31.07.2020 17:39
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Bern
Bauern als Giftbarone beschimpft
Im Berner Seeland haben Unbekannte eine Sprayerei auf einem Feldweg hinterlassen. Die Bauern wurden dort als Giftbarone bezeichnet. Die Landwirte fordern die Unbekannten dazu auf, das Gespräch zu suchen.

Die Botschaft auf einem Feldweg in Hermrigen BE ist wenig schmeichelhaft. «Fertig Gift Barone» wurde vor rund einem Monat in roter Schrift auf den Asphalt gesprayt. Immer noch ist nicht klar, wer hinter der Sprayerei steckt.

Aussagen verletzend

«Wir sind keine Barone, schon gar keine Giftbarone», sagte der Landwirt Reto Möri aus Kappelen zum «Bieler Tagblatt». Er und seine Kollegen Marcel Schott aus Hermrigen und Mathias Wyss aus Werdthof können die Aktion nicht verstehen. 

Sie erachten solche Aussagen als verletzend. «Wir haben nichts Verbotenes getan», sagte Möri weiter. Alle Pflanzenschutzmittel würden zahlreiche Bewilligungsverfahren durchlaufen, bevor sie auf den Markt kommen. Und der Landwirt setze Pflanzenschutzmittel nicht einfach aus «puurluterer Freude» ein. «Wie die Bezeichnung schon sagt: Man schützt damit die Pflanzen», machte Möri klar.

Berufsstand beleidigt

Es ist nicht das erste Mal, dass die Bauern in der Region beschimpft werden, wie «Tele Bärn» vor rund einer Woche berichtete. Bereits vor einem Jahr haben Unbekannte eine Botschaft auf einem Feldweg hinterlassen: «Fungizid, Pestizid: Gift für alle».

Die Bauern sind enttäuscht. «Wir scheuen die Konfrontation nicht. Aber wir erwarten eine Diskussion von Angesicht zu Angesicht», sagte Daniel Weber, Präsident der landwirtschaftlichen Organisation Seeland, zum TV-Sender. So könnten die Bauern erklären, weshalb sie Pflanzenschutzmittel einsetzten. «Aber solche hinterhältige Aktionen beleidigen den ganzen Berufsstand. Und das geht nicht», sagte Weber.

Gezielte Bekämpfung

«Wir möchten von der Landwirtschaft und später vielleicht eine Familie gründen. Solche Aktionen machen betroffen. Und wir können nicht darauf reagieren, weil wie nicht direkt mit den Vorwürfen konfrontiert werden», sagte Marc Brunner, Junglandwirt aus Kappelen BE, zu «Tele Bärn». 

Landwirt Möri erklärte gegenüber dem «Bieler Tagblatt», man spritze nicht vorbeugend, sondern bekämpfe gezielt bestimmte Schädlinge. «Das ist das Gleiche, wie wenn man bei Kopfschmerzen eine Tablette nimmt», führte er aus.

Bevölkerung soll mit Bauern Gespräch suchen

Die Bauern haben gegen die Sprayereien Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Zum Teil werden die Landwirte auch von Spaziergängern beleidigt. Giftmischer, Krüppelbauer oder Stinker sind nur einige der Bezeichnungen. Einige Landwirte haben auch positive Erlebnisse zu berichten. Während der Coronazeit seien viele Menschen auf ihn zugegangen. Dies habe zu interessanten Gesprächen geführt, sagte Mathias Wyss. «Man hat begonnen, den Bauernstand zu schätzen», so Wyss weiter.

Die Bauern aus der Region sind sich aber einig: Solche Sprayereien sind nicht zielführend. Die Bevölkerung soll direkt die Bauern fragen, was sie genau auf den Feldern machen. Sie sind überzeugt, dass sich die meisten Landwirte die Zeit für eine Erklärung nehmen würden. 

Preisdruck als Hauptproblem

Support erhalten die Bauern von Nationalrätin und Agronomin Christine Badertscher. Pauschalverurteilungen erachtet sie als der falsche Weg. Nur die wenigsten Bauern würden sich nicht an die Vorschriften halten. Das Hauptproblem sei der Preisdruck. 

«Ich finde es nicht richtig, nur die Bauern zu beschuldigen. Man muss die gesamte Wertschöpfung betrachten. Das heisst unter anderem den Handel, der hohe Ansprüche auf die Normen legt. Gemüse und Obst darf nicht krumm sein und keine Flecken aufweisen», sagte die Agronomin zu «Tele Bärn». In die Pflicht nimmt sie auch die Konsumenten. Diese möchten vor allem preisgünstige Waren. Die Konsumenten seien sich wohl nicht immer bewusst, was sie mit ihrem Einkaufsverhalten auslösten, machte Badertscher deutlich. 

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