26.02.2019 06:02
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Betriebsführung
Das Weide-ABC für eine gute Saison
Die Weideplanung steht an. Je nach den betrieblichen Gegebenheiten eignet sich die Portionen-, die Koppel- oder die Umtriebsweide. Bei allen muss die Weidefläche im Jahresverlauf reguliert werden.

Mit dem Frühling kommt die Zeit der Weideplanung. Schon Anfang März kann man je nach Witterung mit dem grossflächigen Überweiden der Wiesen beginnen.

Doch welche Flächen werden als erste überweidet? Wie viel Futter sollen die Kühe im Jahresverlauf von der Weide holen? Eignet sich Koppel-, Umtriebs- oder Portionenweiden aufgrund der betrieblichen Gegebenheiten am besten dazu? Diese Fragen lohnt es sich vor dem ersten Auslassen zu klären.

Ans Gras gewöhnen

Das kurze und grossflächige Überweiden der gesamten Futterfläche erfolgt, wenn erst wenig Futter gewachsen ist. Es ist für die Fläche und für die Kühe vorteilhaft, wenn die Weidedauer in den ersten Tagen auf wenige Stunden begrenzt ist.

Der noch junge Aufwuchs soll nicht übernutzt werden, und die Kühe müssen sich erst ans Grünfutter gewöhnen.

Raygras fördern

Das Überweiden fördert die Bestockung der Gräser, führt zu einer dichten Grasnarbe, hemmt gewisse Unkräuter und verringert den Futterberg im Mai. Durch Tritt und Biss werden gute Weidegräser wie das Englische Raygras gefördert.

Wegen seines hohen Zuckergehaltes, der auch bei einem späteren Schnitt relativ stabil bleibt, liefert es ein sehr gutes Verhältnis von Energie und Futtermenge.

Im Jahresverlauf

  • 15. März bis 15. April: Der Weidebeginn findet statt, sobald das Gras grün wird. Ziel ist es, alle Flächen vor dem 15. April grossflächig zu überweiden.  

  • 15. April bis 20. Mai: Der Weidedruck muss hoch sein, um den Futterwuchs zu dominieren. Pro Kuh sollten auf einer Kurzrasenweide – ohne Beifütterung – 15 Aren unter guten Bedingungen und höchstens 30 Aren unter schlechten Bedingungen zur Verfügung stehen. Die Bestandeshöhe wird auf 6cm gehalten. Bei der Umtriebsweide sind in dieser Zeit zwei Umtriebe durchzuführen. Die Ruhezeit der Koppeln zwischen zwei Bestossungen beträgt etwa 15 Tage. 

  • Ende Mai bis Juli: Das Graswachstum geht stark zurück. Das Rispenschieben geht dem Ende entgegen. Die zu beweidende Fläche wird ab 20. Mai erhöht: Sie sollte 25 bis 50 Aren pro Kuh betragen. Ziel ist es, bei der Kurzrasenweide eine Bestandeshöhe von 7cm zu erreichen. Die Ruhezeit  bei der Koppelweide verlängert sich auf 25 Tage. Die nicht beweideten Flächen sollten gestaffelt geschnitten und das Gras konserviert werden. 

  • Ab August: Zum Ende der Saison muss die Weidefläche ein zweites Mal ausgedehnt werden. Gründe dafür sind ein verringertes Graswachstum und unter Umständen Trockenheit. Der Flächenbedarf pro Kuh liegt nun also zwischen 30 und 80 Aren. Ab September empfiehlt es sich, Zwischenfutter in die Weidefläche einzubeziehen.

Richtig Zäunen

Für jede Tierart gibt es Vorgaben, wie ein Zaun auszusehen hat. Hält sich der Bauer nicht daran, kann er in einem Schadenfall zur Verantwortung gezogen werden. Für Kälber, Rinder und Kühe muss eine Umzäunung zwei Drähte aufweisen, für den Stier einen dritten. Auch für Pferde werden drei Drähte empfohlen. 

Bei Verwendung von Litzen und Drähten sowie bei breiten Bändern sollten laut der Firma Horizont die Pfähle im Abstand von 6 bis 8m gesteckt oder geschlagen werden. Bei 20mm breiten Bändern sind 5m Abstand, bei 40mm breiten Bändern 3m ratsam. 4m voneinander entfernt sollten die Pfähle bei 7 bis 8mm dicken Elektroseilen stehen. 

Je länger der Zaun, je behaarter das Tier und je stärker der Bewuchs, desto grösser muss die Spannung des Elektrozaungeräts sein. Sie sollte an keiner Stelle des Zauns unter 2000 Volt fallen. Elektrozäune, die weniger als zwei Meter Abstand zueinander aufweisen, dürfen laut der BUL nicht durch zwei verschiedene Elektrozaungeräte betrieben werden.

Werden Elektrozäune in unmittelbare Nähe von Knoten- oder Maschengitterzäunen errichtet, sind Vorkehrungen zu treffen, die die gleichzeitige Berührung beider Zäune durch Kinder verhindert. In der Regel ist ein vertikaler Abstand von 40cm ausreichend. Auf das Anbringen eines Elektrozaunes oberhalb des geerdeten Knoten- oder Maschengitterzaunes soll verzichtet werden. sum

Portionenweide

  • Sehr leistungsfähiges System
  • Durch das höhere und etwas ältere Gras bekommen die Kühe weniger Durchfall.
  • Auch bezüglich Topografie und Grundriss unregelmässige Flächen werden sauber abgeweidet.
  • Meist stundenweise Fresszeiten (Halbtagesweide)
  • Kombination mit  Kurzrasen- oder Koppelweide möglich
  • Hoher Arbeitszeitbedarf durchdie tägliche Anpassung und Abzäunung der Weidefläche. 

Kurzrasenweide

  • Weidefläche nicht oder in max. vier Schläge unterteilt
  • Ruhezeit beträgt maximal eine Woche
  • Immer gleich bleibende Aufwuchshöhe
  • Flächenbedarf hängt vom täglichen Graszuwachs ab – Besatzdichte im Jahresverlauf anpassen
  • Höchster Anspruch an das Weidemanagement
  • Arrondierte, homogene und nur leicht geneigte Flächen sind Voraussetzung sum

Koppelweide

  • Weidefläche in Koppeln unterteilt, jede Koppel 2 bis 5 Tage beweidet
  • Im Frühjahr sollten die Koppeln nach 15 bis 20 Tagen und im Herbst nach 21 bis 35 Tagen wieder bestossen werden
  • Fläche kurz bestossen und dann längere Pause bis zur nächsten Beweidung
  • Aufwuchshöhe 15 bis 20cm Höhere Einzeltierleistungen möglich
  • Kleinere Flächen möglich
  • Arbeitsaufwand etwas höher, allerdings Beweidung besser steuerbar
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