28.05.2017 10:39
Quelle: schweizerbauer.ch - sal
Biodiversität
Naturschutz absurd
Die Entwicklung der Artenvielfalt auf einer jahrzehntelang extensiv genutzten Wiese widerspricht den Zielen der Politik.

Ein Landwirt aus der Ostschweiz erinnert sich, wie er in den 1980er-Jahren eine Mähwiese übernommen hat. Die Farbenpracht der Blumen war enorm, auf der Fläche von rund drei Hektaren wuchsen gleich drei Orchideenarten.

Die Vorgängerfamilie in der Bewirtschaftung hatte die Fläche zweimal im Jahr gemäht und auf der sehr steilen Fläche jedes Jahr mit Tragkörben Mist verteilt. 

Seit 30 Jahren nie gedüngt

Seit den 80er-Jahren aber ist die Fläche nie mehr gedüngt worden. Kein einziges Kilogramm Nährstoff wurde ausgetragen. Als offiziell angemeldete «extensiv genutzte Wiese» darf sie jeweils erst ab dem 1. Juli geschnitten werden, weil die Fläche in der Bergzone I eingeteilt ist.

Dies, obwohl  dort wegen Föhn,  wenig Wind, günstiger Exposition und idealem Mikroklima das Gras früher wächst als anderswo im Talgebiet.

Das Resultat: Wenn in den ersten Julitagen das Heu eingebracht wird, ist dessen Futterwert gleich null. Denn das Gras ist wochenlang überständig und mittlerweile völlig braun geworden.

Dichte Grasklüngel

In den ersten Jahren seiner Bewirtschaftung, so erinnert sich der Landwirt, war die Futterausbeute volumenmässig bedeutend grösser gewesen. Er schätzt, dass diese um die Hälfte zurückgegangen ist.  

Auf der  genannten Fläche ist im Rahmen eines Vernetzungsprojekts ein Altgrasstreifen angelegt. In einem von einem Biologen bestimmten Perimeter wird jedes Jahr die Hälfte stehen gelassen und erst im darauffolgenden Jahr gemäht. Der Landwirt beobachtet, wie sich dort dichte Grasklüngel bilden, die verfaulen. Er vermutet, dass dort vielen Blumen das zum Wachsen nötige Licht genommen wird. 

«Brutal weniger Vielfalt»

Und wie sieht es mit der botanischen Vielfalt auf der vernetzten und extensiv genutzten Wiese aus? Noch erfüllt sie die Qualitätsstufe II. Aber nur noch knapp. Denn «die Artenvielfalt hat brutal abgenommen», wie es der Landwirt ausdrückt, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will.

Die Orchideen, wegen deren es sogar einen Naturschutzvertrag gibt, sind alle verschwunden, was der Landwirt persönlich sehr bedauert. Anders ist die Entwicklung bei einer nahe gelegenen Fläche, die er als «wenig intensiv genutzte Wiese» angemeldet hat.

Dort weidet er im Herbst rund einen  Monat lang das Vieh Tag und Nacht, womit die Fläche etwas gedüngt wird. Hier ist die  Artenvielfalt laut dem Landwirt gleich geblieben. 

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