30.04.2017 13:03
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
EU
Glyphosat: Entscheidung steht aus
Die Entscheidung über die weitere Zulassung des Pflanzenschutzmittelwirkstoffs Glyphosat steht weiterhin aus. Wie ein Sprecher der Europäischen Kommission gegenüber Agra-Europe erläuterte, stand das Thema beim Treffen der Kommissare, dem sogenannten Kommissarskollegium, am vergangenen Mittwoch nicht auf der Tagesordnung.

Aufgrund eines zu engen Zeitplans habe dieser Punkt nicht in die Agenda aufgenommen werden können, so der Sprecher. Vorab war zumindest eine Diskussion über die Zulassung des Herbizidwirkstoffs zwischen den Kommissaren erwartet worden. Der Sprecher sagte weiter, ist zum jetzigen Zeitpunkt auch noch nicht klar, wann das Thema auf die Tagesordnung der Kommission gesetzt werden soll.

Agrarkommisar will Verlängerung um 15 Jahre

Zuvor hatte sich EU-Agrarkommissar Phil Hogan eindeutig für eine Wiederzulassung des Pflanzenschutzmittelwirkstoffs Glyphosat ausgesprochen. Aufgrund wissenschaftlicher Einschätzungen sollte die Verwendung von Glyphosat in der Landwirtschaft oder im privaten Gartenbau nicht eingeschränkt werden, sondern weiter erlaubt bleiben, erklärte der Ire am Rande eines Treffens mit irischen Bauernvertretern. Dabei legten Äusserungen des Agrarkommissars zudem nahe, dass er für eine Verlängerung um 15 Jahre plädiert.

Der agrarpolitische Sprecher der Grünen im Europaparlament, Martin Häusling, kritisierte die Haltung des Agrarkommissars. Noch immer seien sich wissenschaftlichen Institutionen nicht darüber einig, ob Glyphosat krebserregend sei oder nicht. Zudem laufe in den USA noch ein Gerichtsverfahren, in dem Monsanto eine direkte Einflussnahme auf externe Studien und die wissenschaftlichen Entscheidungsprozesse der Zulassungsbehörde vorgeworfen werde, gab der Grünen-Politiker zu bedenken.

Zulassung läuft Ende 2017 aus

Die EU-Ausschüsse der Bauernverbände (COPA) und ländlichen Genossenschaften (COGECA) wandten sich unterdessen auch an EU-Kommissionspräsident Jean Claude Juncker. In einem Schreiben, das Agra.Europe vorliegt, forderten sie den Luxemburger auf, für eine Neuzulassung des Pflanzenschutzmittelwirkstoffs Glyphosat einzutreten. Zudem appellierten COPA-Präsident Martin Merrild und COGECA-Präsident Thomas Magnusson, eine rein auf wissenschaftlicher Bewertung basierte Entscheidung zu treffen.

Eine Entscheidung zu Glyphosat muss bis spätestens Ende 2017 getroffen werden. Dann läuft die derzeit geltende Zulassung aus. Die Kommission hatte die Zulassung des Wirkstoffs für den EU-Markt um 18 Monate bis Ende 2017 verlängert, nachdem die 28 EU-Mitgliedsländer in den zuständigen EU-Ausschüssen zu keiner qualifizierten Mehrheit für oder gegen die Neuzulassung des Herbizidwirkstoffs gekommen waren. Der Ausschuss für Risikobeurteilung (RAC) der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) hatte Mitte März dieses Jahres die Einstufung des Herbizidwirkstoffs Glyphosat als nicht krebserregend bestätigt.

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