15.05.2020 10:37
Quelle: schweizerbauer.ch - hal
Futterbau
«Sind beim Heuen viel entspannter»
Patrick Müller produzierte auf seinem Betrieb im Laufe der Jahre immer mehr Dürrfutter. Das führte zu Schwierigkeiten bei der Heutrocknung. Müller handelte und erzählt nun von seiner Erfahrung mit dem Hackholz-Ofen.

«Je länger ich den Betrieb führte, umso mehr hatte ich ein Problem», sagt Landwirt Patrick Müller aus dem sankt-gallischen Ernetschwil und meint die Situation mit der Heutrocknung. 

Mehrere Lösungen geprüft

Vor 25 Jahren übernahm er den Betrieb mit 15 Milchkühen, heute steht mit 38 Stück mehr als das Doppelte an Kühen im Stall. Der Heustock wurde aber nicht grösser. Dieser umfasste zwei Boxen an je 80 m2. Bereits beim Heuen habe er jeweils eine Füllhöhe von 5 Metern erreicht. «Die Trocknung funktionierte nicht mehr.» Müller suchte nach Lösungen. Zuerst habe er ein Sonnendach mit seiner Photovoltaikanlage in Betracht gezogen, das mit Warmluft eine effizientere Heutrocknung ermöglichen sollte.

Auch ein zweiter Lüfter sollte her. Doch bevor er das Projekt in Angriff nahm, liess er sich beraten. Anstatt ein Sonnendach empfiehl der Berater zuerst die «billigste und effizienteste» Massnahme: Die Isolation des Heubodens. Doch bei dieser Massnahme sollte es nicht bleiben. Wegen der hohen Einfüllhöhen musste in einen zweiten Heulüfter investiert werden. Und dann fehlte noch die Warmluft.

50 m3 Hackholz pro Jahr

«An einen Ölofen dachte ich als Biobauer keine Minute.» Schon eher in die Ränge kam ein Pelletofen. Trotzdem sah er davon ab, weil er Pellets kaufen müsste. Nach weiterer Recherche stiess er auf einen 150-kW-Hackholz-Ofen. «Die Offerte war höher als ich ausgeben wollte aber nicht so teuer, dass mich das Angebot nicht interessierte», sagt Müller rückblickend.  Er konnte dem Angebot nicht widerstehen und holte den Ofen auf den Betrieb. Denn er vertraute, dass diese Lösung funktionieren würde.

Seither wird Dürrfutter nur noch mit dem Ofen getrocknet. In teure Steuerung verzichtete er. «Entweder lüften wir oder wir lüften nicht», sagt er. Wenn der Speicher mit rund 2,5 m3 Hackholz befüllt wird, beträgt die Laufzeit des Ofens rund zwölf Stunden. «So können wir die erste ganze Nacht nach dem Heuen heizen. Das ist wichtig.» Der Jahresbedarf für die Heutrocknung liegt bei rund 50 m3 Hackholz. Müller rechnet vor: «Pro m3 Hackholz rechne ich mit Kosten von rund 25 Franken für das Hacken, den Transport und die Lagerung. Das ist günstig.»  

Hackholz-Ofen

Patrick Müller investierte in eine effiziente Heutrocknung, die ihn bis heute begeistert. Er setzte auf erneuerbare Energien und schaffte einen 150-kW-Hackholz-Ofen der österreichischen Firma Lasco Heutechnik GmbH an. Der integrierte Hackgutspeicher bietet Platz für rund 2,5 m3 Hackgut. Der Ofen besitzt in der Schweiz die erforderliche Typengenehmigung. Müller zahlte für das kompakte und transportable Vorführgerät 33'000 Franken. Die weiteren Kosten betrugen 6500 Franken für den Lüfter, 1500 Franken für OSB-Platten, 1000 Franken für den Anhänger, 1500 Franken für Rohre und 1800 Franken für den Elektriker. Insgesamt investierte Müller also 45'300 Franken in die Installationen seiner effizienten Heutrocknung. hal

In der Praxis

Den Ofen befüllt Landwirt Patrick Müller mit dem Teleskoplader und einer ein Meter breiten Schaufel. «Die Schaufel musste ich selber konstruieren, weil es sie in dieser Breite auf dem Markt nicht gibt.» Nur so kann er den Ofen sauber befüllen. Den Ofen montierte er auf einen Anhänger. So kann er ihn nach der Trocknung in den Wagenschopf stellen. Steht der Ofen im Einsatz, muss ein Sicherheitsabstand zur Scheune von acht Meter eingehalten werden. «Wir überqueren mit den isolierten Schläuchen zwischen Ofen und Lüfter eine Hofstrasse und konnten es einrichten, dass eine freie Durchfahrt möglich ist. » 

Um die beiden Heuboxen individuell zu belüften, wurde eine feste Wärmeverteilung mit Klappen installiert. «So sind wir immer flexibel.» Angesichts der geringen Heustockgrösse ist das besonders wichtig. Pro Jahr werden 80 bis 100 Grossballen Dürrfutter gepresst. Und welches Fazit zieht Müller nach dreijähriger Erfahrung? «Wir sind beim Heuen viel entspannter. Und wenn es am nächsten Morgen so fein nach Heu schmeckt, dann macht es richtig Spass», schwärmt er.

Betriebsspiegel

Patrick Müller bewirtschaftet mit seiner Familie in Ernetschwil SG einen Biobetrieb mit 26 ha Landwirtschaftlicher Nutzfläche, 3,5 ha Wald, 38 Holsteinkühen und 2'000 Legehennen. Pro Jahr werden 240'000 Kilo Milch an die Züger Frischkäse AG in Oberbüren SG geliefert. Zudem betreibt Müller  eine 295-kWh-Photovoltaikanlage und ist an einem Fernwärmebund beteiligt, mit dem 8 Mehrfamilienhäuser und 4 Einfamilienhäuser mit Wärme versorgt werden. hal

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