15.06.2017 16:29
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchproduktion
Mit Weide bis 10 Rp./kg sparen
Die Lage für viele Milchbauern ist prekär. Die tiefen Preise für ihre Molkereimilch decken nur knapp die Kosten. Nun droht eine weitere «Gefahr»: Knappere Futtermittel wegen des Klimawandels. Eine Studie erkennt Potenzial bei der Grasbewirtschaftung.

In der Schweiz wurde es in den vergangenen 150 Jahre deutlich wärmer. Die Temperaturen sind um rund 1.7 Grad gestiegen, die Vegetationsperiode dauert heute tendenziell länger. Mit der Erwärmung wurde es auch trockener.

Im Frühling optimieren

Gemäss Modellrechnungen wird sich die mediterrane Klimazone in einigen Jahrzehnten bis nach Lyon, rund 140 Kilometer von Genf entfernt, ausdehnen. Für die Rinderhaltung sind das ungünstige Prognosen. Besonders betroffen ist die Region entlang des Juras. Durchlässigen Böden reagieren empfindlich auf einen Wassermangel. Im «Dürre-Sommer» 2015 erlitten Waadtländer Bauern entlang des Juras beim Gras Einbussen bei der Jahresernte von 20 bis 40 Prozent.

Gemäss der Forschungsanstalt Agroscope liegt die Lösung nicht beim Kauf von Futtermitteln. «Optimierungspotenzial bietet insbesondere die Grasverwertung im Frühling», so die Forscher. Seine Bedeutung wird durch die längere Vegetationsperiode zunehmen. Ein früher Weidebeginn nutzt die Winterfeuchte und schont die Futterreserven. Am ehesten würden sich die Bauern mit einem wirtschaftlichen Ansatz über die Futterkosten vom Potenzial von Weiden überzeugen.

30 Aren pro Kuh

Gemäss Agroscope lässt sich mit einer Fläche von 30 Aren pro Kuh eine Herde im Sommer drei bis vier Monate lang ausschliesslich mit Weiden ernähren. Gemäss Modellberechnungen können so Einsparungen von 5 bis 10 Rp. pro Kilo Milch erzielt werden. Um das Weidepotenzial besser zu nutzen, müssen gemäss Agroscope Berater und Landwirt geschult und bessere Prognosen für das Graswachstum erstellt werden. Auch die Vernetzung von Produktionsbetrieben in Form von Interessengruppen oder Futter-Tauschbörsen werden vorgeschlagen.

«Für die Weiden im Jurafuss ist ein Viehbestand von 1.2 GVE/ha im Allgemeinen zu hoch», heisst es im Communiqué von Agroscope. Die Forschungsanstalt schlägt zwei Lösungen vor:  Eine Reduktion der Zahl oder Art der Tiere oder eine Ausdehnung der für Futter genutzten Fläche.

Verschiedene Ansätze


Eine Zusammenarbeit mit Ackerbaubetrieben sei eine Möglichkeit, Angebot und Nachfrage von Futter besser in Einklang zu bringen, so Agroscope. «Eine Ausdehnung von Kunstwiesen, die reich an Leguminosen sind, würde zum Erhalt einer nachhaltigen Landwirtschaft beitragen», heisst es weiter. Auch eine intensivere Zusammenarbeit zwischen Tal- und Bergbetrieben ergibt Potenzial, da die Betriebe unterschiedlich von der Trockenheit betroffen sind.

Es soll eine Anpassung der Futterproduktion an den Klimawandel über verschiedene Ansätze erfolgen. Genannt werden dürreresistente Arten wie auch eine gemeinsame Nutzung der Ressourcen innerhalb der Region.

Umgang mit Wetterkapriolen im Futterbau

Was ist zu erwarten?

  • Wetterschwankungen sind normal und treten jedes Jahr auf. Jährliche Wiesenerträge schwanken regelmässig um ±20 bis 30%.
  • Langfristig ist mit steigenden Temperaturen (um 1 bis 3 °C bis 2050) und zunehmenden Extremereignissen zu rechnen. Ab 2050 ist eine leichte Abnahme der Niederschlagsmengen im Sommer (um 5 bis 15%) ebenfalls wahrscheinlich.
  • Die höhere Verdunstung führt in Sommer vermehrt zu Trockenheit, mit regionalen Unterschieden. Dies mindert den Ertrag, erleichtert aber die Futterkonservierung.
  • Die Vegetationsperiode wird länger. Zusätzlich begünstigt eine höhere CO2-Konzentration das Pflanzenwachstum.

Was können die Bäuerinnen und Bauern tun?

  • Schnitttermine und Weideumtrieb sorgfältig planen und dokumentieren. So kann vorausschauend auf das Wetter reagiert und langfristig der Viehbestand angepasst werden.
  • Reserven an Grundfutter und Weidefläche halten. Futterlagerung kostet zwar, erspart aber Futterzukäufe, welche in Extremjahren besonders teuer sind.
  • Frühlings- und Herbstgras optimal nutzen. Seine Bedeutung wird durch die längere Vegetationsperiode zunehmen. Ein früher Weidebeginn nutzt die Winterfeuchte und schont die Futterreserven.
  • Eine hohe Qualität des Grundfutters anstreben, damit es im Sommer einfacher zugefüttert werden kann.
  • Bei Trockenheit mit Nutzung und Düngung warten bis das Gras wieder grün ist.
  • Zwischen Berg- und Talbetrieben zusammenarbeiten, da beide von Trockenheit und Nässe unterschiedlich betroffen sind.
  • Die Futterproduktion diversifizieren und Mischungen mit trockenheitsresistenten Klee- und Grasarten ansäen und angepasst bewirtschaften. Es ist selten sinnvoll, mehr als ein Viertel der Ansaatflächen auf die Trockenheit auszurichten, da es auch in Zukunft nasse wie trockene Jahre geben kann.

ww.agff.ch

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