28.11.2019 14:55
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/blu
Pflanzenschutzmittel
Chlorothalonil: Entscheid noch 2019
Zu hohe Chlorothalonil-Rückstände im Trinkwasser hatten im Sommer für Schlagzeilen gesorgt. Der Bund leitete ein Verfahren zum Verbot des Fungizids ein. Der Entscheid soll noch vor dem Jahresende fallen.

Das kündigt der Bundesrat in am Donnerstag veröffentlichten Antworten auf parlamentarische Vorstösse an. Derzeit evaluiert der Bund Stellungnahmen zu den Verbotsplänen. Ein Widerruf der Bewilligung könnte vor dem Bundesverwaltungsgericht angefochten werden.

Für provisorische Verbote vor dem Entscheid sieht der Bundesrat keine Möglichkeit. Darüber müsste das Gericht entscheiden, schreibt er. Hingegen wäre es bei einem Bewilligungsentzug laut dem Bundesrat möglich, aus dringender Sorge um die Gesundheit oder um die Umwelt für das Verkaufen und das Aufbrauchen des Mittels keine Frist zu gewähren, schreibt er.

Verbot in der EU

Bei Metaboliten oder Abbauprodukten von Chlorothalonil kann nicht ausgeschlossen werden, dass sie die Gesundheit gefährden. Die EU hat den Wirkstoff bereits länger als vermutlich kanzerogen eingestuft.

Im März hatte die europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde erstmals darauf hingewiesen, dass für die Abbauprodukte von Chlorothalonil eine Gesundheitsgefährdung bestehen könne. Ende April entschied die EU-Kommission, die Bewilligung für den Wirkstoff zu widerrufen. Die Frist für die Anwendung endet am 20. Mai 2020. Der Bundesrat ist bereit zu prüfen, ob künftig Wirkstoffverbote aus der EU ohne weitere Überprüfung übernommen werden können.

Neue Weisung

Der Bund hat eine neue Weisung für den Umgang mit Risiken durch Chlorothalonil-Rückstände im Trinkwasser erlassen. Wird bei bestimmten Abbauprodukten des Fungizids der Höchstwert von 1 Mikrogramm pro Liter überschritten, müssen Massnahmen ergriffen werden. Wenn rasche Abhilfe möglich ist, müssen die Kontrollstellen verfügen, dass der Höchstwert für die relevanten Abbauprodukte von Chlorothalonil spätestens einen Monat ab Beanstandung eingehalten werden. Sind Massnahmen wie Mischen oder das Nutzen einer anderen Wasserquelle nicht möglich, muss eine Frist von zwei Jahren gesetzt werden.

Zahl der Betroffenen unbekannt

Während dieser Zeit müssen belastete Wasserfassungen nicht geschlossen werden. Ein solches Verbot wäre als reine Vorsichtsmassnahme unverhältnismässig und könnte zu Versorgungsengpässen führen, schreibt der Bundesrat.

Wie viele Personen Wasser aus Fassungen beziehen, bei denen es bisher nicht möglich war, die Einhaltung der Höchstwerte sicherzustellen, ist dem Bund nicht bekannt.

Überprüfung von weiteren Stoffen

Früher war die Beurteilung der Toxizität von Abbauprodukten keine Anforderung für die Zulassung eines Mittels. 2010 startete der Bund eine gezielte Überprüfung zugelassener Wirkstoffe und ihrer Metaboliten. Aktuell sind laut dem Bundesrat noch dreissig Pflanzenschutzmittel in Überprüfung. Seit Beginn der Überprüfung wurden fast hundert Wirkstoffe getestet.

Der Wirkstoff Chlorothalonil wird in der Landwirtschaft seit den Siebzigerjahren als Fungizid eingesetzt, etwa beim Anbau von Kartoffeln, Getreide und Gemüse. Abbauprodukte können ins Grundwasser und somit auch ins Trinkwasser gelangen.

SBV fordert Bauern zum Verzicht auf

Der Schweizer Bauernverband fordert die Bauern auf, bis auf weiteres auf das Pflanzenschutzmittel zu verzichten. «Der Wirkstoff schützt zum Beispiel Weintrauben vor dem gefürchteten falschen Mehltau, der unbehandelt zum totalen Verlust der Ernte führen kann. Chlorothalonil kommt aber auch auf Sportrasen, Blumen, Sträuchern oder Zierpflanzen zur Anwendung», hält der SBV fest.

Weil die unklare Lage die Wasserversorger und die Bevölkerung verunsichert, fordert der Bauernverband, dass so rasch als möglich Klarheit herrscht. Bis zum Entscheid der Zulassungsbehörden fordert der SBV die Bauern auf, Produkte mit dem Wirkstoff Chlorothalonil nicht mehr einzusetzen. «Für den Schutz der Kulturen stehen ausreichend andere Wirkstoffe zur Verfügung», heisst es in der Mitteilung.


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