10.10.2017 12:42
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Gemüsebau
«Ein wirksames Mittel fehlt»
Gemüseproduzent Reto Minder kann heuer wenig Rosenkohl ernten. Schuld sind Schäden durch die Weisse Fliege. Es stehen zwar Insektizide zur Verfügung, doch diese wirken laut Minder bei Hitze nur ungenügend.

Reto Minder ist Gemüseproduzent in Jeuss bei Murten FR und im Vorstand der Seeländer Rosenkohlproduzenten. Er selber hat dieses Jahr 7ha Rosenkohl angebaut, im Seeland wachsen 50 bis 60ha. Dieses Jahr allerdings fällt die Ernte mager aus. Schuld ist die Kohlmottenschildlaus, auch Weisse Fliege genannt. «Der Rosenkohl ist nur die Spitze des Eisbergs», betont Minder. «Die Weisse Fliege befällt auch Kabis, Blumenkohl oder Broccoli.»

Lage spitzt sich zu

Bis 2016 konnten die Gemüsebauern im Rosenkohl das Produkt Methomyl einsetzen. Doch seine Aufbrauchsfrist lief ab. Minder hat die Folgen drastisch zu spüren bekommen: «Methomyl kann man auch bei höheren Temperaturen einsetzen, damit kann die Kohlmottenschildlaus auch in heissen Sommern effizient bekämpft werden.» Es seien zwar noch andere Wirkstoffe bewilligt, aber diese seien nur beschränkt einsetzbar: «Pyrethroide verpuffen, wenn es zu warm ist. Ein wirksames Mittel fehlt.»

Die Situation wiederhole sich, warnt Minder: «Wirkstoffe verschwinden, ohne dass Alternativen geboten werden. Das passiert Jahr für Jahr, die Lage spitzt sich zu.» Die Folge: Fehlende Mengen werden durch Importe ersetzt. Laut der Landi Kerzers FR wurde in den letzten beiden Wochen Rosenkohl aus Holland und Deutschland importiert. Auch die Migros verkauft Rosenkohl aus den Niederlanden. 

Rosenkohlflächen vernichtet

Die Rosenkohlproduzenten haben sich mit Vertretern des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW) getroffen: «Es kann so nicht weitergehen. Wir mussten Rosenkohlflächen vernichten, weil wir die Weisse Fliege nicht bekämpfen konnten – das geht ins Geld. Eine Hektare verursacht Kosten von 20'000 Franken, bevor geerntet werden kann.»   

BLW: Schwierige Lage bekannt

Olivier Félix vom BLW bestätigt: «Methomyl ist seit dem letzten Jahr in Rosenkohl nicht mehr zugelassen. Die Firma hat kein Erneuerungsgesuch für diese Kultur beantragt.» Es sei anzunehmen, dass die Anforderungen für eine Zulassung aufgrund der Risiken für Nichtzielorganismen nicht mehr erfüllt waren. «Die schwierige Situation der Produzenten im Seeland ist uns bekannt», betont er. «Das BLW hat reagiert und mehr Behandlungen mit Movento SC und Biscaya bewilligt.»

Dass mit dem Aktionsplan Pflanzenschutz in den Spezialkulturen laufend Mittel wegfallen würden, bestreitet Félix: «Es geht hier um den Vollzug von rechtlichen Bestimmungen. Im Rahmen des Aktionsplans ist die aktive Suche nach Alternativen für sogenannte ‹minor uses› sogar explizit vorgesehen.»

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