1.11.2017 09:45
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Pflanzenschutzmittel
Der Bio-Landbau hätte ein Problem
Die Trinkwasser-Initiative zielt nicht nur auf synthetische Pestizide, sondern auch auf giftige Stoffe, die im Bio-Landbau eingesetzt werden. Gäbe es bei deren Einsatz keine Gelder mehr, wäre dies für den Schweizer Bio-Landbau gravierend.

Grosse Sympathien hege er als Biobauer für die Volksinitiative «Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung», derzufolge es Geld nur «noch noch für Betriebe geben soll, die auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel verzichten».

Eine Schweiz ohne synthetische Pestizide entspreche dem Leitbild von Bio Suisse, schrieb deren Präsident Urs Brändli in einem Standpunkt in der «Bauernzeitung». Wenn die Initiative  den Fokus nicht nur auf die Produktion (das heisst, die Landwirtschaft), sondern auch auf den Konsum legen würde (das heisst, die Nachfrage nach Bio-Produkten mit staatlichen Anreizen ankurbeln würde), könnten die Initiativen mit seiner vollen Unterstützung rechnen, betonte Brändli.

Initiative zielt auch auf Bio

Für Brändli scheint klar: Die Trinkwasser-Initiative zielt auf die konventionell wirtschaftenden Bauern, denn sie spricht nur chemisch-synthetische Pestizide an, die im Bio-Landbau verboten sind. Doch für Mitinitiantin Franziska Herren gilt: Giftig ist giftig. Für sie spielt es keine Rolle, ob ein Wirkstoff in einem synthetischen Verfahren erzeugt worden ist, oder ob ein Wirkstoff in der Natur vorkommt wie Pyrethrin, das aus Chrysanthemen gewonnen wird.

So heisst es denn im Initiativtext, dass für den Bezug von Direktzahlungen eine «pestizidfreie Produktion» verlangt wird, von einer Einschränkung auf chemisch-synthetische Pestizide ist nicht die Rede. Herren orientiert sich am Pestizid-Begriff von Vision Landwirtschaft, die unter der Leitung des Agrarökologen und Bio-Bauern Andreas Bosshard im Mai 2016 schrieb: «Pestizide können synthetischen oder natürlichen Ursprungs (z.B. Pyrethrum, Kupfer) sein.» Vergangene Woche schickte Franziska Herren dem «Schweizer Bauer» eine vorläufige Liste von Bio-Hilfsstoffen, die aus ihrer Sicht Pestizide sind (vgl. Tabelle).

«Stellt Bio vor Probleme»

Was sagt Bio Suisse? «Wenn die Initiative zu einem Verbot von bestimmten Bio-Hilfsstoffen führen würde, stellt dies Bio-Betriebe vor Probleme, insbesondere im Obst-, Wein-, Gemüse- und Ackerbau», bestätigt Urs Brändli, Präsident von Bio Suisse, auf Anfrage. Dies sei aber wohl kaum im Sinn der Initianten, welche auf ihrer Homepage verlangten, dass «Bio wieder Standard werden» müsse. «Der in der Initiative verwendete Begriff Pestizid ist im Schweizer Recht noch nicht definiert, weshalb die Auswirkungen der Initiative noch nicht abgeschätzt werden können», relativiert Urs Brändli.

Die Debatte darüber habe eben erst begonnen. Die Entscheidung darüber fälle letztlich das Parlament. «Der Gesetzgeber macht bereits heute einen Unterschied bei den Pflanzenschutzmitteln. Er führt eine eigene Bio-Hilfsstoffliste mit äusserst strengen Vorschriften», sagt Brändli. Sie führten unter anderem dazu, dass in Fliessgewässern keine Bio-Mittel nachgewiesen wurden. Bio Suisse strebt an, dass im Fall einer Annahme der Initiative die Mittel der Bio-Hilfsstoffliste nicht unter den Begriff Pestizide fielen.

Futter nur noch vom Hof

Ein anderes Problem für die Knospe-Bauern, falls der Initiative in Kraft träte: Sie schreibt vor, dass  Tiere nur noch betriebseigenes Futter fressen dürfen. Das ist heute bei den meisten Bio-Betrieben mit Schweinen (2016: 463 Betriebe) und mit Geflügel (2016: 1971 Betriebe) nicht der Fall. Sie würden also sämtliche Direktzahlungen verlieren.  

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE