6.12.2019 19:50
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Pflanzenschutzmittel
EU verbietet strittiges Insektizid
Wegen Gesundheitsrisiken wird ein intensiv genutztes Insektizid ab Ende Januar in der EU verboten. Die EU-Staaten billigten am Freitag den Vorschlag, das Mittel Chlorpyrifos nicht mehr zuzulassen. Es soll Schädlinge in der Landwirtschaft bekämpfen, steht jedoch im Verdacht, Erbgut und Nerven bei Kindern zu schädigen.

Verboten wird auch die Variante Chlorpyrifos-methyl, wie die EU-Kommission bestätigte.

Übergangsfrist von 3 Monaten

Hintergrund sind Bewertungen der EU-Lebensmittelbehörde Efsa, die mögliche Risiken für die menschliche Gesundheit bestätigt hatte. Die EU-Kommission hatte deshalb vorgeschlagen, die Ende Januar auslaufende Zulassung nicht zu erneuern. Gesundheits- und Umweltaktivisten begrüssten das Verbot. Das sei ein «Sieg für künftige Generationen», erklärte das Netzwerk Heal und das Pesticide Action Network Europe.

Sobald die Entscheidung vom Freitag im Januar formalisiert ist, sind alle EU-Staaten verpflichtet, die Zulassung für die beiden Chemikalien zurückzuziehen. Danach können sie noch eine Übergangsfrist für Gebrauch, Lagerung oder Entsorgung von maximal drei Monaten gewähren.

Auch in der Schweiz in der Kritik

Auch in der Schweiz stehen die Wirkstoffe Chlorpyrifos und Chlorpyrifos-methyl am Pranger. Das Bundesamt Bundesamt für Landwirtschaft widerrief bereits Ende Mai alle zwölf Bewilligungen für Pestizide mit den beiden Wirkstoffen. Damals musste neun dieser Pestizide unverzüglich vom Markt genommen werden, drei weitere dürfen noch während zwölf Monaten verkauft werden.

Landwirte dürfen zudem vorhandene Lagerbestände noch während zwölf Monaten aufbrauchen. Insgesamt waren vom Rückzug 26 Produkte betroffen. Der Entscheid ist allerdings noch nicht rechtskräftig, denn acht Hersteller und Händler wehrten sich vor dem Bundesverwaltungsgericht gegen das Verbot. Drei weitere lehnen das Verbot rundweg ab. Laut einer Mitteilung von Greenpeace Schweiz und WWF Schweiz vom Freitag handelt es sich bei diesen dreien um Dow AgroSciences, Syngenta und Sintrago.


Giftig für Mensch und Umwelt

Chlorpyrifos und Clorpyrifos-Methyl wurden ab den 1960er-Jahren in die Schweiz eingeführt. Sie gehören zu den am häufigsten eingesetzten landwirtschaftlichen Pestiziden und werden unter anderem zum Besprühen von Kartoffeln, Gemüse, Beeren und von Trauben verwendet.

Laut Greenpeace Schweiz und WWF Schweiz haben Chlorpyrifos und Chlorpyrifos-methyl eine ähnliche Struktur wie gewisse chemische Kampfstoffe. Sie seien äusserst giftig für Vögel, Säugetiere, Fische, Amphibien, Insekten und namentlich auch alle Arten von Bienen und Hummeln. Die Wirkstoffe töteten zudem das Leben im Boden und schädigten die eigene Ernährungsgrundlage.

Die Stoffe seien auch gefährlich für den Menschen. Wissenschaftler hätten nachgewiesen, dass der Wirkstoff während einer Schwangerschaft zu Hirnschäden beim ungeborenen Kind führen könne.

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