6.12.2018 19:04
Quelle: schweizerbauer.ch - Vrena Crameri-Daeppen
Graubünden
Die Alpweiden mulchen
Auf der Alp Pradaschier werden Alpweiden gemulcht, damit jene nicht verbuschen und das Gras besser wachsen kann.

Alpweiden – eine Augenweide für alle, denn hier ist die Flora vielfältig und damit auch der Lebensraum für viele Kleintiere, aber auch für das Wild intakt. Doch beim genaueren Hinschauen stellt man fest, dass auf grossen Teilen der Alpweiden Alpenrosen- und Heidelbeerstauden sowie Alpenerlen wuchern. Ein Problem, das in den letzten Jahren immer sichtbarer wird. 

Dem Wald abgerungen

In Churwalden ist man sich dieser Problematik bewusst und sucht deshalb neue Wege. Denn man hat festgestellt, dass man trotz verschiedenen Anstrengungen die gewünschten Resultate nicht erreicht hat. An einer Begehung warf Marcel Züger, Geschäftsführer Pro Valladas GmbH, einen Blick in die Vergangenheit. Weil die Menschen Futter für ihre Tiere brauchten, wurde Wald und Gebüsch gerodet. Quadratmeter um Quadratmeter wurde der Natur abgetrotzt. 

Arbeitende Hände gab es genug, und wenn auf den Weiden Vieh gehütet wurde, so wurden auch nicht erwünschte Pflanzen ausgerissen. Wo Gras wuchs, wurde gemäht für den Wintervorrat – Wildheuer hatten eine harte, gefährliche Arbeit. Die landwirtschaftliche Bevölkerung schrumpfte, man fand anderweitig Arbeit. Der Fortschritt in der Landwirtschaft sorgte dafür, dass aus weniger Boden mehr Futter gewonnen werden konnte. 

Die Natur erobert zurück

Heute stellt man fest, wie die Natur einst verlorenes Land wieder zurückerobert, die Biodiversität sinkt, die Erträge ebenfalls, die Alpweiden werden kleiner. Jetzt, da die Sömmerungsbetriebe auch vom Bund gefördert werden, möchte man verbuschtes Land wieder zurückgewinnen. Mit Ziegen abweiden, Stauden schneiden, ausholzen – das alles würde viel Arbeitskraft brauchen, die weitgehend fehlt. Deshalb kamen Rolf Brunold, Alpvogt Alpkorporation Pradaschier, und Christian Brasser, Kassier, auf die Idee, Alternativen zu suchen. 

Mulchen, das war die Zauberidee. Doch Flora und Fauna dürfen nicht geschädigt werden durch solche Eingriffe, sondern sie sollten davon profitieren. Die Alp Pradaschier ist 255 Hektaren gross, davon kann nicht alles beweidet werden, sondern zum Teil ist es unproduktives Land. Es wurden nach diversen Abklärungen 5 Hektaren bewilligt, welche innert drei Jahren gemulcht werden dürfen. 

Kein einsäen nötig

Lohnunternehmer Jann Buff aus Davos schaute sich das Gebiet an, übernahm den Auftrag und kam im September erstmals mit seinem geländegängigen Traktor und Mulchgerät. Die Stauden wurden bodeneben abgeschlegelt. Hinter der Maschine lag nur noch kleingehacktes Holz, das verrotten sollte. Die Grasnarbe wurde kaum beschädigt, das Gras kam wieder zum Vorschein.

Eigentlich habe man damit gerechnet, dass man die Weiden noch einsäen müsse, doch es scheine, dass das sich erübrige, so Brunold. Nun sind die Landwirte gespannt, wie es nach der Schneeschmelze aussehen wird, ob und wie viel Gras wachsen und wie die Flora aussehen wird.

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