17.08.2015 17:13
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Österreich
A: "Dramatische" Dürreschäden
Als Reaktion auf die anhaltende Hitze und Trockenheit in Österreich hat Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter vergangene Woche Sofortmassnahmen gegen eine drohende Futtermittelknappheit auf den Landwirtschaftsbetrieben ergriffen und Grünbrachen als Futterflächen freigegeben. Die Dürreschaden sind gross.

Nach Angaben des Wiener Landwirtschaftsministeriums können in den besonders betroffenen Gebieten ab sofort geförderte ökologische Vorrangflächen für Futter- und Weidezwecke genutzt werden. Das gilt für die Bundesländer Oberösterreich, Niederösterreich, Burgenland und Wien sowie für die Bezirke in der Oststeiermark, Südoststeiermark und Kärnten.

Grosse Dürreschäden

Landesweit erlaubt hat Rupprechter jetzt auch die Nutzung von Ackerbiodiversitätsflächen zur Futtermittelproduktion, etwa zum Kleeanbau. Die Bedingungen wie das Verbot von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln auf diesen Flächen bleiben aber aufrechterhalten. Zuvor hatte die Österreichische Hagelversicherung mitgeteilt, dass aufgrund extremer Wettersituationen in diesem Jahr mit einem enormen Schaden in der Landwirtschaft zu rechnen sei.

Der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens bezifferte die Dürreschäden in der Landwirtschaft auf mittlerweile deutlich mehr als 100 Mio Euro. Hinzu kämen Einbussen von mehr als 30 Mio Euro infolge schwerer Hagelereignisse bis Mitte Juli.

„Dramatische“ Schäden

Nach Weinbergers Worten zeigt die Zwischenbilanz, wie verletzbar die standortgebundene Landwirtschaft geworden ist. Wetterextreme seien aber keine Ausreisser und keine Jahrhundertereignisse mehr. Vielmehr sei das Gegenteil der Fall, denn der Schweregrad und die Intensität solcher Naturkatastrophen nähmen zu.

Der Vorstandsvorsitzende unterstrich, dass die österreichische Landwirtschaft weiter mit schwerwiegenden Folgen unter der „extremen Gluthitze“ leide, während die Tourismusbranche jubele. Die eingetretenen Hitzeschäden durch die extrem trockenen Temperaturen an den Wüstentagen und die ausbleibenden Niederschläge bei Ackerkulturen, insbesondere bei Mais, Kürbis, Sonnenblumen, Sojabohnen sowie Kartoffeln und Grünland, seien „dramatisch“. Betroffen seien vor allem Niederösterreich und das Burgenland, aber auch in anderen Bundesländern spitze sich die Situation zu.

Rekord an Wüstentagen

Nach Angaben der Hagelversicherung war das erste Halbjahr 2015 global gesehen das wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen. In Österreich habe es in den letzten 248 Jahren noch nie einen Juli gegeben, der heisser gewesen sei als der 2015, und das seit Messbeginn im Jahr 1767. Das schlage sich in einigen Regionen der Alpenrepublik auch in einem neuen, noch nie dagewesenen Rekord der Tage mit Temperaturen über 35 °C nieder, den sogenannten „Wüstentagen“.

Der Direktor der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), Michael Staudinger, berichtete, dass in diesem Jahr etwa elf Wüstentage an der Wetterstation „Hohe Warte“ inWien gezählt worden seien. Ein Ende der Hitzewelle ist dem ZAMG-Direktor zufolge noch nicht zu erwarten. Auch Staudinger geht künftig von mehr Schäden in der Landwirtschaft aus.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE