13.03.2019 14:17
Quelle: schweizerbauer.ch - ats
Forschung
Echte Magerwiesen sind selten
Im Talgebiet wachsen deutlich mehr ökologisch hochwertige, artenreiche Wiesen als noch vor fünfzehn Jahren. Erste Auswertungen von Monitoringdaten würden zeigen aber, dass auf vielen Ökoflächen immer noch keine artenreiche Blumenwiese wachsen, lauten die Resultate von Agroscope.

Die Biodiversität lässt sich gemäss Agroscope-Fachleuten gezielter fördern, wenn die Standortvoraussetzungen besser berücksichtigt werden und die Bewirtschaftung darauf ausgerichtet wird.

Ein Drittel mehr

Der Bund hat Ziele festgelegt, um den Erhalt der Arten- und Lebensraumvielfalt in der Agrarlandschaft zu garantieren (Umweltziele Landwirtschaft, UZL), heisst in der Mitteilung. Agroscope-Forschende haben im Rahmen des Programms «ALL-EMA» (siehe unten) eine Bestandesaufnahme durchgeführt.

Diese zeigt folgendes Bild: Auf den Wiesen, auf denen Massnahmen zur Förderung der Biodiversität angewendet werden, wachsen mehr Pflanzenarten, die durch die Landwirtschaft gefördert werden sollen (UZL-Arten), als auf Flächen ohne Förderung. Der Anteil an qualitativ guten, artenreichen Wiesen hat zudem im Vergleich zu einer ähnlichen Evaluation vor fünfzehn Jahren sowohl in der Tal- als auch in der Hügelzone um etwa ein Drittel zugenommen.

Boden muss nährstoffarm sein

Eine für artenreiche Magerwiesen typische Flora kommt aber lediglich auf rund 10% der Flächen vor, artenreiche Fettwiesen finden sich auf rund 30% der untersuchten Flächen. Im Talgebiet und den tiefer gelegenen Bergregionen sind diese Anteile deutlich geringer als in den oberen Bergregionen, wo sogar auf rund 40% der nicht speziell geförderten Flächen artenreiche Mager- oder Fettwiesen vorkommen.

Es sei keinesfalls so, dass sich die Landwirte nicht an die geltenden Vorschriften halten würden. betonen die Forscher. Eine artenreiche Magerwiese gedeihe aber nicht an allen Standorten. Es reiche nicht, nur auf Düngung zu verzichten und spät im Jahr zu mähen. Der Boden müsse bereits nährstoffarm sein. Zudem müssen Samen von Pflanzenarten der Magerwiese in der Umgebung vorhanden sein.

Empfehlungen für Magerwiesen

Für die erfolgreiche Erhaltung oder den Aufbau ökologisch hochwertiger, artenreicher Wiesen braucht es:

  • eine Zielformulierung, welche die Standortgegebenheiten, die vorhandenen Pflanzenarten und ihr Entwicklungspotenzial am Standort berücksichtigt,
  • eine darauf abgestimmte Bewirtschaftung und
  • gezielt eingesetztes ökologisches und agronomisches Fachwissen, unter Umständen durch eine fachkundige Beratung.

Um die Frage zu beantworten, welcher Typ artenreiche Wiese auf einer bestimmten Fläche erhalten oder angestrebt  werden kann, sind die Standortgegebenheiten entscheidend, heisst es in der Mitteilung. Diese müssen zur angestrebten Zielvegetation passen. Dazu bedürfe es ökologischen und agronomischen Fachwissens, respektive einer fachkundigen Beratung vor Ort. Bei der Ausgestaltung der Fördermassnahmen müsse dieser Aspekt stärker berücksichtigt werden, fordern die Forscher.

Das Monitoring-Programm ALL-EMA  

Im Monitoring-Programm «Arten und Lebensräume Landwirtschaft − Espèces et milieux agricoles» (ALL-EMA) messen Agroscope-Fachleute im Auftrag des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) und des Bundesamtes für Umwelt (BAFU), wie sich die Biodiversität im Agrarland entwickelt und ob die «Umweltziele Landwirtschaft» im Bereich Biodiversität erreicht werden.

Dies geschieht durch Erhebungen auf 170 landwirtschaftlichen Flächen (jeweils Quadrate von einem Quadratkilometer Grösse) in der ganzen Schweiz in einem fünfjährigen Zyklus. Dabei wird auch der Beitrag der Biodiversitätsförderflächen (BFF) aufgezeigt. Heute liegen Resultate aus 102 Untersuchungsgebieten vor. Agroscope wertet diese zurzeit aus. Die hier präsentierten Resultate sind ein erstes Beispiel für Analysen, die mit ALL-EMA-Daten möglich sind.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE