27.02.2020 13:50
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sda
Schädlinge
Bund will Baumwanze bekämpfen
Die aus Asien eingeschleppte Marmorierte Baumwanze setzt dem Obst- und Gemüsebau zu und macht immer grössere Teile der Ernte zunichte. Der Bundesrat möchte angesichts der Schäden in Millionenhöhe nicht länger zuschauen und die Schädlingsforschung verstärken.

Er beantragt die Annahme einer entsprechenden Motion von Nationalrat Philipp Kutter (CVP/ZH), welche Politiker aus allen Fraktionen mitunterzeichnet haben. Konkret fordert der Vorstoss den deutlichen Ausbau der Forschung und Beratung im Kampf gegen die Marmorierte Baumwanze im Speziellen und der invasiven Krankheitserreger im Generellen.

Gefahr rechtfertige «eine substanzielle Erhöhung»

Die Schäden, die die Marmorierte Baumwanze - umgangssprachlich auch Stinkkäfer genannt - in der Schweiz verursache, sowie der Mangel an effizienten Massnahmen zur Bekämpfung dieser Schädlinge seien dem Bundesrat bekannt, schreibt dieser in seiner am Donnerstag veröffentlichten Antwort auf die Motion. Die Gefahr rechtfertige «eine substanzielle Erhöhung der Mittel».

Der Bundesrat geht davon aus, dass für vier Jahre rund eine halbe Million Franken pro Jahr zusätzlich benötigt werden, um Forschungsarbeiten über die Marmorierte Baumwanze zu finanzieren. Ein zusätzlicher Finanzbedarf würde vom Bundesrat bestimmt und dem Parlament beantragt.

Nach der Neuorganisation der Forschungsanstalt Agroscope würden aufgrund von Effizienzsteigerungen Mittel frei, die unter anderem für die Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden könnten, schreibt der Bundesrat. Die Marmorierte Baumwanze sei nur ein Beispiel einer Vielzahl neu in der Schweiz vorkommender Arten, deren Ausbreitung bekämpft werden müsse.

Die marmorierte Baumwanze ist für den Obst- sowie den Gemüsebau gefährlich. Im Obstbau befällt sie Pfirsiche, Nektarinen und Birnen. Die Wanzen saugen an den Früchten, die mehr oder weniger starke Deformationen ausprägen. Obwohl Einstiche kurz vor der Ernte nicht mehr zu wahrnehmbaren Dellen an den Früchten führen, sind sie ein grosses Problem, weil sie als Eintrittspforte für Krankheitserreger dienen und die Früchte in der Folge am Lager zu faulen beginnen.

Schäden in einem Jahr verdoppelt

Die Schäden durch die Wanze werden immer grösser. Sie haben sich im Vergleich zu 2018 verdoppelt. Bereits gibt es Ernteausfälle von bis zu 20 Prozent. «Das Ausmass der Schäden erfordert schnelle Lösungen, um die einheimische Obstproduktion zu unterstützen. Besonders betroffen sind die Birnenkulturen angrenzend zu Häusern, Scheunen oder zu Siedlungsgebieten», teilte der Obstverband im vergangenen Herbst mit.

Derzeit sind keine zugelassenen Insektizide zur Bekämpfung der marmorierten Baumwanze vorhanden. Gemäss SOV ist eine chemische Bekämpfung sehr schwierig, da die ausgewachsenen Tiere bereits im April aus dem Winterquartier (Häusern) in die Kulturen einwandern.

Der Verband spricht von einem nationalen Problem. Dies wird bestätigt. «Die Wanze hat sich in den vergangenen Jahren über die ganze Schweiz ausgebreitet», sagte Markus Hunkeler, zuständig für Spezialkulturen und Pflanzenschutz in den Kantonen Luzern und Zug. Betroffen seien vor allem Anlagen angrenzend an urbane Gebiete. Besonders betroffen sind die Birnenkulturen angrenzend zu Häusern, Scheunen oder zu Siedlungsgebieten.

Nützling erst in 4 Jahren

Derzeit gibt es keine Lösungsansätze. Es gibt Nützlinge, die die Wanze bekämpfen. Ein möglicher Gegenspieler der Wanzen könnte die ursprünglich aus Asien stammende Samurai-Wespe sein. Die Wespenlarve frisst die Wanzeneier. Somit könnte die Ausbreitung der Wanzen gestoppt werden. Nun müsste man die Wespe rasch vermehren. «Aber wir dürfen diese Nützlinge nicht einfach aussetzen, sondern das braucht ein Bewilligungsverfahren wie bei einem Pflanzenschutzmittel», erklärte Hunkeler. 

Bis dies soweit ist, müssen zuerst Versuche von Agroscope und kantonalen Stellen durchgeführt werden. «Anhand dieser Versuche wird der Nützling vom Bundesamt für Landwirtschaft bewilligt oder nicht», sagte Hunkeler im vergangenen Herbst.  Er rechnet damit, dass in 3 bis 4 Jahren eine Bewilligung vorliegen könnte. 

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