10.08.2020 08:43
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Frankreich
Ertragsausfall: Paris will Notzulassung
Frankreich will für das kommende Jahr den Einsatz von mit Neonikotinoiden gebeiztem Zuckerrübensaatgut ermöglichen.

Wie das Agrarministerium am vergangene Woche mitteilte, wird die Regierung im Herbst eine entsprechende Gesetzesänderung auf den Weg bringen, um eine Notfallzulassung nach europäischem Recht nutzen zu können.

Ressortchef Julien Denormandie sprach mit Blick auf die drohenden Ertragsausfälle im Zuckerrübenanbau von einer „beispiellosen Krise“. Zum Schutz der Rübenkulturen vor Blattläusen und Vergilbungsviren gebe es derzeit keineAlternative zu den neonikotinoiden Wirkstoffen. In Frankreich besteht bereits seit dem 1. September 2018 ein Anwendungsverbot für alle in der Europäischen Union zugelassenen Neonikotinoide.

In diesem Jahr drohen den Rübenproduzenten durch einen starken Blattlausbefall und die daraus resultierende Ausbreitung von Vergilbungsviren hohe Ertragseinbussen. Der Erzeugerverband (CGB) bezifferte den zu erwartenden Gesamtverlust zuletzt auf mindestens 100 Mio. Euro (107 Mio. Fr.). Die Regierung befürchtet nun, dass die Landwirte ohne Unterstützung den Rübenanbau im kommenden Jahr massiv einschränken werden.

Der CGB begrüsste die Ankündigung des Landwirtschaftsministeriums erwartungsgemäss. Verbandspräsident Franck Sander erklärte, den Landwirten müssten Garantien gegeben werden, um einen Zusammenbruch der Industrie zu verhindern. Auch Frankreichs führender Zuckererzeuger Tereos sieht die kommende Rübenkampagne nun gesichert. Der kleinere Landwirtschaftsverband Coordination Rurale (CR) begrüsste die angekündigte Ausnahmegenehmigung ebenfalls. Das Dogma der Ökologie sei an die Wand der Realität geprallt, so der CR.

Die deutschen Rübenbauern forderten derweil gleiche Wettbewerbsbedingungen. Laut dem Vorsitzenden der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker (WVZ), Hans-Jörg Gebhard, zeigt die Entscheidung des Pariser Agrarressorts, in welcher Sackgasse sich die Rübenbauern aktuell befinden. Sollte die Notfallzulassung in Frankreich kommen, würden die ohnehin schon massiven Wettbewerbsverzerrungen innerhalb der EU zu Lasten der deutschen Landwirte weiter verschärft. „Das Bundeslandwirtschaftsministerium darf dieser Entwicklung nicht tatenlos zuschauen“, forderte Gebhard.

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