Fenaco.

Briefkastenfirma ohne Mitarbeiter

Die Aufklärung dürfte schwierig werden. Das verseuchte Spritzmittel wurde von einer kaum bekannten indischen Chemiefirma Sharda Cropchem hergestellt. Die Bewilligungsinhaberin für den Verkauf in der Schweiz ist eine reine Briefkastenfirma ohne Mitarbeiter, wie die Zeitung schreibt. Die Adresse lautet auf eine Zürcher Treuhandfirma. Die Bewilligung hatte das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) erteilt.

Für die Rückrufaktion fühlt sich praktisch niemand verantwortlich. Die Landi als Wiederverkäuferin nimmt die Erstvertreiberin in die Pflicht. Doch das ist eine Briefkastenfirma. Die SonntagsZeitung findet es sonderbar, dass das BLW weder den Fall noch den Rückruf einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machte.

Die Geschäftsführerin des Bienengesundheitsdienstes, Anja Ebener, fordert von den Kantonen bessere Kontrollen. Sie geht davon aus, dass in der Schweiz weit mehr Völker betroffen sind. Laut den Zürcher Chemiebehörden wird nun ein Strafverfahren eröffnet.

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